Konzernkrise Dramatischer Kundenschwund bei der Telekom

Die Telekom gerät in immer ärgere Bedrängnis. In seiner Traditionssparte verlor das Unternehmen mehr Kunden als erwartet: 600.000 Telefonanschlüsse wurden nach SPIEGEL-Informationen im ersten Quartal 2007 gekündigt. Telekom-Chef Obermann warnt vor einem Scheitern der Konzernsanierung.


Während Telekom-Chef René Obermann an seinem umstrittenen Plan festhält, rund 50.000 Mitarbeiter zu verschlechterten Bedingungen in eigenständige Service-Agenturen auszulagern, werden die Probleme in der Traditionssparte des Konzerns immer drängender.

Deutsche Telekom: Minusrekord beim Kundenschwund
DPA

Deutsche Telekom: Minusrekord beim Kundenschwund

Allein in den ersten drei Monaten dieses Jahres kündigten nach Informationen des SPIEGEL rund 600.000 Kunden ihren Telefonanschluss bei der Deutschen Telekom AG – ein neuer Minusrekord.

Hochgerechnet auf das gesamte Jahr wäre das ein Verlust von 2,4 Millionen Kunden und damit deutlich mehr, als die Telekom bisher veranschlagt hat. Dennoch kann der Konzern an seinen Ergebnisprognosen für 2007 festhalten, da parallel zu den Kundenverlusten der Verkauf von Breitbandanschlüssen deutlich angestiegen ist.

Obermann warnte eindringlich vor einem Scheitern der in Angriff genommenen Sanierung des Konzerns. Vor Journalisten verteidigte er gestern Abend in Frankfurt am Main die geplanten Einschnitte für die Beschäftigten als kleineres Übel gegenüber einer Gefährdung der Arbeitsplätze. Wenn es nicht gelinge, die im Vergleich zur Konkurrenz sehr viel höheren Stundenkosten zu senken, sei die Telekom schon in wenigen Jahren nicht mehr wettbewerbsfähig, warnte Obermann.

Bereits jetzt koste die Telekom eine Stunde im Callcenter beispielsweise 90 Euro, während die gleiche Dienstleistung von Konkurrenten kaum schlechter für 40 Euro erbracht werde. Sein Ziel sei es, diese Lücke zumindest um die Hälfte zu verringern. Er wolle dafür aber nicht die Löhne um 30 bis 40 Prozent kürzen, betonte er. Die stattdessen "vorrangig angestrebte Verlängerung der Wochenarbeitszeit" auf 38 Stunden tue niemandem weh.

Eine mögliche Zerschlagung des Konzerns könne niemand wollen, die Konsequenzen für die Mitarbeiter wären fatal, sagte er. Noch habe die Telekom 86 Prozent der Festnetzanschlüsse in Deutschland, doch schon in diesem Jahr sei mit dem Verlust von mehr als zwei Millionen weiteren Anschlüssen zu rechnen, erklärte Obermann. Schon daher sei es unerlässlich, die Wettbewerbsfähigkeit mit der Sanierung des Konzerns zu sichern.

Unterdessen ist Obermann auch bei der Suche nach einem neuen Personalchef fündig geworden. Schon Anfang Mai soll der bisherige Continental-Manager und angesehene Personalstratege Thomas Sattelberger, 57, das seit Monaten verwaiste Amt antreten – und eine schnelle Annäherung an die Gewerkschaften erreichen.

kaz/AP



© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.