Korruption Wolfowitz verliert jeden Rückhalt

Weltbank-Chef Paul Wolfowitz war im eigenen Hause schon seit Beginn seiner Amtszeit umstritten. Doch der vollständige Gesichtsverlust steht ihm noch bevor - wenn er den Verdacht nicht entkräften kann, selbst in einen Korruptionsfall verwickelt zu sein.


Washington - Der Rollenwechsel war sorgsam geplant, doch richtig funktioniert hat er nie. Wenn Weltbank-Präsident Paul Wolfowitz am Wochenende die Finanzelite der Welt zur Frühjahrstagung in Washington empfängt, steht er umstrittener da als je zuvor. Der neueste Vorwurf lautet, er habe seiner Freundin regelwidrig eine Beförderung samt Gehaltserhöhung zugeschanzt. Es ist nur ein Kritikpunkt von vielen, seit Wolfowitz vom Posten des Vize-Verteidigungsministers der USA zur Weltbank wechselte: Er setze falsche Prioritäten und biete keine Perspektiven für die größte Hilfsorganisation der Welt, sagen Kritiker. Und über allem schwebt der Makel, dass er während seiner Zeit im Pentagon einer der Vordenker des Irak-Kriegs war.

Weltbank-Chef Wolfowitz: Falsche Prioritäten, keine Perspektiven
DPA

Weltbank-Chef Wolfowitz: Falsche Prioritäten, keine Perspektiven

Als Wolfowitz vor zwei Jahren auf Vorschlag von US-Präsident George W. Bush an die Spitze der Weltbank trat, schlug ihm viel Skepsis entgegen. Diese Skepsis ist bis heute nicht gewichen, obwohl sich Wolfowitz in seiner neuen Rolle um ein anderes Image bemühte. Der Falke wollte sich zur Taube mausern: Als Pentagon-Vize war er ein neokonservativer Scharfmacher, als Weltbank-Präsident bekannte er sich zu internationaler Zusammenarbeit und zur Hilfe für die ärmsten Länder der Erde, die er bei vielen Reisen vor allem in Afrika selbst besuchte.

Dem kühlen Intellektuellen wird nun ausgerechnet eine Angelegenheit zur Last gelegt, die sich wie die unbedachte Gefälligkeit eines Verliebten ausnimmt. Als Wolfowitz 2005 die Führung der Weltbank übernahm, verließ seine Freundin, die arabische Menschenrechtsexpertin Shaha Riza, ihren Job bei der Bank. So verlangen es die Regeln, die "romantische Beziehungen" zwischen Vorgesetzten und Angestellten verbieten. Der Eindruck der Günstlingswirtschaft ergibt sich daraus, dass Riza vor ihrem Wechsel ins US-Außenministerium eilig befördert wurde und dann ein Jahresgehalt von knapp 200.000 Dollar bezog, das die Weltbank auch nach ihrem Wechsel weiterbezahlte.

Wie mit einem Vorschlaghammer auf eine Nuss

Die Aufregung über die Beförderung ist umso größer, als Wolfowitz ausgerechnet den Kampf gegen Korruption zum Kernanliegen seiner Präsidentschaft gemacht hat. "Es ist ein Witz, dass Herr Wolfowitz Entwicklungsländer über den Kampf gegen die Korruption belehrt, während er seiner Partnerin eine überaus großzügige Gehaltserhöhung zuschanzt", sagt Bea Edwards von der unabhängigen Gruppierung Government Accountability Project in Washington, die die Ausgaben öffentlicher Institutionen überwacht.

Wolfowitz äußerte sich bislang nur schriftlich zu den Vorwürfen. Er übernehme "die volle Verantwortung" für die Angelegenheit, schrieb er an die Angestellten der Weltbank. Er habe sich dabei aber an alle Vorschriften gehalten. Eine interne Kommission solle sein Verhalten nun bewerten. Bei einer Pressekonferenz gestern wehrte Wolfowitz die zahlreichen Fragen der Journalisten zu dem Thema verärgert ab.

Den Enthüllungen über Shaha Riza war ein scharfer Streit innerhalb der Weltbank vorausgegangen, der mit einer Niederlage für Wolfowitz endete. Mit seinem Herzensthema, dem Kampf gegen die Korruption, hat er sich bei der Bank viele Feinde gemacht. Wolfowitz' Vorstellungen über die Vergabe von Krediten und die Überwachung von Hilfsprojekten seien so streng, dass die Arbeit der Bank für die Entwicklung der ärmsten Länder verzögert und behindert werde, hieß es. "Es ist, als ob man einen Vorschlaghammer benutzt, um eine Nuss zu knacken", lästerte ein europäischer Diplomat in Washington.

Im vergangenen Herbst musste Wolfowitz nach heftigem Gegenwind im Verwaltungsrat der Weltbank Abstriche von seinen Plänen machen. Wichtige Länder wie Indien und China hatten laut Medienberichten gedroht, andernfalls die Zusammenarbeit zurückzuschrauben. Bei dem Streit schreckten Kritiker auch nicht vor persönlichen Sticheleien gegen Wolfowitz zurück: "Wie kann die Weltbank Ratschläge über gute Regierungsführung erteilen, wenn ihr Präsident mit dem Irak-Krieg das Völkerrecht gebrochen hat?", wird ein mexikanischer Vertreter in einem Tagungsprotokoll der Bank zitiert.

Von Peter Wütherich, AFP



© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.