Korruptionsaffäre Siemens-Skandal kostet Telekom-Vorstand den Job

Die Korruptionsaffäre beim Technologiekonzern Siemens hat ein weiteres prominentes Opfer: Telekom-Vorstand Lothar Pauly hat seinen Posten niedergelegt - ihm wurde seine Vergangenheit bei dem Technologiekonzern zum Verhängnis.


Bonn - Der Vorstand der Telekom-Geschäftskundensparte T-Systems, Lothar Pauly, scheidet aus dem Unternehmen aus. Der für das Systemgeschäft, die Produktion, IT und den zentralen Einkauf zuständige Manager habe den Aufsichtsrat gebeten, ihn von seinen Aufgaben zu entbinden, teilte das Unternehmen heute in Bonn mit. Der Präsidialausschuss des Aufsichtsrats habe dem Gremium empfohlen, der Bitte zu entsprechen. Die Aufgaben von Pauly werde Finanzvorstand Karl-Gerhard Eick kommissarisch übernehmen.

Telekom-Vorstand Lothar Pauly: Staatsanwaltschaft ermittelt seit Wochen
DPA / Siemens

Telekom-Vorstand Lothar Pauly: Staatsanwaltschaft ermittelt seit Wochen

Ein Sprecher der Telekom lehnte SPIEGEL ONLINE gegenüber jeden weiteren Kommentar dazu ab. Dem Vernehmen nach gibt es keine neuen Vorwürfe gegen Pauly, der im Oktober 2005 zur Telekom gekommen war. Die Ablösung sei keine "Vorverurteilung" des 48-Jährigen, hieß es in Branchenkreisen. Pauly habe mit seinem Rückzug möglichen Schaden von der Telekom abhalten wollen. Bereits seit einigen Wochen wird über eine mögliche Verstrickung des Managers in die Korruptionsaffäre bei der Münchner Siemens AG spekuliert. Pauly selbst hatte dies wiederholt zurückgewiesen.

Die Staatsanwaltschaft München ermittelt seit mehreren Wochen gegen Pauly, der zuvor bei Siemens die Com-Sparte verantwortet hatte. Die Kommunikationssparte steht im Mittelpunkt der Ermittlungen der Münchner Staatsanwaltschaft. Hier sollen große Summen in schwarzen Kassen verschwunden und im Ausland als Schmiergeld eingesetzt worden sein. Die Münchner Staatsanwaltschaft wollte sich heute nicht zu der Frage äußern, ob gegen Pauly ermittelt wird.

Der Rückzug von Pauly kommt für die Telekom zu einem ungünstigen Zeitpunkt, da der Konzern auf der Suche nach einem Partner für T-Systems ist. Der von Pauly geleitete Auswahlprozess soll im Sommer abgeschlossen werden. Derzeit laufen nach Angaben aus Konzernkreisen Gespräche mit möglichen Partnern, die bis Mitte Juni abgeschlossen werden sollen. Dann wolle die Telekom eine Auswahl treffen, mit wem vertiefende Verhandlungen geführt werden, hieß es.

Der Ver.di-Landesbezirksleiter von Bayern und Telekom-Aufsichtsrat Josef Falbisoner forderte die Telekom-Führung im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE auf, endlich Ruhe in den Konzern zu bringen. "Jeden Tag haben wir eine neue Baustelle. Wenn Herr Obermann das nicht bald in den Griff bekommt, sehe ich schwarz", sagte Falbisoner.

sam/dpa-AFX/ddp/dpa



© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.