Konsumklima-Index Inflation verdirbt Deutschen die Kauflaune

Ausgerechnet im Weihnachtsgeschäft! Die zuletzt stark gestiegenen Preise für Energie und Lebensmittel lassen die Deutschen knausern. Das von der GfK ermittelte Konsumklima hat sich überraschend deutlich eingetrübt.


Berlin - Der Indikator für das Konsumklima unter den Verbrauchern, den die Nürnberger Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) monatlich ermittelt, sank auf 4,3 Zähler von 4,8 Punkten im Vormonat. Ökonomen hatten einen Rückgang auf 4,4 Punkte erwartet.

Kaufhaus Lafayette in Berlin-Mitte: Weihnachtsgeschäft mit Knausern
DDP

Kaufhaus Lafayette in Berlin-Mitte: Weihnachtsgeschäft mit Knausern

Die Experten nannten als Grund die gestiegenen Lebensmittel- und Energiepreise, außerdem einen starken Euro sowie Turbulenzen auf den Finanzmärkten. Die Konsumenten seien verunsichert, "ob sich die Preisspirale noch weiter drehen wird", teilte die GfK heute mit.

Die Verbraucher würden derzeit von einer "gefühlten Inflation" beeinflusst, heißt es in der GfK-Untersuchung. Tatsächlich ist die Inflationsrate zum ersten Mal seit 13 Jahren auf drei Prozent gestiegen. Dennoch werde der private Konsum dieses Jahr noch einen bescheidenen Beitrag zum Wachstum leisten. Insgesamt liege das Konsumklima noch in einem positiven Bereich.

Trotz einer deutlich verbesserten Lage am Arbeitsmarkt ließ die Kauflaune für größere Anschaffungen deutlich nach: Der entsprechende Wert sackte im November auf minus 21,8 Zähler von minus 12,9 Punkten im Oktober ab. Auch die Konjunkturaussichten werden skeptischer beurteilt. Die Deutschen sehen den Aufschwung zwar noch intakt, jedoch mit nachlassender Kraft. Das GfK-Barometer, das diese Erwartungen misst, fiel um 15 Punkte auf 24,1 Zähler.

Konsumklima: Steile Kurve nach unten
SPIEGEL ONLINE

Konsumklima: Steile Kurve nach unten

"Die während des Sommers 2007 gezeigte Euphorie der Bundesbürger hinsichtlich der weiteren wirtschaftlichen Entwicklung in Deutschland weicht einer eher nüchternen Betrachtungsweise", resümierte die GfK.

Positiv entwickelte sich dagegen die Einkommenserwartung: Sie legte im November nach zuletzt fünf Monaten mit Verlusten ein wenig zu - von minus 0,7 auf genau null. "Diese Stabilisierung könnte ein Hinweis darauf sein, dass die positiven Rahmenbedingungen, wie ein verbesserter Arbeitsmarkt sowie eine gute Einkommensentwicklung, wieder an Gewicht gewinnen", schrieb die GfK zu ihrer Umfrage.

Die hohe Inflationsrate löste derweil bei Wirtschaftsexperten und Politikern Sorgen aus. Nach Einschätzung des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) wird die Teuerung die Lohnsteigerungen der Tarifrunde 2007 praktisch aufzehren. Ökonomen befürchten sogar einen weiteren Anstieg der Inflation. Joachim Scheide vom Kieler Institut für Weltwirtschaft sagte, die Preissteigerungen seien "ganz klar für den Einzelnen ein Einkommensabzug, da bleibt real im Portemonnaie weniger übrig als noch zu Jahresanfang gedacht".

kaz/Reuters/dpa-AFX/AP



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