Korruption in Griechenland: Ein Fakelaki voller Scheine

Von Corinna Jessen, Athen

Schmiergeld gehört in Griechenland einfach dazu. Beim Arzt, auf dem Bauamt, in der Fahrprüfung: Oft kommt man nur mit "Fakelaki" weiter - "Umschläglein" voller Geldscheine. Für die Volkswirtschaft ist das ein Desaster. Jetzt sollen die Bürger ausgerechnet in der Finanzkrise ihr Verhalten ändern.

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Proteste in Athen: Der Staat als Selbstbedienungsladen

Steuerberater schmieren Finanzbeamte; Architekten "legalisieren" übertretene Bauvorschriften, natürlich gegen Bares auf dem Bauamt; Ärzte vergeben spontan Operationstermine - und nehmen dafür wie selbstverständlich ein "Fakelaki", ein "Umschläglein" voller Geldscheine: Fast jeder Grieche weiß eine solche Geschichte zu erzählen. Und fast jeder hat hier und dort einen helfenden "Freund", um Angelegenheiten zu "regeln".

Korruption ist in Griechenland allgegenwärtig. Es sind längst nicht nur die Reichen, die Politiker schmieren. Bestechung ist ein Phänomen des Alltags. Oft erleichtert sie den Bürgern das Leben im Kleinen - doch gleichzeitig hat sie mit dazu beigetragen, das Land als Ganzes in den Ruin zu treiben.

"Das läuft ganz offen, da brauchst du keine Hemmungen zu haben", sagt Adonis M. Er ist Elektriker und erklärt, wie er an Aufträge kommt. Zum Beispiel neulich in einer Gemeinde im südlichen Attika. Eingefädelt hat das Geschäft eine seiner "Kontaktpersonen". "Mit denen vereinbarst du deine Bezahlung, aber im offiziellen Kostenvoranschlag lässt du grundsätzlich den Kostenpunkt frei. Den füllt die Kontaktperson aus und meistens berechnet sie gut das Doppelte von dem, was du kostest." Dafür, dass er schweigt, bekommt der Handwerker natürlich auch ein wenig mehr, als er kalkuliert hat.

Manchmal geht es dabei um richtig viel Geld. Einmal wurde Adonis von seiner Kontaktperson in eine Schule gerufen, um einen Kostenvoranschlag für Internetanschlüsse zu erstellen. Dort fand er aber schon alles vor: "Steckdosen, Anschlüsse, Kabel, alles bis ins letzte Detail. Ich wusste nicht, ob das eine Falle war, aber meine Kontaktperson beruhigte mich und bestand darauf, dass ich 15.000 Euro für einen Auftrag in Rechnung stellen sollte." Am Ende hat der Staat für die Internetanschlüsse zweimal bezahlt.

"Fließt das Geld nicht, lassen sie die Schüler durchfallen"

Auch in kleineren Größenordnungen gehört Schmiergeld oft einfach dazu. Viele Griechen kennen das von der Fahrprüfung. Tassos G. war noch bis vor kurzem Inhaber einer Fahrschule in Athen. "Wenn ein Schüler zum ersten Mal in den Laden kam, erkundigte er sich gleich - wenn auch vorsichtig - nach dem 'Tarif' für das Prüfungskomitee." Für zwei Prüfer liege der "Tarif" bei 250 bis 300 Euro, sagt Tassos. Von den staatlichen Prüfern seien rund 80 Prozent für diese "Aufmerksamkeit" empfänglich - natürlich kennen die Fahrlehrer die betreffenden Personen. "Fließt das Geld nicht, lassen sie Schüler auch nach fehlerfreiem Fahren durchfallen. Dafür drücken sie bei Wackelkandidaten gegen Bares vier Augen zu."

Für den einzelnen mag das "Fakelaki" im Alltag lästig sein, vielleicht auch ärgerlich und teuer. Wirklich problematisch ist die weitverbreitete Korruption aber für die Gesellschaft als ganze: Wie soll sich eine Volkswirtschaft stabil entwickeln, wenn jeder einzelne Akteur immer wieder auf das Wohlwollen anderer Menschen angewiesen ist - und ihrer Willkür auf Gedeih und Verderb ausgeliefert? Wie soll sich der marode Staat sanieren, wenn er sich auf seine Finanzbeamten nicht verlassen kann?

Ein besonderes Feld für Korruption ist das staatliche Gesundheitswesen. Jorgos A. hat das am eigenen Leib erfahren. Der Epileptiker erlitt vor einigen Jahren beim Kochen einen Anfall und zog sich Verbrennungen dritten Grades an der linken Hand zu. Statt sofort operiert zu werden, wurde er im staatlichen Unfallkrankenhaus drei Wochen lang hingehalten und vom behandelnden Arzt mehrfach aufgefordert, doch in dessen Privatklinik die dringend notwendige Hauttransplantation vornehmen zu lassen. Wahrscheinlich wäre er gegen ein "Fakelaki" auch im öffentlichen Krankenhaus operiert worden, sagt Jorgos heute. "Ich habe das irgendwann natürlich erkannt, aber ich wollte da nicht mitmachen." Schließlich hat sich Jorgos in Deutschland operieren lassen, wo er aufgewachsen ist.

Warum sollte der kleine Mann anders handeln als die großen Politiker?

Natürlich gibt es auch die anderen, die Krankenhausärzte, die sich trotz ihres dürftigen Gehalts - anfangs sind es 1200 Euro im Monat - aufopfernd und ohne Schmiergeld um ihre Patienten kümmern. Viele Staatsbedienstete aber werden gerne schwach und verdienen sich bar etwa hinzu.

Die schlechte Bezahlung von Polizisten, Zöllnern, Verwaltungsbeamten mag ein Grund sein, warum sich so viele bestechen lassen. Ein anderer ist der Mangel an positiven Vorbildern: Warum sollte dem kleinen Mann verwehrt sein, was in der großen Politik Griechenlands gang und gäbe ist?

In den vergangenen Jahren sollen Politiker aller Parteien Millionen angenommen haben - allein vom deutschen Siemens-Konzern Chart zeigen. Im Gegenzug sollen sie freigiebig Aufträge erteilt haben. Wer genau für was verantwortlich ist, versucht gegenwärtig ein Untersuchungsausschuss zu klären.

Ein anderes Beispiel ist eine Immobilienschieberei um den klösterlichen Besitz der abgewählten Konservativen unter Kostas Karamanlis. Das Geschäft soll einen Abt der Mönchsrepublik Athos, aber auch Karamanlis-Vertraute millionenschwer gemacht haben. Und das sind nur die bekanntesten Fälle.

Die 300 Diebe des griechischen Parlaments

Der Großteil der Bürger geht mehr oder weniger selbstverständlich davon aus, dass "die da oben" in die eigene Tasche wirtschaften. "Die 300 Diebe" sind eine feststehende Redewendung - gemeint sind damit die Abgeordneten des griechischen Parlaments. Nur wenige Griechen empfinden den Staat als Gemeinwesen, für das alle verantwortlich sind - so wie es sich die großen Philosophen der Antike gewünscht haben. Stattdessen betrachten viele den Staat als Selbstbedienungsladen für jene, die Zugang zur Macht haben.

Woher kommt diese Haltung? Warum ist die Einstellung einer allgemeinen Verantwortungslosigkeit so tief verankert?

Eine Antwort bietet die Geschichte. Die griechischen Parteien - bezeichnenderweise "Die Englische", "Die Französische" und "Die Russische" genannt - hatten Anfang des 19. Jahrhunderts zunächst als lose Interessengemeinschaften mit den Großmächten zusammengearbeitet. Das gemeinsame Ziel: der Befreiungskampf gegen die Osmanen. Schnell dienten ausländische Gelder aber auch dazu, die Machtpositionen der Eliten zu festigen.

Die Krise bietet eine Chance zum Neuanfang

Die führenden Politiker des Landes wurden so zu Statthaltern fremder Mächte. Das blieb auch so, nachdem die Osmanen 1913 endgültig aus weiten Teilen Griechenlands abgezogen waren. Die Metaxas-Diktatur in den dreißiger Jahren, die deutsche Besatzung im Zweiten Weltkrieg und der anschließende Bürgerkrieg ließen bis 1948 kein staatliches Gemeinwesen entstehen, für das sich die Bürger mitverantwortlich gefühlt hätten. Als Frontland im Kalten Krieg wurde Griechenland dann unverhohlen das Ziel amerikanischer Interventionen, 1967 wurde die Militärdiktatur installiert.

Die Zeitrechnung eines souveränen, demokratischen Staatswesens in Griechenland beginnt erst 1975. Seitdem sind zwar schon 35 Jahre vergangen - doch in dieser Zeit gelang es nicht, das Klientelsystem zu überwinden. Im Gegenteil: Es ist nach wie vor für den aufgeblähten Staatsapparat, die ineffektive Verwaltung und das Versanden öffentlicher Gelder verantwortlich.

Immerhin: Die jetzt drohende Staatspleite könnte die Haltung vieler Griechen zu ihrem Gemeinwesen ändern. So mancher Publizist wertet den Druck der EU, das Land endlich strukturell zu sanieren, als Chance. Möglicherweise gelingt es ausgerechnet in der Krise, die verkrusteten Korruptionsmechanismen aufzubrechen. Nach 1975, sagte ein Radiokommentator, könnte das Jahr 2010 "ein zweiter Neuanfang" werden.

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Forum - Kann Griechenland seinen Staatshaushalt sanieren?
insgesamt 3151 Beiträge
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1.
Berta 20.02.2010
Wir haben soviel Butter und Milch. Warum erzählt ihr dem Bürger das Märchen vom Gürtel enger schnallen. Es wird Zeit die Weltmafia und Spekulanten zu zerschlagen.
2. Erste Schritte machen
Hubert Rudnick 20.02.2010
Zitat von sysopDie wirtschaftlichen Probleme Griechenlands betreffen längst nicht mehr nur das Land, sondern auch den Wirtschaftsraum der EU und die gemeinsame Währung. Wird es Griechenland gelingen, seinen Staatshaushalt zu sanieren?
------------------------------------------------------------ Alle diese Finanzkatastrophen der verschiedensten Länder sind nicht nur von außen hineigetragen worden, sie sind viel mehr hausgemacht und somit müssen sie alle auch zunächst selbst mit der Aufarbeitung beginnen. Wer keine normalfunktionierendes Steuergestz hat, oder es nicht durchsetzt, der schafft sich die Probleme, also ein Land ohne richtige Einnahmen hat auch nicht die Möglichkeit Ausgaben zu machen. Wenn Griechenland nun nur auf finanzieller Unterstützung von außen hofft, dann löst man damit nicht ein einzige Problem, man schiebt es nur auf und die Schulden vergrößern sich. Wenn jetzt noch Gewerkschaften streiken, so führen sie ihr Land nur noch tiefer in die Krise, es kann sich nicht erholen. Aber Griechenland ist nur ein Beispiel wie es in Ländern aussieht, die es mit der Wahrheit in ihrer Finanz und Steuerpolitik nie so genau nehmen und daran sollten andere Länder sich mal ein Beispiel nehmen. Denn wo nichts hineinkommt, dann hat man auch keine Möglichkeiten ein normales gesellschaftlich Leben zu organisieren. In sehr vielen Ländern, auch bei uns in Deutschland wachsen die Schulden immer weiter und wie lange kann die Gesellschaft das noch ohne zu große Abstriche machen zu müssen sich leisten? HR
3. ...
medienquadrat 20.02.2010
Zitat von sysopDie wirtschaftlichen Probleme Griechenlands betreffen längst nicht mehr nur das Land, sondern auch den Wirtschaftsraum der EU und die gemeinsame Währung. Wird es Griechenland gelingen, seinen Staatshaushalt zu sanieren?
natürlich wird Griechenland der Hort der Stabilität werden, der Europa insgesamt retten wird. In Brüssel wird jetzt einfach in die weitere Defizitprognose der nach oben offene Optimismusfaktor eingefügt - wenn Einstein sowas mit seinen physikalischen Formeln konnte, dann darf das die Politik allemale. Jammas!
4. Warum lässt die EU das zu?
anders_denker 20.02.2010
Bitte den Griechen mal sagen, das man sich mit solchen Aktionen noch tiefer reinreitet und die Kosten dafür zu tragen hat! Wird zudem zeit, das die EU notfalls den gerichtsvolziegher schickt. Einige Inselchen oder Baudenkmäler könnte man ja versteigern!
5. wahre Freundschaft
christiane006 20.02.2010
Zitat von sysopDie wirtschaftlichen Probleme Griechenlands betreffen längst nicht mehr nur das Land, sondern auch den Wirtschaftsraum der EU und die gemeinsame Währung. Wird es Griechenland gelingen, seinen Staatshaushalt zu sanieren?
in Griechenland ist ist fast jeder zweite im Staatsdienst angestellt. Das heisst jeder Grieche hat seinen eigenen Beamten, der für ihn da ist. So einen Luxus kann man sicher pflegen, man muss ihn dann aber auch selbst finanzieren können. Ich frage mich auch, welche Interessen die Amerikaner bei dieser Angelegenheit haben. Offensichtlich wollen sie die EU schwächen, denn sonst hätte man nicht alle Hebel in Bewegung gesetzt und am Rande der Legalität, die defizitären Strukturen des Griechen-Budgets, zu verschleiern. Ein Schelm, der Böses dabei denkt. Meine Frage daraus wäre, wie freundlich sind uns unsere transatlantischen Partner tatsächlich gesinnt, die immerhin darauf drängen, dass sich unsere Kinder in Afghanistan den Hintern wegsprengen lassen?
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Illustration Tim O'Brien für den SPIEGEL

Heft 10/2010:
Die Euro-Lüge

"Ein Mitgliedstaat haftet nicht für die Verbindlichkeiten eines anderen Mitgliedstaats"

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Griechenland: Kampf gegen den Bankrott
Darf die EU Griechenland helfen?
Griechenlands Schuldenchaos belastet den Euro - und verunsichert die Finanzmärkte. Nun diskutieren andere EU-Staaten über mögliche Hilfen für Athen. Aber welche Maßnahmen sind rechtlich überhaupt zulässig?
Wie schlecht steht es um Athens Haushalt?
Die Griechen haben in den vergangenen Jahren immer wieder gegen den Euro-Stabilitätspakt verstoßen. Mit geschönten Zahlen schafften sie es 2001 in die Währungsunion. Mit 12,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts lag die Neuverschuldung 2009 mehr als viermal so hoch wie die erlaubten drei Prozent. Die Gesamtschuldenlast liegt bei rund 300 Milliarden Euro.
Welche Soforthilfe ist möglich?
Laut EU-Vertrag dürfen Euroländer nicht füreinander einspringen. Die sogenannte No-Bailout-Klausel ("Keine Rettungsaktion") legt fest, dass ein Land, das den Euro eingeführt hat, nicht für Verbindlichkeiten und Schulden anderer Partner haften oder aufkommen darf. Auf diese Weise soll verhindert werden, dass einzelne Staaten sich auf Kosten anderer verschulden. Auch der Europäischen Zentralbank ist es explizit untersagt, an Mitgliedstaaten direkte Kredite zu vergeben.
Daher loten die Euroländer nun andere Möglichkeiten aus, um Griechenland zu helfen. Einzelne Länder wie Deutschland oder Frankreich könnten beispielsweise bilaterale Kredite zur Verfügung stellen.
Selbst die Einführung eines Europäischen Währungsfonds soll im Gespräch sein. Denkbar sind auch Garantien für griechische Staatsanleihen oder eine gemeinsame europäische Anleihe. Athen muss derzeit neue Staatsanleihen zu immer schlechteren Konditionen platzieren, um seine Zinsen bezahlen zu können. Eine weitere Möglichkeit: Die EZB oder nationale Notenbanken könnten Anleihen aus Griechenland kaufen.
Gibt es Ausnahmeregeln?
Die No-Bailout-Klausel muss kein genereller Hinderungsgrund für Hilfen sein. Unter Krisenbedingungen kann die EU durchaus einem Mitgliedstaat Beistand gewähren. So verfügt die EU-Kommission über eine Notfall-Kreditlinie von 50 Milliarden Euro, die aber nur EU-Staaten außerhalb der Eurozone zugutekommen soll. Es profitierten bereits Ungarn mit 6,5 Milliarden Euro, Lettland mit 3,1 Milliarden Euro und Rumänien mit fünf Milliarden Euro.
Was kann Griechenland selbst tun?
Brüssel setzt auf eine beispiellose Überwachung der griechischen Haushaltspolitik. Anfang Februar setzte die Kommission eine Frist von vier Monaten, binnen derer wichtige Fortschritte beim Sparen und bei Reformen gemacht werden müssen. Athen hat bis 2012 Zeit, sein Defizit wieder in den Griff zu bekommen. Das Sparprogramm sieht vor, Gehälter im öffentlichen Dienst zu kürzen, einen Einstellungsstopp zu verhängen sowie das Gesundheits- und das Rentensystem zu reformieren. Allerdings dürfte es für die griechische Regierung extrem schwer werden, ihre Reformvorhaben umzusetzen. Experten rechnen für die kommenden Monate mit harten sozialen Auseinandersetzungen - schon jetzt streiken die Staatsbediensteten.
Wer könnte noch aushelfen?
Ein Notkredit durch den Internationalen Währungsfonds (IWF) ist ebenfalls möglich. Der IWF würde seine Hilfe an strenge Konditionen knüpfen. Allerdings wäre Hilfe von einer internationalen Institution eine Blamage für Europa. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) und andere EU-Amtskollegen lehnen diesen Weg daher ab.
Bedroht Griechenland die Währungsunion?
Die Athener Schuldenkrise ist die bisher größte Belastungsprobe für die seit 1999 existierende Euro-Zone. Es gibt keinen Mechanismus, ein Land aus dem Euro-Gebiet auszuschließen. Es müsste im schlimmsten Fall die EU verlassen. Experten halten dieses Szenario für höchst unwahrscheinlich. Griechenland ist ein wichtiger Empfänger milliardenschwere EU-Fördergelder. Aus dem Topf für ärmere Regionen flossen 2008 allein 4,7 Milliarden Euro. Allerdings ist das Gewicht Griechenlands in Europa gering: Das Land trägt nur drei Prozent zur Wirtschaftsleistung der Euro-Zone bei.


Steckbrief: Griechenland

Schuldenquote: 112,6 Prozent des nationalen BIP

Haushaltsdefizit: 12,7 Prozent des nationalen BIP (2009)

BIP-Wachstum: -1,1 Prozent (Prognose 2009)

Anteil am BIP der Euro-Zone: 2,6 Prozent (2008)

Quelle: EU-Kommission

Länderlexikon
Wichtigste Eckdaten
Eigenname: Hellenische Republik

Offizieller Eigenname: Elliniki Dimokratia

Staatsoberhaupt:
Karolos Papoulias (seit März 2005)

Regierungschef: Antonis Samaras
(seit Juni 2012)

Außenminister: Evangelos Venizelos
(seit Juni 2013)

Staatsform: Parlamentarische Republik

Mitgliedschaften: EU, Nato, OECD, OSZE, Uno

Hauptstadt: Athen

Amtssprache: Griechisch

Religionen: mehrheitlich orthodoxe Christen

Fläche: 131.957 km²

Bevölkerung: 10,788 Mio. Einwohner (2011)

Bevölkerungsdichte: 81,8 Einwohner/km²

Bevölkerungswachstum: -0,1%

Fruchtbarkeitsrate: 1,4 Geburten/Frau

Nationalfeiertag: 25. März

Zeitzone: MEZ +1 Stunde

Kfz-Kennzeichen: GR

Telefonvorwahl: +30

Internet-TLD: .gr

Mehr Informationen bei Wikipedia | Griechenland-Reiseseite

Wirtschaft

Währung: 1 Euro (EUR) = 100 Cent zum Währungsrechner hier...

Bruttosozialprodukt: 262,431 Mrd. US$

Wachstumsrate des BIP: -7,1%

Anteile am BIP: Landwirtschaft 43%, Industrie 18%, Dienstleistungen 79%

Inflationsrate: 1,4% (2013; geschätzt)

Arbeitslosenquote: 13,0% (2011; geschätzt)

Staatseinnahmen: 79,8 Mrd. EUR

Steueraufkommen (am BIP): 21,3%

Staatsausgaben: 86,9 Mrd. EUR

Haushaltsdefizit/-überschuss (am BIP):
-3,8%

Staatsverschuldung (am BIP): 175,2%

Handelsbilanzsaldo: -17,339 Mrd. US$

Export: 68,123 Mrd. US$

Hauptexportgüter: industrielle Vorprodukte (20,0%), Nahrungsmittel und Vieh (18,8%), chemische Erzeugnisse (14,5%) (2010)

Hauptausfuhrländer: Deutschland (10,9%), Italien (10,8%), Zypern (7,1%), Bulgarien (6,5%), Türkei (5,3%), Großbritannien (5,2%), (2010)

Import: 85,462 Mrd. US$

Hauptimportgüter: Maschinen- und Transportmittel (24,2%), Brennstoffe und Schmiermittel (23,5%), chemische Erzeugnisse (15,23%) (2010)

Hauptlieferländer: Deutschland (10,5%), Italien (9,8%), Russland (9,8%), Volksrepublik China (6,0%), Niederlande (5,3%), Frankreich inklusive Monaco (4,9%) (2010)

Landwirtschaftliche Produkte: Gemüse und Obst, Getreide, Zuckerrüben, Tabak

Rohstoffe: Braunkohle, Magnesit, Silber, Marmor, Uran, Gold, Erdgas, Erdöl, Eisen und Stahl, Aluminium

Gesundheit, Soziales, Bildung

Öffentliche Gesundheitsausgaben (am BIP): 10,8%

Öffentliche Ausgaben für Bildung und Erziehung (am BIP): 3,5%

Öffentliche Ausgaben für Altersversorgung (am BIP): 11,5%

Medizinische Versorgung: Ärzte: 6,2/1000 Einwohner

Säuglingssterblichkeit: 4/1000 Geburten

Müttersterblichkeit: 3/100.000 Geburten

Lebenserwartung: Männer 79 Jahre, Frauen 83 Jahre

Schulpflicht: 6-15 Jahre

Energie, Umwelt, Tourismus

Energieproduktion: 9,445 Mio. Tonnen Öleinheiten (ÖE)

Energieverbrauch: 27,615 Mio. t ÖE

Geschützte Gebiete: 16,2% der Landesfläche

CO2-Emission: 94,917 Mio. t

Energieverbrauch/Kopf: 2440 kg ÖE

Verwendung des Süßwassers: Landwirtschaft 89%, Industrie 2%, Haushalte 9%

Zugang zu sauberem Trinkwasser: 100% der städtischen, 99% der ländlichen Bevölkerung

Tourismus: 16,427 Mio. Besucher

Einnahmen aus Tourismus: 14,984 Mrd. US$

Militär

Allgemeine Wehrpflicht: 9 Monate

Streitkräfte: 144.350 Mann (Heer 86.150, Marine 20.000, Luftwaffe 26.600, Sonstige 11.600)

Militärausgaben (am BIP): 2,8%

Nützliche Adressen und Links

Griechische Botschaft in Deutschland
Jägerstraße 54/55, D-10117 Berlin
Telefon: +49-30-206260 Fax: +49-30-20626444
E-Mail: gremb.ber@mfa.gr

Deutsche Botschaft in Griechenland
Karaoli und Dimitriou 3, 106 75 Athen - Kolonaki
Telefon: +30-210-7285111 Fax: +30-210-7285335
E-Mail: info@athen.diplo.de

Länder- und Reiseinformationen des Auswärtigen Amts

Mehr Informationen bei Wikipedia | Griechenland-Reiseseite