Konzernsanierung Telekom plant Billigmarke und lagert 50.000 Mitarbeiter aus

Die Telekom krempelt ihre Struktur und den Markenauftritt um: Fast 50.000 Mitarbeiter sollen nun für weniger Geld länger arbeiten. Der Markenname T-Com verschwindet, ab Sommer soll es eine eigene Billigmarke geben. Die Geschäftszahlen enttäuschen die Börse, die T-Aktie fällt.


Bonn – Die Zahl, die alle hören wollten, verriet René Obermann nur auf Nachfrage. Die Bilanz-Pressekonferenz der Deutschen Telekom Chart zeigen lief schon seit über einer Stunde - da erst sagte der Konzernchef, sein Unternehmen werde "49.000 bis 50.000" Mitarbeiter auslagern. Sie sollen künftig in der neuen Konzerntochter namens T-Service beschäftigt sein.

Obermann bei der Bilanz-Pressekonferenz: Bei jungen Kunden zieht das Magenta-T nicht - daher soll die Billigmarke ohne auskommen
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Obermann bei der Bilanz-Pressekonferenz: Bei jungen Kunden zieht das Magenta-T nicht - daher soll die Billigmarke ohne auskommen

So jedenfalls sieht es ein Sparprogramm vor, das der Aufsichtsrat gestern gebilligt hat. Die T-Service-Mitarbeiter sollen mindestens 38 Stunden arbeiten und "marktüblich" - also schlechter als bisher - entlohnt werden. Derzeit gilt bei der Telekom die 34,5-Stunden-Woche. Bisher hatte Obermann immer gesagt, "mindestens" 45.000 Mitarbeiter seien von den Plänen betroffen.

Obermann will nicht nur die Konzernstruktur umbauen - sondern auch den Markenauftritt. Die bei vielen Kunden unbeliebte Marke T-Com für das Festnetzgeschäft verschwindet. Die Marke T-Home wird künftig für Angebote zu Hause stehen und T-Mobile für Angebote unterwegs.

Und weil das T-Logo insbesondere bei jüngeren Kunden als überteuert und altmodisch gilt, soll es eine neue Billigmarke geben - die ganz ohne T auskommt. Diese "unabhängige Zweitmarke" solle "mit einem eigenen Auftritt, einfachen Angeboten beziehungsweise Festnetz- und Mobilfunk-Bündeln zu äußerst wettbewerbsfähigen Preisen sehr preisbewusste Kundengruppen ansprechen", sagte Obermann. Die Marke solle im Sommer an den Start gehen.

Obermann versprach, man wolle mit der Zweimarken-Strategie, und verbessertem Service Kunden zurückgewinnen. Bei der Kundenzufriedenheit nannte Obermann ein äußerst ehrgeiziges Ziel: 2008 wolle man vor allen anderen Wettbewerbern liegen.

T-Aktie verliert

Die Gewerkschaft Ver.di hat der Telekom wegen der Auslagerung großer Teile der Belegschaft mit Streik gedroht. Rund 13.000 Gewerkschafter hatten am Mittwoch in Bonn unmittelbar vor der Aufsichtsratssitzung gegen die Pläne protestiert. Es werde aber "für keinen Mitarbeiter zu drastischen Einschnitten kommen", verkündete der Konzern. "Unser Ziel ist es nicht, unsere Beschäftigten von heute auf morgen mit deutlichen Entgeltabsenkungen zu konfrontieren", sagte Dietmar Welslau, Vorstandsbeauftragter für Personalumbau.

Am Morgen hatte die Telekom ihre Jahreszahlen für 2006 bekannt gegeben, die schlechter ausfielen als vom Finanzmarkt erwartet. Börsenhändler beklagten, vor allem der Nettogewinn sei niedriger als erhofft. Die T-Aktie gehörte am Morgen zu den größten Verlierern im Dax. Titel des Konzerns fielen gegen 10.35 Uhr um 2,43 Prozent auf 13,23 Euro. Der Dax Chart zeigen stieg hingegen um 0,44 Prozent auf 6745,00 Punkte.

Alle drei Telekom-Sparten büßten sowohl beim Umsatz als auch beim Ergebnis im inländischen Geschäft ein. Der Verlust im vierten Quartal belief sich auf 898 Millionen Euro – ein Jahr zuvor gab es noch einen Überschuss von 991 Millionen Euro an. Im Gesamtjahr sank der Konzerngewinn von 5,6 auf 3,2 Milliarden Euro.

Begründet wurde der Einbruch mit den Kosten des Personalabbaus. Bis Ende kommenden Jahres sollen 32.000 Mitarbeiter die Telekom verlassen. Nach Angaben eines Sprechers führt das zu einer finanziellen Belastung von 2,8 Milliarden Euro - denn die freigestellten Mitarbeiter erhalten Abfindungen und Zahlungen für Frühpensionierung.

Der Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) sank um 12,5 Prozent auf 4,55 Milliarden Euro. Vor allem das Festnetz- und Breitbandgeschäft sowie die Geschäftskundensparte verzeichneten deutliche Einbußen. Auch Mobilfunktochter T-Mobile fuhr im Inland ein geringeres bereinigtes Ebitda ein. Die Telekom ringt auf ihrem Heimatmarkt mit dem harten Wettbewerb.

Verkäufe sollen Milliarden bringen

Die Telekom will nun in den kommenden Jahren vor allem mit Breitbandangeboten wachsen. Im Mobilfunk zieht sie auch Übernahmen und die Expansion in neue Regionen in Betracht. Die Mittel dazu wolle der Konzern unter anderem durch den "Verkauf von nicht strategischen Beteiligungen" erzielen, sagte Obermann. Finanzvorstand Karl-Gerhard Eick sagte, die Erlöse sollten mindestens drei Milliarden Euro bringen.

Der Umsatz des Konzerns stieg nur dank des US-Geschäfts und des Erlösbeitrags der erstmals konsolidierten Töchter Telering, Gedas und PTC. Im Gesamtjahr legte er um 2,9 Prozent auf 61,3 Milliarden Euro zu - und lag damit leicht unter der Prognose des Unternehmens. Die frei verfügbaren Mittel (Free Cash-Flow) sanken um 58,3 Prozent auf 2,4 Milliarden Euro, belastet von den Kosten für den Erwerb von zusätzlichen Mobilfunkfrequenzen in den USA für 3,3 Milliarden Euro. Trotz des Gewinnrückgangs will die Telekom für das abgelaufene Geschäftsjahr eine unveränderte Dividende von 0,72 Euro zahlen.

itz/dpa/Reuters/dpa-AFX/Dow Jones



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