Korruption in China Gericht verurteilt chinesischen Industrie-Tycoon zum Tode

Er zählt zu den 100 reichsten Chinesen, mit einem Vermögen von 650 Millionen Dollar. Ein Gericht in Xianning hat jetzt die Todesstrafe gegen den Exkonzernchef Liu Han verhängt. Der Topmanager habe eine "mafiöse Verbrecherbande" geführt.

Ex-Konzernchef Liu Han (März 2008): Vermögen von 650 Millionen Dollar
REUTERS

Ex-Konzernchef Liu Han (März 2008): Vermögen von 650 Millionen Dollar


Peking - In einem der größten Korruptionsfälle in der Geschichte der Volksrepublik hat ein chinesisches Gericht einen ehemaligen Konzernchef zum Tode verurteilt. Das Gericht in Xianning in der zentralchinesischen Provinz Hubei verhängte die Todesstrafe gegen den früheren Chef der Sichuan Hanlong Gruppe, Liu Han, wie auch gegen dessen Bruder Liu Wei. Der amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua zufolge kam das Gericht zu dem Schluss, die Brüder hätten eine "mafiöse Verbrechergruppe" angeführt.

Konkret wurde den Brüdern und 34 Mitangeklagten eine Serie von Verbrechen wie mehrfacher Mord, organisiertes Verbrechen, Körperverletzung, Freiheitsberaubung, illegaler Waffenbesitz und Erpressung angelastet. Der Verurteilte wurde im vergangenen Jahr zu den 100 reichsten Chinesen gerechnet, sein Vermögen soll 650 Millionen Dollar betragen.

Hintergrund des Prozesses ist der Korruptionsskandal um den früheren Spitzenpolitiker Zhou Yongkang. Dessen inhaftierter Sohn unterhielt laut chinesischen Presseberichten enge Beziehungen zu dem nun zum Tode verurteilten Konzernchef.

Machtkampf mit Bo Xilais Vertrauten

Der 1942 geborene Zhou zählte bis November 2012 zur absoluten Machtelite des Landes. Von 2007 an hatte er die chinesische Staatsicherheit kontrolliert und war Mitglied des ständigen Ausschusses des Politbüros, des mächtigsten Gremiums des Landes. In den Neunzigerjahren war Zhou Chef des staatlichen Ölgiganten China National Petroleum Corporation. Nach seinem Ausscheiden aus der Parteiführung sind Hunderte Personen aus seinem Umkreis verhört und Vermögen von umgerechnet 14,5 Milliarden Dollar beschlagnahmt worden. Seit Ende 2013 steht Zhou der Nachrichtenagentur Reuters zufolge unter Hausarrest.

Das rigorose Vorgehen ist einerseits Ausdruck des von Chinas Präsident Xi Jinping ausgerufenen Kampfes gegen Bestechlichkeit in Partei und Wirtschaft. Andererseits dient es offenbar auch im internen Machtkampf mit den Vertrauten des ehemaligen Spitzenpolitikers Bo Xilai. Bo war im September 2013 wegen Bestechlichkeit und Amtsmissbrauch zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt worden.

Die Hanlong-Gruppe, der der verurteilte Liu vorstand, ist in den Branchen Chemie, Solar, Rohstoffe und Bergbau tätig. Das Konglomerat wurde vor einem Jahr auch international bekannt, als es erfolglos versuchte, das australische Bergbauunternehmen Sundance für mehr als eine Milliarde Dollar zu übernehmen.

fdi/Reuters/dpa

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 71 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
noelkenproettel 23.05.2014
1. Ich Bitte um Verzeihung,
aber sowas sollte man mal hier einführen, vieleicht bekommt man die Korruption so in den Griff und die Leute die hier glauben das sie mit ihrem Geld alles regeln können , auch Gesezte zu ihren Gunsten....
h.hass 23.05.2014
2.
Da werden offensichtlich unliebsame Parteimitglieder aus dem Weg geräumt, indem man vorgibt, gegen Korruption vorzugehen. Allumfassende Korruption ist bei Diktaturen wie der chinesischen systemimmanent, es gibt weder eine unabhängige Justiz noch eine freie Presse, die korrigierend engreifen könnten. Insofern sind solche Prozesse eine Farce. Wenn China seinen blamablen 40er Korruptionsindex verbessern wollte (http://cpi.transparency.org/cpi2013/results/), müsste das ganze System reformiert werden. Aber dann könnten sich die raffgierigen Kader natürlich nicht mehr die Taschen vollstopfen und sich dicke Ferraris kaufen.
retronoerd 23.05.2014
3. Betrifft anscheinend auch Deutschland
Gestern hat mir ein Freund aus der chem. Industrie erzählt, dass sie ihre Betriebe in China schon seit ewigen Zeiten nicht fertiggestellte bekommen. Die CEOs sehen ihre Investitionen im oberen dreistelligen Mio-Bereich bereits als verloren an... sollte man die nicht fertig gestellten Projekte nicht noch irgendwie verkaufen können.
kimmberlie67 23.05.2014
4. Da haben im Westen
die Manager ja riesen Glück,und die meisten Konzerne und Banken währen ohne Führung
spon72 23.05.2014
5. Man stelle sich vor...
...die Chefs der großen Banken würden für ihre Konzernausrichtung ähnlich hart bestraft werden. Eine Unternehmensstrategie, die täglich hunderttausende verhungern lässt, nur weil ein paar westliche Geldeliten mit Rohstoffen und Lebensmitteln Millionen verdienen und bei ihrem Geschachere um Ressourcen Wasser, Getreide und Fleisch den Ärmsten dieser Welt vorenthalten! Wie ich China kenne, bekommen die Typen bei ihrer Hinrichtung noch ein Schild umgehangen, auf dem ihre Verbrechen zu lesen sind, muss allerdings ein großer Fetzen Karton sein!
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.