Konjunkturkrise IWF erwartet schärfste Weltrezession der Nachkriegszeit

Düstere Prognose des Internationalen Währungsfonds: Der IWF hat seine Vorhersage für das Weltwirtschaftswachstum drastisch nach unten korrigiert. Deutschland sagt die Organisation einen drastischen Konjunktureinbruch voraus - und mahnt, die Idee einer "Bad Bank" nicht zu verurteilen.


Washington - Die Weltwirtschaft rutscht nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) im laufenden Jahr in die tiefste Rezession seit dem Zweiten Weltkrieg. Das globale Wachstum werde 2009 nur noch 0,5 Prozent betragen, heißt es im Weltwirtschaftsausblick des IWF, der am Mittwoch vorgestellt wurde. "Wir erwarten jetzt, dass die Weltwirtschaft fast völlig stillsteht", kommentierte IWF-Chefökonom Olivier Blanchard die Prognose.

Verkäufer in Miami: Wachstumsprognose deutlich nach unten korrigiert
AFP

Verkäufer in Miami: Wachstumsprognose deutlich nach unten korrigiert

Im November waren die Experten noch von einem Wachstum von 2,2 Prozent ausgegangen. Auch für das kommende Jahr kappten die Experten ihre Prognose von 3,8 auf 3,0 Prozent - und das trotz der massiven Konjunkturprogramme vieler Staaten und trotz drastischer Zinssenkungen der Notenbanken. Der Fonds spricht bei einem weltweiten Wachstum von unter drei Prozent von Rezession.

Für Deutschland rechnet der IWF 2009 mit einem Rückgang der Wirtschaftsleistung um 2,5 Prozent, in seiner vorangegangenen Prognose war die Organisation noch von minus 0,8 Prozent ausgegangen. Die IWF-Schätzung für dieses Jahr liegt damit noch unter der Vorhersage der Bundesregierung, die in ihrem Jahreswirtschaftsbericht von einem Minus von 2,25 Prozent ausgeht. Auch für 2010 prognostiziert der IWF Deutschland nur noch ein minimales Wachstum von 0,1 Prozent.

Für die USA erwartet der IWF 2009 nun einen Rückgang der Wirtschaftsleistung um 1,6 Prozent (vorher minus 0,7) und für 2010 ein Wachstum von 1,6 Prozent (vorher plus 1,5). Mit positiven Zuwachsraten rechnet der IWF vor allem in China (plus 6,7 Prozent) und Indien (plus 5,1 Prozent).

Die Volkswirtschaften aller Industriestaaten zusammengenommen werden nach IWF-Schätzung in diesem Jahr um zwei Prozent schrumpfen. Auch hier hat der Fonds seine vorige Prognose von minus 0,3 Prozent deutlich nach unten korrigiert. Auch die erwartete Erholung 2010 fällt mit 1,1 Prozent (zuvor plus 1,6 Prozent) deutlich bescheidener als bislang erwartet aus.

Faule Kreditpapiere im Wert von 2,2 Billionen Dollar

Die Verluste durch Kredite und entsprechende Vermögenswerte, die im Zusammenhang mit dem Einbruch auf dem US-Immobilienmarkt stehen, schätzt der IWF inzwischen ebenfalls deutlich größer ein als noch im Oktober. Auf rund 2,2 Billionen Dollar werden die Verluste nun beziffert. Im Oktober lag die Schätzung noch bei 1,4 Billionen Dollar.

Den Banken drohen dadurch weltweit neue Abschreibungen. Sie werden voraussichtlich noch mehr Kapital benötigen, da weitere Verluste zu erwarten seien, heißt es im ebenfalls aktualisierten Bericht zur globalen Stabilität der Finanzmärkte des Weltwährungsfonds.

Dominique Strauss-Kahn, geschäftsführender IWF-Direktor, appellierte nach Veröffentlichung der neuen Negativberichte an die Politik, weitere Maßnahmen zur Stabilisierung der Konjunktur ergreifen. Vor allem der Bankensektor müsse gestützt und von faulen Wertpapieren befreit werden. Dabei müssten Regierungen auch die Möglichkeit in Erwägung ziehen, Risikopapiere in Form einer "Bad Bank" auszulagern.

Eine klassische Bad Bank würde den Instituten auf einen Schlag ihre giftigen Papiere abnehmen und so ihre Verluste sozialisieren - eine solche Verstaatlichung von Wertpapierverlusten lehnen Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) allerdings strikt ab. "Würden wir eine 'Bad Bank' gründen, würde das beide Koalitionspartner zerreißen: die Union, weil sie das ordnungspolitisch nicht mit ihren Grundprinzipien in Einklang bringen könnte, und die SPD, weil das sozialpolitisch nicht vermittelbar wäre", zitiert die "Süddeutsche Zeitung" Regierungsinsider.

ssu/AFP/dpa



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