Konsumzurückhaltung Deutsche kaufen immer weniger ein

Die gute Konjunktur geht am Einzelhandel vorbei: Im August setzte die Branche preisbereinigt 2,2 Prozent weniger um als im Vorjahr. Experten warnen: "Von der erwarteten Belebung des Konsums ist nicht viel zu sehen."


Wiesbaden - Nominal waren die Umsätze des deutschen Einzelhandels im August 1,2 Prozent niedriger als im Vorjahr. Berücksichtigt man jedoch die Inflation, hat das Minus real sogar 2,2 Prozent betragen. Das berichtet das Statistische Bundesamt auf der Grundlage von vorläufigen Zahlen.

Kaufhaus "Sevens" in Düsseldorf: Anhaltende Bremsspuren aus der Mehrwertsteuererhöhung zu Beginn des Jahres
DPA

Kaufhaus "Sevens" in Düsseldorf: Anhaltende Bremsspuren aus der Mehrwertsteuererhöhung zu Beginn des Jahres

Schon seit Monaten verzeichnet der Handel Umsatzrückgänge. So hatte der Hauptverband des deutschen Einzelhandels (HDE) gerade erst seine Umsatzprognose für das laufende Jahr deutlich gesenkt. Erwartet wird nun ein nominales Umsatzplus von 0,5 Prozent. Preisbereinigt entspricht dies einem Rückgang in gleicher Größenordnung. Ursprünglich hatte der HDE für 2007 ein nominales Umsatzplus von einem Prozent prognostiziert.

Das erneute Minus im August erklärte der HDE mit "anhaltenden Bremsspuren" aus der Mehrwertsteuererhöhung zu Jahresanfang. Auch unabhängige Marktbeobachter zeigten sich enttäuscht von den August-Zahlen. "Von der allgemein erwarteten Belebung des privaten Konsums in Deutschland ist nach wie vor nicht viel zu sehen", erklärten Volkswirte der Commerzbank.

Dies dürfte sich in den kommenden Monaten zwar ändern. Der Zuwachs werde aber nicht stark genug sein, um eine deutliche Abschwächung der Konjunktur zu verhindern. Die jüngsten Zahlen deuteten darauf hin, dass der private Verbrauch auch 2008 nicht die von vielen erwartete große Stütze der Konjunktur in Deutschland sein werde.

Der Einzelhandel selbst gibt sich für die Zukunft etwas zuversichtlicher. "Die Hoffnung auf das zweite Halbjahr haben wir noch nicht aufgegeben", sagte der Sprecher des Branchenverbands, Hubertus Pellengahr. Die Erwartungen für die kommenden vier Monate seien unverändert positiv.

Grund für den Optimismus ist laut Pellengahr der Rückgang der Arbeitslosigkeit. "Das ärgste Konsumhemmnis ist deutlich kleiner geworden. Das Geld ist da, jetzt fehlt noch der letzte Funke, damit der Aufschwung den Einzelhandel erfasst".

Dass die internationale Finanzkrise das Verhalten der Konsumenten in Deutschland beeinflusst, erwartet Pellengahr derzeit nicht. "Es besteht kein Grund, im zweiten Halbjahr Trübsal zu blasen". Allerdings bestätigten die August-Zahlen, dass im Gesamtjahr nicht mehr als ein halbes Prozentpunkt Wachstum möglich sei.

wal/AP



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