Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Konjunkturkrise: IWF sieht USA kurz vor Rezession - Pessimismus auch für Deutschland

Die Skepsis verstärkt sich im Monatstakt: Erneut senkt der Internationale Währungsfonds seine Wachstumsprognosen. Die pessimistischen Experten sehen die USA in die Rezession abstürzen - und auch in Deutschland seien die Aussichten nicht mehr so positiv.

Berlin - Ein ganzer Prozentpunkt nach unten, von 1,5 zu 0,5 Prozent - das ist viel in der Welt der Konjunkturprognosen. Die US-Wirtschaft wird nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds in die Rezession rutschen: Der neuen IWF-Konjunkturschätzung zufolge wird die bisherige Vorhersage für 2008 dramatisch nach unten korrigiert.

Deutsches Einkaufscenter: Bundesregierung lässt sich von skeptischer IWF-Prognose nicht beeindrucken
DPA

Deutsches Einkaufscenter: Bundesregierung lässt sich von skeptischer IWF-Prognose nicht beeindrucken

Die IWF-Ökonomen gehen den Informationen zufolge davon aus, dass die US-Wirtschaft mindestens zwei Quartale in Folge schrumpft - und zeigen sich damit wesentlich pessimistischer als die meisten anderen Konjunkturexperten. Grund seien die Finanzkrise und die Schwäche am Immobilienmarkt, die den Konsum dämpfe.

Ein Vorabbericht der "Zeit" über die neuen IWF-Zahlen wurde von deutschen Regierungsinsidern bestätigt. Vorgestellt wird der IWF-Bericht in der kommenden Woche anlässlich der Frühjahrstagung von Weltbank und IWF in Washington. Bis dahin sind noch Änderungen möglich.

Auch die Schätzung für die Weltwirtschaft soll der IWF revidiert haben - und die Prognosen für Deutschland. Im Entwurf für den aktuellen Konjunkturausblick rechnet der IWF für 2008 nur noch mit einem Wachstum von 1,2 Prozent. Ende Februar waren die Experten noch von 1,5 Prozent ausgegangen.

Die Bundesregierung lässt sich von der skeptischen Prognose allerdings nicht beeindrucken und hält weiter an ihrer Wachstumsprognose von 1,7 Prozent fest. "Es gibt aktuell keine Folgerungen für die eigene Schätzung", sagten Regierungsinsider. Die IWF-Prognosen seien in der Vergangenheit am stärksten von der tatsächlichen Entwicklung abgewichen.

Der IWF hatte erst Ende Februar seine Prognose von 1,9 Prozent auf 1,5 Prozent gesenkt. Im Oktober hatte er noch zwei Prozent Zuwachs erwartet, drei Monate davor 2,4 Prozent. Tatsächlich deutet in Deutschland derzeit aber wenig auf eine Eintrübung der Konjunktur hin. So ist die Arbeitslosigkeit auf den niedrigsten März-Stand seit 15 Jahren gefallen. Im Vergleich zum Vormonat ging die Zahl der Menschen ohne Job um 110.000 auf 3,507 Millionen zurück. Verglichen mit März 2007 betrug die Abnahme sogar 617.000. Die Arbeitslosenquote verringerte sich um 0,2 Punkte auf 8,4 Prozent.

"Weder der Wintereinbruch noch die Finanzkrise beeinträchtigen die gute Entwicklung am Arbeitsmarkt", sagte BA-Vorstandschef Frank-Jürgen Weise. Dagegen hätten sich die vergleichsweise milde Witterung, das Saisonkurzarbeitergeld für den Bau und die gute Konjunktur mit der Schaffung sozialversicherungspflichtiger Jobs erneut positiv ausgewirkt. Außerdem mache sich die demographisch bedingte Abnahme des Arbeitskräfteangebots bemerkbar.

sam/Reuters/dpa-AFX/AP

Diesen Artikel...

© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: