Konzern-Übernahme IBM und Sun planen IT-Ehe

In der IT-Branche bahnt sich eine Milliarden-Übernahme an: Laut einem Pressebericht will IBM den Wettbewerber Sun kaufen. Für IBM wäre es ein wichtiger Erfolg gegen die ewigen Verfolger, für Sun wohl die letzte Chance auf ein Überleben.

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Hamburg - IBM muss wachsen. Der weltgrößte Hersteller von Servern fürchtet um seinen Spitzenplatz: Nach Angaben des Marktforschungsinstituts IDC hat das Unternehmen einen Marktanteil von 31,9 Prozent, und damit nur wenig mehr als die Nummer zwei, Hewlett-Packard (HP) Chart zeigen, mit einem Anteil von 29,5 Prozent. Wachstum durch Übernahme wäre "nicht schlecht", um den Vorsprung zum Verfolger zu vergrößern, heißt es entsprechend bei IBM Chart zeigen. Dort weiß man, dass man nur noch nach Umsatz die Nummer eins ist - bei den Stückzahlen liegt HP längst vorn.

Computerriese IBM: Nur noch knapp die Nummer eins
AFP

Computerriese IBM: Nur noch knapp die Nummer eins

Jetzt hat man bei IBM offenbar reagiert. Einem Bericht des "Wall Street Journal" (WSJ) zufolge steht eine Hochzeit unter Computerriesen bevor: IBM sei an einem Kauf des Konkurrenten Sun Microsystems Chart zeigen interessiert, heißt es. Sun war mit einem Marktanteil von 10,1 Prozent im vergangenen Jahr die Nummer vier in der Welt, hinter Dell Chart zeigen mit 11,6 Prozent.

Rund 6,5 Milliarden Dollar ist IBM laut "WSJ" bereit zu zahlen - in bar. Für Sun wäre es die rettende Übernahme: Analysten sagen dem Konzern schon seit Jahren das Ende voraus. Das Geschäft allein mit Servern sei nicht zukunftsträchtig, Sun habe die Erweiterung zum IT-Dienstleistungsunternehmen verpasst. Zudem hat sich der Konzern nie ganz von dem Platzen der Internet-Blase erholt und machte in fünf der vergangenen acht Jahre Verluste. IBM und Sun wollten den Bericht auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE zwar nicht bestätigen, doch Branchenkenner halten eine Übernahme für wahrscheinlich.

Investitionen in Beratung und IT-Dienstleistung

Viele Alternativen hatte Sun nicht. Konkurrent HP habe mit dem Kauf von Compaq vor sieben Jahren für 19 Milliarden Dollar und des Dienstleistungsunternehmens EDS im Jahr 2008 bereits größere Wachstumsschübe hinter sich und müsse diese Übernahmen erst einmal verdauen. Dem "WSJ" zufolge habe sich Sun in den vergangenen Monaten selbst mehreren Technologiefirmen zum Kauf angeboten, angeblich auch HP - doch die lehnten ab.

Bleibt also nur noch IBM. Das Unternehmen hat sich einen Dienstleistungs- und Beratungszweig aufgebaut, die PC-Sparte wurde 2005 an den chinesischen Hersteller Lenovo verkauft. Seit dem Jahr 2000 hat IBM rund 20 Milliarden Dollar in die Bereiche Software und IT-Dienstleistungen investiert. Nach Ansicht von Analysten ist IBM damit der ideale Käufer für Sun Microsystems - vorausgesetzt, die Kartellbehörden geben grünes Licht. Aus Unternehmenskreisen heißt es, IBM führe derzeit Verhandlungen mit den Wettbewerbshütern und kommentiere deshalb die Spekulationen über eine Sun-Übernahme nicht.

Auch die Börse glaubt an den Deal: Der Kurs der Sun-Aktie, der im vergangenen Jahr um insgesamt mehr als 70 Prozent gefallen war, stieg am Mittwoch an der Frankfurter Börse um mehr als 50 Prozent. Das Allzeithoch des Papiers lag in Zeiten des Internet-Booms bei knapp 260 Dollar, derzeit notiert es bei etwa fünf Dollar.

Das Angebot von IBM sei zwar rund doppelt so hoch wie der Börsenwert von Sun, dennoch handle es sich um ein "Schnäppchen", sagen Experten. "IBM tätigt jedes Jahr eine größere Investition, um zu wachsen", erläutert IT-Analyst Rüdiger Spies vom Marktforschungsinstitut IDC. Im vergangenen Jahr beispielsweise kaufte IBM für rund fünf Milliarden Dollar die kanadische Software-Firma Cognos. "Eine Sun-Übernahme wäre für IBM leistbar und strategisch klug."

Ärger über Erfolg von Microsoft Windows

Klappt die Übernahme, gelänge IBM ein Schlag gegen den ewigen Verfolger HP und gegen Dell. Vor allem aber verbindet IBM und Sun die gemeinsame Feindschaft zum Software-Konzern Microsoft Chart zeigen. Bis heute hat IBM es nicht verwunden, dass Microsoft, einst IBM-Partner, das IBM-Betriebssystem OS2 fallen ließ und sein eigenes Betriebssystem Windows durchsetzte. Bei IBM redet man heute noch davon, dass OS2 die bessere Software sei und es viel mehr verdient hätte, das Betriebssystem Nummer eins in der Welt zu sein.

Auch aus dieser alten Feindschaft heraus hat IBM so viel Geld in die Software-Sparte investiert, dass das Unternehmen inzwischen nach Microsoft der weltweit zweitgrößte Hersteller von Programmen ist. Und seit Jahren, behaupten Branchenkenner, berieten IBM-Experten Firmen dabei, wie sie ihre Lizenzkosten bei Microsoft senken könnten. Die Beratung erfolge kostenlos - Hauptsache, man schade dem Konkurrenten.

IBM und Sun sind seit Jahren darum bemüht, Computersysteme unabhängiger von Microsoft zu machen, beide Unternehmen setzen auf die Open-Source-Software Linux. Gemeinsam könnten sie fortan Linux weiter stärken und ihre Position im Server-Markt stärken, heißt es. Hier haben zuletzt alle Hersteller Umsatzeinbußen hinnehmen müssen. Die Finanzkrise hat ihnen einen zusätzlichen Dämpfer verpasst, da Finanzkonzerne zu den großen Kunden zählen. Nach Angaben des Marktforschungsinstituts Forrester machen IT-Firmen etwa 20 Prozent ihres Umsatzes in den USA mit Kunden aus der Finanzbranche.

Mitten in dieser schwierigen Zeit ist nun auch noch plötzlich ein neuer Spieler aufgetaucht: Cisco Systems Chart zeigen, bislang als Netzwerkausrüster Partner der Großrechnerhersteller, will selbst in dieses Geschäft einsteigen. Anfang der Woche teilte das Unternehmen aus dem kalifornischen San Jose mit, künftig Server anzubieten, die 20 bis 30 Prozent billiger sind als das Angebot der Konkurrenz. Unter anderem hat sich Cisco dafür mit dem IBM-Erzrivalen Microsoft verbündet.

Um seinen Sparkurs kommt Sun, das im vergangenen Jahr 209 Millionen Dollar Verlust gemacht hat, wohl nicht herum - unabhängig vom Käufer. Das Unternehmen will rund 6000 seiner weltweit 33.000 Stellen streichen.

Mit Material von Reuters und dpa-AFX



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