Konjunkturprognose für 2009 Ökonomen erwarten dramatischen Wirtschaftseinbruch in Deutschland

Es ist die düsterste aller bislang vorgelegten Prognosen: Das Forschungsinstitut IfW erwartet, dass die deutsche Wirtschaft im kommenden Jahr um 2,7 Prozent schrumpft. Das Minus wäre damit dreimal größer als im bisher schlechtesten Jahr in der Geschichte der Bundesrepublik.


Kiel - Die Konjunkturprogramme werden auf eine harte Probe gestellt: Das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) rechnet im kommenden Jahr mit einem schweren Einbruch der Weltkonjunktur. Für 2009 sei von einem Wachstum der Weltproduktion um nur noch 0,4 Prozent auszugehen, teilte das Institut am Montag in Kiel mit. Im September wurde noch ein Plus von 3,3 Prozent veranschlagt. In den Industrieländern dürfte die Wirtschaftsleistung sogar um 1,8 Prozent schrumpfen. Dies wäre die schwerste Rezession seit Ende des Zweiten Weltkrieges.

Autos von VW: Die Exporte werden 2009 wohl einbrechen
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Autos von VW: Die Exporte werden 2009 wohl einbrechen

Entsprechend senkte das IfW auch für Deutschland seine Konjunkturprognose drastisch. Nachdem für 2009 bislang noch von einem leichten Wachstum von 0,2 Prozent ausgegangen wurde, wird nunmehr ein Minus von 2,7 Prozent veranschlagt. Für 2010 rechnen die Forscher dann wieder mit einem leichten Plus von 0,3 Prozent. Das Minus im Jahr 2009 wäre damit dreimal so groß wie im bisher schlechtesten Wirtschaftsjahr in der Geschichte der Bundesrepublik: 1975 ging das Bruttoinlandsprodukt um 0,9 Prozent zurück.

Trotz aller Anstrengungen durch Regierungen und Notenbanken dürfte sich die Weltwirtschaft noch geraume Zeit auf Talfahrt befinden, begründen die Forscher ihre Einschätzung. Nach einem sehr schwachen Jahr 2009 sei mit einer nur zögerlichen Belebung zu rechnen.

Die Wirtschaft steckt nach Einschätzung der Forscher bereits jetzt tief in der Krise. "Für das Winterhalbjahr 2008/2009 ist ein Einbruch der gesamtwirtschaftlichen Produktion wahrscheinlich", schrieben die Experten. Im Herbst dürfte die Wirtschaft um 4,5 Prozent gesunken sein, für den Jahresauftakt 2009 erwarten die Experten sogar ein Minus von 5,0 Prozent. Auch im weiteren Jahresverlauf werde die Produktion in der Tendenz sinken, auch wenn es zeitweise leichte Anstiege geben werde, wenn die großen Unternehmen ihre Fabriken wieder in Betrieb nähmen.

Besonders die Exporte dürften im kommenden Jahr deutlich stärker einbrechen als die Einfuhren. Hier mache sich die Abschwächung der Weltkonjunktur zunehmend bemerkbar, schrieben die Forscher. Die Binnennachfrage werde dagegen die Konjunktur stützen. Dabei setzen die Kieler Experten auf einen Anstieg des privaten Konsums um 0,5 Prozent.

Der Arbeitsmarkt dürfte etwas glimpflicher durch die Rezession kommen als in der Vergangenheit, vor allem wegen der Arbeitsmarktreformen und rückläufiger Lohnkosten. Zudem habe die Bundesregierung durch die Verlängerung des Kurzarbeitergeldes Anreize geschaffen, Arbeitsplätze zu erhalten. 2009 wird mit 3,7 Millionen Menschen ohne Arbeitsplatz gerechnet, 2010 mit 3,9 Millionen. Die Arbeitslosenquote werde bis dann um fast zwei Prozentpunkte auf 9,5 Prozent steigen - in der Rezession Mitte der siebziger Jahre lag der Anstieg bei 3,7 Prozentpunkten.

Während sich die Kauflaune zum Weihnachtsfest trotz der Finanzkrise noch einmal verbesserte, beurteilen die Bundesbürger die weitere Wirtschaftsentwicklung erneut skeptischer als im Vormonat, wie aus der am Montag veröffentlichten GfK-Konsumklimastudie für Dezember hervorgeht. Die Konjunkturaussichten schätzen die Verbraucher erneut schlechter ein. Das entsprechende Barometer sank im Dezember auf minus 32,4 Zähler, das sind 2,3 Punkte weniger als im November.

Experten sind skeptisch, was das neue Jahr angeht: "Es ist klar, dass die Verbraucher realisieren, dass das Einkommen nächstes Jahr nicht mehr so rosig sein wird. Die verschlechterte Konjunkturlage wird sich allerdings wohl erst Ende kommenden Jahres deutlich auf dem Arbeitsmarkt bemerkbar machen", sagt Analyst Simon Junker von der Commerzbank. Der private Verbrauch wird nach Einschätzung des Experten nächstes Jahr um rund ein Prozent einbrechen.

cvk/Reuters/dpa/AP/ddp

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