Korruption: MAN-Schmiergeldaffäre weit größer als bekannt

Die Schmiergeldaffäre bei MAN hat eine deutlich größere Dimension als bislang angenommen. Die Provisionszahlungen des Münchner Fahrzeugbauers sollen sich nach SPIEGEL-Informationen ab 2002 auf einen mittleren dreistelligen Millionenbetrag summiert haben.

Von dieser Summe steht aber anscheinend nur ein Teil unter Schmiergeldverdacht. Insider gehen davon aus, dass die "problematischen Zahlungen" mit Fortschreiten der Ermittlungen zumindest einen hohen zweistelligen Millionenbetrag erreichen könnten.

MAN-Fahrzeuge (2006): Empfänger in Steueroasen
DPA

MAN-Fahrzeuge (2006): Empfänger in Steueroasen

Die Staatsanwaltschaft wollte die neuen Summen auf SPIEGEL-Anfrage nicht bestätigen, ein MAN-Sprecher wollte sich ebenfalls nicht äußern.

Aus dem Umfeld des Konzerns verlautet, es sei zu früh für konkrete Erklärungen, da die Ermittlungen noch am Anfang stünden. Anfang Mai hatten mehr als hundert Beamte Dutzende Firmenstandorte und Privatwohnungen durchsucht, um den Verdacht zu erhärten, wonach MAN-Mitarbeiter sich mit Schmiergeldern Bus- und Laster-Aufträge im In- und Ausland gesichert haben sollen.

Damals war von rund 16 Millionen Euro die Rede - eine Million im Inland, 15 Millionen im Ausland. Inzwischen können sich Staatsanwaltschaft und externe Ermittler auf gut tausend Revisionsberichte aus den vergangenen zehn Jahren stützen.

Aufgeflogen waren die fragwürdigen Zahlungen durch eine Betriebsprüfung der Finanzbehörden.

Nachdem man in einem Schreiben vom 14. August 2008 bereits problematische Zahlungen im Inland berichtet hatte, schickten die Finanzbeamten am 27. März der Staatsanwaltschaft eine Liste mit 16 Zahlungen über gut 15 Millionen Euro, die MAN zwischen 2002 und 2005 als Ausgaben deklariert hatte. Die Empfänger saßen großteils in Steueroasen.

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