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24. November 2008, 12:24 Uhr

Konjunkturumfrage

Jede dritte deutsche Firma will Stellen streichen

Der Abschwung erreicht den Arbeitsmarkt: Wegen der Wirtschaftskrise will ein Großteil der deutschen Unternehmen im kommenden Jahr die Produktion drosseln und Stellen abbauen. Verantwortlich ist vor allem der schwächelnde Export.

Berlin - Produktionsrückgang, Arbeitsplatzabbau - im kommenden Jahr rechnen Unternehmen in Deutschland mit drastischen Einschnitten. Gut ein Drittel der Firmen wird 2009 wohl Jobs streichen, nur 19 Prozent wollen neue Stellen schaffen. Das geht aus der Herbst-Konjunkturumfrage des Kölner Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) hervor, die in Berlin vorgestellt wurde. Das Institut prognostiziert zudem einen Rückgang der deutschen Wirtschaftsleistung um 0,5 Prozent im nächsten Jahr. Die Zahl der Arbeitslosen wird demnach im Jahresdurchschnitt um 190.000 auf annähernd 3,5 Millionen steigen.

Arbeiter auf einer Baustelle: Die Baubranche ist besonders pessimistisch
DDP

Arbeiter auf einer Baustelle: Die Baubranche ist besonders pessimistisch

Von mehr als 1800 befragten Unternehmen gehen dem IW zufolge fast 37 Prozent von einem Produktionsrückgang im kommenden Jahr aus, während gut 24 Prozent mit besseren Geschäften rechnen. "Die deutsche Wirtschaft befindet sich im Abschwung", sagte IW-Direktor Michael Hüther. Die Finanzmarktkrise hat demnach bereits voll auf die realwirtschaftlichen Sektoren durchgeschlagen. Dennoch warnt er vor Panik: Die deutsche Wirtschaft befinde sich "nicht im freien Fall".

Ein Grund für die Skepsis der Unternehmen dürfte dem IW zufolge der schwächere Export sein. Nahezu 26 Prozent der deutschen Betriebe erwarten für 2009 geringere Ausfuhren als im laufenden Jahr, nur 23 Prozent halten eine Zunahme für wahrscheinlich. Allein die ostdeutschen Betriebe sind in Sachen Exporttrend noch überwiegend zuversichtlich.

Besonders skeptisch sind laut IW die Bauwirtschaft und die Grundstoffindustrie. Dort gehen je 42 Prozent der Firmen im kommenden Jahr von einem Abwärts- und nur 20 Prozent von einem Aufwärtstrend aus. Bemerkenswert ist, dass die Wirtschaft in Ostdeutschland dem neuen Jahr vergleichsweise gelassen entgegensieht - dort rechnen nur 32 Prozent der Betriebe mit einer rückläufigen und immerhin 26 Prozent mit einer höheren Produktion.

Die insgesamt eingetrübten Perspektiven für das Auslandsgeschäft spiegeln sich laut IW auch in den Investitionsplänen der Firmen wider: Für 2009 rechnen 34 Prozent der Unternehmen mit rückläufigen Investitionen in ihrem Betrieb, lediglich 23 Prozent werden voraussichtlich mehr investieren als 2008. In der Folge werden 2009 fast 35 Prozent der Betriebe wohl nicht umhinkommen, die Zahl ihrer Mitarbeiter zu reduzieren.

cvk/Reuters/AP

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