Konzern-Ehe Fiat und Chrysler vereinbaren Allianz

Der Autobauer Fiat und der angeschlagene US-Konzern Chrysler wollen eine Allianz eingehen. Beide Konzerne unterzeichneten eine vorläufige Vereinbarung. Die Italiener suchen angesichts der schweren Krise im Automarkt seit geraumer Zeit einen Partner.


New York/Rom/Stuttgart - In der Autobranche bahnt sich eine neue Allianz an: Fiat Chart zeigen und der amerikanische Wettbewerber Chrysler unterzeichneten eine entsprechende Vereinbarung, teilte der US-Konzern am Sitz in Auburn Hills (US-Bundesstaat Michigan) mit. In einem ersten Schritt soll Fiat 35 Prozent an Chrysler übernehmen. Fiat bezahlt den Anteil den Angaben zufolge nicht mit Bargeld. Stattdessen bekommt Chrysler Zugang zu Fiat-Technologie für den Bau vor allem von Kleinwagen.

Logos von Fiat und Chrysler: US-Hersteller erhält Kleinwagentechnik
DPA

Logos von Fiat und Chrysler: US-Hersteller erhält Kleinwagentechnik

Die Abmachung sei allerdings vorläufig und noch nicht bindend. Fiat-Vizepräsident John Elkann bestätigte am Vormittag: "Es ist kein Geheimnis, dass wir darüber reden, und das schon seit einiger Zeit". Fiat hat dem Vernehmen nach vor allem Interesse daran, den Kleinwagen Fiat 500 und die Marke Alfa Romeo in den USA auf den Markt zu bringen.

Nach Zeitungsberichten über einen möglichen Einstieg war die Fiat-Aktie an der Mailänder Börse am Morgen in Erwartung einer Mitteilung vom Handel ausgesetzt worden. Elkann kündigte weitere Einzelheiten an und verwies auch auf die für diesen Donnerstag angesetzte Verwaltungsratssitzung des Turiner Autobauers.

Beide Hersteller leiden gegenwärtig unter der Talfahrt am Automarkt. Bei Chrysler war zuletzt von einer möglichen Pleite die Rede. Wie seine US-Wettbewerber Ford Chart zeigen und General Motors (GM) Chart zeigen hatte der Konzern den Trend zu kleineren Autos verschlafen und zu lange auf große Spritschlucker gesetzt. Hinzu kam die Finanz- und Wirtschaftskrise, aufgrund dessn Autoverkäufe in den USA 2008 so stark zurückgingen wie seit der Ölkrise 1974 nicht mehr. GM und Chrysler mussten deshalb unter Auflagen (siehe Kasten unten) mit Milliardenzahlungen des US-Staats vor dem Aus gerettet werden.

Fiat-Chef Sergio Marchionne wiederum ist seit geraumer Zeit auf Partnersuche. Zwar hatte er im Oktober vergangenen Jahres die Gewinnprognose für den Konzern noch bestätigt. Allerdings schockte Marchionne mit einem düsteren Ausblick. Für 2009 hatte er ein "Worst-Case-Szenario" präsentiert. Demnach könnte die Nachfrage auf den Fiat-Märkten um zehn bis 20 Prozent zurückgehen. Aus Marchionnes Sicht ist Fiat zu klein, um im Alleingang zu bestehen. Die Italiener hatten deswegen zuletzt auch mit BMW Chart zeigen über eine Allianz verhandelt.

Daimler will Anteil verkaufen

Chrysler gehört derzeit zu gut 80 Prozent dem US-Finanzinvestor Cerberus. Den restlichen Anteil hält noch der deutsche Daimler-Konzern Chart zeigen. Daimler will den Anteil schnellstmöglich verkaufen.

"Wir sind nach wie vor bestrebt, unseren Anteil von 19,9 Prozent zu verkaufen", sagte eine Daimler-Sprecherin. Die Gespräche mit Cerberus waren im Herbst ins Stocken geraten, nachdem der Finanzinvestor erhebliche Nachforderungen gestellt hatte. Hinzu kamen Vorwürfe, Daimler habe Cerberus über die wahre Lage bei Chrysler im Unklaren gelassen.

Daimler-Chef Dieter Zetsche hatte vor wenigen Tagen auf der Autoshow in Detroit nochmals betont, die Stuttgarter seien weiter offen für Gespräche. Der Kontakt sei nicht abgerissen, erklärte auch die Sprecherin.

mik/suc/dpa/Reuters

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Topspin 20.01.2009
1. Fusionen bringen nichts!
Die Erfahrungen der Vergangenheit zeigen doch, daß solche Fusionen oder Übernahmen wenig bringen, da an den eigentlichen Problemen wenig geändert wird! Daimler mit Chrysler, BMW mit Rover, Ford mit Volvo,.... Die Liste lässt sich beliebig vergrößern! In solchen Zeiten kann es eben keine jährlichen, zweistelligen Zuwachsraten geben. Es ist sicher hart, aber vielleicht ist es gesünder, wenn der eine oder andere Hersteller doch mal nicht überlebt?
ender, 20.01.2009
2. Förderung der Vetternwirtschaft
Zitat von sysopDie Autobranche ist vom Abschwung schwer gezeichnet. Hersteller wie Fiat und Chrysler flüchten in Allianzen, um in der Krise zu bestehen. Kann eine Kooperation die Autobauer wirklich retten?
Nein. Die Fusionen sind ein wesentlicher Teil des Problems und nicht die Lösung. Immer *größer werdende Strukturen* fördern *Vetternwirtschaft* und *Trägheit*. Ein Unternehmer, der auch Eigentümer ist, wird zwar auch Sympathien empfinden und sich davon beeinflussen lassen. Aber er wird keine echten Drückeberger oder Totalversager in seiner firma dulden. Ein Unternehmer, der 50 Mitarbeiter beschäftigt hat auch noch eine gewisse Chance, deren Fähigkeiten und Fleiß noch einigermaßen zu beurteilen. Bei großen Firmen, die noch dazu nicht den eigentlichen Akteuren gehören zählt nur eines: Die persönlichen Beziehungen untereinander, wenn auch vorallem im Hinblick auf die Karriereförderlichkeit. Je größer die Strukturen sind, umso stärker sind die "Netzwerke". *"Networking"* wird heute (noch) als positive Arbeitsweise angesehen. Dabei stellt es den *Humus* dar, auf dem solche *Auswüchse* wie die "Finanzkrise" gedeihen. Nur durch geschlossenen Netzwerke, wo Kritiker und "Nestbeschmutzer" schnell hinausgeekelt werden, machen es möglich, dass solche Strukturen wie bei Madoff so lange überleben können. Große Strukturen sind das Problem, nicht die Lösung ender
Garibaldi, 20.01.2009
3. Fördertöpfe
Um an die Fördertöpfe zu kommen, muss Chrysler umweltfreundliche und sparsame Fahrzeuge produzieren. Mit FIAT Know How können sie es. Fiat braucht dringend neue Absatzmärkte, durch diese Allianz stehen ihr 3500 Point of Sales in den USA ab sofort bereit. Es könnte was werden.
Hador, 20.01.2009
4.
Ich sag mal so: Ein Einstieg von Fiat bei Chrysler macht auf jeden Fall mehr Sinn als es die Fusion Daimler-Chrysler jemals machte. Fiat kann dadurch nun hoffen mittelfristig endlich in den USA einen Fuß auf die Erde zu bekommen (was sie bisher nie geschafft hatten) und Chrysler kann hoffen von der Erfahrung der Italiener in punkto Kleinwagen zu profitieren. Die Probleme der Automobilindustrie als Ganzes oder auch nur die von Chrylser alleine werden allerdings mit solchen Fusionen bzw. Allianzen nicht zu lösen sein. Dafür liegen die Probleme viel zu tief und beileibe nicht nur bei der Automobilindustrie.
peterworldwide 20.01.2009
5.
Zitat von sysopDie Autobranche ist vom Abschwung schwer gezeichnet. Hersteller wie Fiat und Chrysler flüchten in Allianzen, um in der Krise zu bestehen. Kann eine Kooperation die Autobauer wirklich retten?
Ganz sicher. Bei so einer Kooperation aber nur die anderen Autobauer ;-) Fiat und der organisierte Selbstmord. Die US Autobauer konnten ihre Autos nicht mal verkaufen, als der USD um fast 50 Prozent zum Euro and Wert verlor. Greenspan forderte zwar, der USD muss weiter fallen und fallen und fallen. Aber diese Aussage war ebensowenig qualifiziert und unsinnig wie der Rest seiner Vernichtungspolitik. Der hatte offensichtlich nicht mal ein Minimum an Wirtschaftserfahrung, aber viele orakelhafte Sprueche. Die USA sind dank dieses Genies am Ende und der Rest der Welt versucht an der Oberflaeche zu schwimmen. Keine Ahnung warum Fiat sich ausloeschen will... Aber es ist zumindest eine interessante Nachricht eines angekuendigten Selbstmordes :-))) Dies gibt es nicht oft. Da hilft es auch wenig, wenn Greenspan jetzt Bernanke heisst.
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