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Konkurrenz für Cola: Hindu-Partei will Kuh-Urin-Getränk auf den Markt bringen

Was von der Kuh kommt, kann nicht schlecht sein. Das jedenfalls glaubt eine Hindu-nationalistische Gruppe in Indien - und will ein Getränk aus Rinder-Urin auf den Markt bringen. Derzeit befinde sich das Pipi-Produkt noch in der Entwicklung, soll aber schon jetzt nicht übel riechen.

Hamburg - "Machen Sie sich keine Sorgen, es wird nicht nach Urin riechen und sogar sehr gut schmecken", beruhigt Om Prakash von der Partei Rashtriya Swayamsevak Sangh (RSS), wenn jemand nachfragt. "Es wird ein sehr gesundes Getränk, ohne Kohlensäure und ohne giftige Stoffe", sagte er der Zeitung "Indian Express". Er nenne den Grundstoff für den Softdrink sowieso nicht "Kuh-Urin", sondern "Kuh-Wasser". Das Produkt durchlaufe derzeit diverse Labortests im nordindischen Lucknow. Es werde "sehr bald, vielleicht noch Ende dieses Jahres" zur Markteinführung kommen.

Kuh in Indien: Mittel gegen alle Krankheiten
AFP

Kuh in Indien: Mittel gegen alle Krankheiten

Das Getränk werde hauptsächlich aus Urin bestehen, vermischt mit einigen Kräutern, erläuterte Prakash. Es würde ein günstiges Produkt werden, das sich alle leisten könnten. Zum Preis wollte er aber keine Angaben machen. Auf jeden Fall würde es mit Coca-Cola Chart zeigen und Pepsi Chart zeigen konkurrieren können, betonte er - trotz der gigantischen Werbebudgets der US-Getränkekonzerne. "Wir werden ihnen ordentlich Druck machen, da unser Getränk gut für die Menschen ist", sagte er. "Wir denken auch darüber nach, es zu exportieren."

Die Organisation, 1925 von Hindu-Nationalisten gegründet, verfolgt das Ziel, Indien frei von ausländischen Einflüssen zu halten und einen politischen Hinduismus zu etablieren. Die RSS hat ihren Sitz in Hardwar, einer Stadt am Fluss Ganges, den die Hindus als heilig bezeichnen. Nach Angaben der Partei zählt sie inzwischen acht Millionen Mitglieder.

Getränke, Pillen, Cremes aus Urin

Es ist nicht der erste Versuch dieser Gruppe, den Rinder-Urin zu vermarkten. Sie preist ihn bereits seit 2001 als medizinisches Allheilmittel an. So helfe eine Rinder-Urin-Therapie nicht nur bei Hautkrankheiten, Sexual- und Kreislaufstörungen, sondern wirke auch gegen Aids, Krebs, Leber- und Nierenkrankheiten - praktisch gegen alles, was man sich denken kann. Damals verkauften Hindu-nationalistische Gruppen den Urin unter anderem unter dem Namen "Gift of the Cow" - das Geschenk der Kuh. Für 20 Rupien, umgerechnet 30 Cent, gab es eine Flasche von der gelben Flüssigkeit. Zudem kamen Tabletten und Cremes mit Urin auf den Markt, die Nachfrage nach den Produkten war größer als das Angebot.

Negative Schlagzeilen hat die Partei allerdings wegen gewalttätiger Übergriffe gemacht, jüngst gegen Christen im zentralindischen Bundesstaat Orissa. Dabei starben im vergangenen Jahr mindestens 67 Menschen. Die Partei organisiert aber auch regelmäßig Boykotte gegen ausländische Produkte wie zum Beispiel Coca-Cola und Pepsi. Für den US-Konzern Coca-Cola wächst Indien zu einem der größten Märkte heran. Das Unternehmen wurde aber in der Vergangenheit mehrfach mit dem Vorwurf konfrontiert, dass seine Getränke Pestizide enthielten - bislang wurde das aber nie nachgewiesen. Beobachter vermuten, dass die RSS hinter der Verbreitung solcher Gerüchte stecke.

Kühe gelten im Hinduismus als heilig. In den meisten indischen Bundesstaaten ist das Schlachten von Rindern verboten, in manchen gibt es in bestimmten Regionen Ausnahmegenehmigungen. Schätzungen zufolge schlachten viele Nicht-Hindus, vor allem Muslime, Kühe aber auch heimlich in Gegenden, wo es nicht erlaubt ist. Die RSS betreibt daher eine eigene Abteilung, die sich um den Schutz der Tiere kümmert. Chef dieser Sparte ist Om Prakash.

kaz

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