Konjunkturkrise: Weltwirtschaft droht tiefe, langwierige Rezession

Von Sebastian Dullien

Selbst wenn die Banken gerettet sind: Der Weltwirtschaft droht die schärfste Rezession seit den frühen achtziger Jahren - mindestens. Denn jetzt erfasst der Abschwung Handel und Industrie, und kein Land kann sich dagegen sperren. SPIEGEL ONLINE analysiert, wen es wie trifft.

Berlin - Die Welt dreht sich weiter: Sechs Wochen nach dem Zusammenbruch der US-Investmentbank Lehman Brothers Chart zeigen scheint eine Bodenbildung in der Finanzkrise in Sicht. Die Zinssenkungen der Notenbanken wirken langsam, allmählich fließt wieder Geld im Interbanken-Markt. Die Börsen der westlichen Industrieländer stabilisieren sich. Und spektakuläre Bankenpleiten sind alleine deswegen unwahrscheinlich geworden, weil die Institute vor dem Gang zum Konkursrichter nun den Gang zu ihrem Finanzminister antreten können – und dort Millardenhilfen aus den Rettungspaketen auf sie warten.

Baustelle in Deutschland: Exportmärkte stehen am Rande der Rezession
DPA

Baustelle in Deutschland: Exportmärkte stehen am Rande der Rezession

Leider ist dies alles kein Grund, Entwarnung für die Weltwirtschaft zu geben.

Zum Autor
Sebastian Dullien, Jahrgang 1975, ist Professor für Volkswirtschaftslehre an der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) Berlin und Senior Policy Fellow beim European Council on Foreign Relations. Er beschäftigt sich vor allem mit der Euro-Krise.
Es wird immer deutlicher, dass die Finanzturbulenzen der Konjunktur weltweit einen schweren Schlag versetzt haben. In den Industriestaaten befinden sich die Auftragseingänge im freien Fall. Weil die Banken weltweit versuchen, ihre Risiken zu begrenzen, fehlt in vielen Ländern Kredit für Investitionen oder Handel. In einer Reihe von Erhebungen zeigten sich die amerikanischen Verbraucher, lange Triebkraft der Weltwirtschaft, so skeptisch wie seit einem halben Jahrhundert nicht mehr. Die USA drohen als globaler Konjunkturmotor auszufallen.

Das Dramatische daran: Es steht niemand bereit, um die Schwäche der US-Ökonomie auszugleichen. Die Weltwirtschaft steht damit vor gigantischen Herausforderungen. Denn diese Krise hat eine andere Qualität als die Abschwünge der vergangenen Jahre. Sie trifft die komplette Globalökonomie.

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insgesamt 106 Beiträge
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1. kein Wunder...
timbuktu 31.10.2008
... wenn man den ganzen Tag nur negative Schlagzeilen liest, dann vergeht einem irgendwann ganz automatisch die Lust auf Konsum... Warum muss bloss alles immer so dramatisiert werden ? Dadurch wird doch nichts besser, nur alles noch schlimmer. Wie wäre es mal mit dem Blick auf das Positive? Warum immer weitere Hiobsbotschaften? Ich sage nur self-fulfilling prophecy...
2. ...
straff&locker 31.10.2008
Im Grunde scheint es doch eine komplett-wirtschaftliche Korrektur zu geben. Die Gewinne der Exportunternehmen der letzen Jahre beruhen doch im Kern fast ausschließlich auf den gemachten Schulden der US-Amerikaner. Nun hat der Rest der Welt mittels der Finanzkrise die Schulden der Amerikaner wieder zum Teil zurück erhalten. Eine Blase die geplatzt ist. Es ist doch verwunderlich, dass es in den USA fast keinen Bergiff für Sparquote gibt? Die rasanten Exportgewinne werden in Dtl. wohl in den nächsten Jahren nicht zu erwarten sein, es sieht in Asien wohl etwas stabiler aus als im Artikel beschrieben, aber wenn die USA sich nicht vor den Karren spannt, werden in Asien keine deutschen Maschienen zur Produktion für Exportgüter gen USA gekauft. Im Grunde sehe ich den Schnitt so dramatisch er sein wird als Gesundung. Wachstum wird nun nicht zwigend zu einem krebsartigen Geschwür sondern sich vllt. in kleineren, sicheren Prozessen mit viel Innovationskraft vollziehen. Für Deutschland bedeutet das, meiner Meinung, nach vor allem den Binnenmarkt und das Innoavationsumfeld zu stärken. Den in einem gesättigten Markt kann man fast nur mit Innoavationen wachsen. Interessabt wird sein, ob sich die USA vom Welthandel etwas abschotten wird um die eigene Wirtschaft zu stabilisieren.
3. ...
awfj 31.10.2008
das ist ja ein dramatischer artikel. ob es wirklich so weit kommt, wage ich aber zu bezweifeln. immerhin gibt es auch einige anzeichen dafür, dass diese krise nicht ganz so schwer ausfallen wird. ein fallender ölpreis entlastet unternehmen und konsumenten weltweit. ebenfalls sinkende preise für andere rohstoffe. chinesen und inder wollen doch auf einmal nicht mehr nicht auto fahren. warum sollten sie also nicht lokomotive für die weltwirtschaft spielen? die menschen in den westlichen industrienationen haben sicher schon alles, verzichten somit auch mal auf den autokauf. inder und chinesen wollen aber weiterhin einen höheren lebensstandard MIT auto, handy usw.
4. Wer hat Schuld?
Der Emigrant 31.10.2008
Eine selbsterfüllende Profezeihung. Vor daher sind solche Schlagzeilen unverantwortlich von den Medien. Eben noch hatte ich vor, heute abend viel Geld im Restaurant auszugeben. Nun schreibt der Spiegel, dass ich bald kein Geld mehr habe. Dann bleibe ich doch heute abend lieber zuhause, und der Restaurantbesitzer wird morgen mangels der 100 Euro von mir mit dem Kopf nicken und sagen: "Stimmt, was ich da gestern im Spiegel gelesen habe." Ohne solche Meldungen wären die Probleme nur halb so schlimm.
5. Medienterrorismus
keoki 31.10.2008
Man liest immer nur schlechter, schlechter, besch... Man kann eine Rezession auch herbeischreiben. Wie die Börse ist das ganze nur eine Gefühlssache. Es liegt in Ihrer Verantwortung, werte Journalie
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