Konzerne Verdacht gegen Kirch

Gravierende juristische Folgen kann die Pleite des Medienmagnaten Leo Kirch für den Firmengründer, sein Management und den Aufsichtsrat der insolventen KirchMedia haben.


Probleme: Leo Kirch
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Probleme: Leo Kirch

München - Wie die Geschäftsführer Hans-Joachim Ziems und Wolfgang van Betteray bei der Gläubigerversammlung am vorigen Donnerstag berichteten, dokumentieren Wirtschaftsprüfer derzeit die Geldströme, die vor der Insolvenz in und aus der KirchMedia geflossen sind ­ etwa in die 125 Tochterunternehmen.

Dabei handelt es sich nach SPIEGEL-Informationen um die Düsseldorfer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Schumacher & Partner, die auch vom Schwesterunternehmen Kirch-Beteiligungen einen entsprechenden Auftrag erhalten hat. Wenn in Kürze die Ergebnisse vorliegen, wollen die Kirch-Geschäftsführer die Dokumentation juristisch bewerten lassen.

Einen augenfälligen Verdachtsfall erklärte Sachwalter Michael Jaffé den Kirch-Gläubigern ausführlich: Im Dezember hatte die KirchMedia ihren 25-Prozent-Anteil am spanischen Sender Telecinco an die Dresdner Bank verpfändet, die daraufhin ihren Kredit über 460 Millionen Euro noch einmal verlängerte. Kreditnehmer war indes nicht die KirchMedia, sondern deren Mutter Taurus-Holding. Wichtige Gläubiger der KirchMedia sehen sich deshalb um rund 500 Millionen Euro geprellt ­ auf diese Höhe wurde der Telecinco-Anteil damals in etwa taxiert.

Nach Ansicht von Großgläubigern könnten sich daraus nach erfolgter Prüfung juristische Ansprüche vor allem gegen Leo Kirch und seinen Vize Dieter Hahn ergeben ­ sowohl zivilrechtlich, sollte KirchMedia tatsächlich ein Schaden in dreistelliger Millionenhöhe entstanden sein, als auch strafrechtlich: "Das ginge in den Bereich der Untreue", so ein Gläubigervertreter. Über die strittige Sender-Beteiligung konnte mit der Dresdner Bank laut Jaffé noch keine Einigung erzielt werden. Die Zeit drängt: Auch Telecinco ist von der Werbekrise gebeutelt, der Senderwert sinkt. Beim ersten von der Dresdner Bank angesetzten Versteigerungstermin am vorvergangenen Freitag zeigte sich zum Startpreis von 300 Millionen Euro kein einziger Bieter interessiert.



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