Korruptionsskandal Ex-Siemens-Chefs wehren sich gegen Cromme-Vorwürfe

Die Antwort kam postwendend: Klaus Kleinfeld und Heinrich von Pierer wehren sich vehement gegen Vorwürfe von Gerhard Cromme. Der Siemens-Aufsichtsratschef hatte den Ex-Konzernlenkern im SPIEGEL mangelnde Offenheit mit dem Korruptionsskandal vorgeworfen.


München/Frankfurt am Main - Die Vorwürfe, die Gerhard Cromme im SPIEGEL erhebt, sind hart: Bei Siemens, sagt der jetzige Konzernchef, habe in puncto Korruption "ein Paralleluniversum" existiert. Dieses sei "von früheren Vorständen gedeckt, geduldet oder gar initiiert" gewesen.

Siemens-Aufsichtsratschef Cromme: Scharfe Attacke gegen Ex-Chefs
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Siemens-Aufsichtsratschef Cromme: Scharfe Attacke gegen Ex-Chefs

Crommes Attacke richtete sich vor allem gegen die früheren Siemens-Chefs Klaus Kleinfeld und Heinrich von Pierer. Der Aufsichtsrat sei von diesen Alt-Vorständen "unvollständig, irreführend und teilweise sogar falsch informiert worden", sagte er. Bei Siemens habe sich "extern wie intern eine Art gemeinsamer Bestechungsindustrie entwickelt, die letztlich vor allem den Eindruck produzieren sollte, Schmiergelder seien notwendig".

Kleinfeld und von Pierer haben sich inzwischen gegen diese Vorwürfe gewehrt. Kleinfelds Anwalt schrieb Cromme am Freitag in einem Brief, er habe die Anschuldigungen mit Unverständnis zur Kenntnis genommen. Gegen Kleinfeld würden in keinem der zuletzt von der Münchner Staatsanwaltschaft sowie der US-Börsenaufsicht SEC herausgegebenen Dokumente spezifische Beschuldigungen erhoben. Kleinfeld habe seit Herbst 2006 als Siemens-Chef eine beispiellose Aufklärungsarbeit eingeleitet, die das Fundament für die späteren Aufräumarbeiten bildete.

Von Pierer widersprach Cromme im "Handelsblatt" zu Wort. "Fundiertes Bestreiten" dürfe nicht als Uneinsichtigkeit bezeichnet werden, sagte er . Er habe die Vorwürfe gegen ihn zurückgewiesen und auf "Missverständnisse, Unrichtigkeiten und Lücken im Sachverhalt" hingewiesen. Im Übrigen habe er "offen und umfangreich" in mehreren Sitzungen die Fragen der mit der Aufklärung beauftragten Anwälte beantwortet.

Der Technologiekonzern Siemens war in den vergangenen zwei Jahren von einer Korruptionsaffäre erschüttert worden, die in der Geschichte der Bundesrepublik beispiellos ist. Siemens-Mitarbeiter hatten weltweit Zahlungen für Beraterverträge angewiesen, ohne dass entsprechende Gegenleistungen erbracht wurden. Bei der Höhe der zweifelhaften Zahlungen kommen die Behörden zu unterschiedlichen Erkenntnissen: Die SEC spricht von insgesamt 1,4 Milliarden US-Dollar, die von 2001 bis 2007 geflossen sein sollen, das Justizministerium nennt insgesamt 805 Millionen US-Dollar.

Die amerikanische Börsenaufsicht SEC hatte am Montag entschieden, dass Siemens als Strafe für die Bestechungen gut eine Milliarde Euro Strafe zahlen muss. Den Großteil davon - 800 Millionen Dollar - zahlt Siemens in den USA. Der Konzern ist seit 2001 an der New Yorker Börse notiert und unterliegt damit der amerikanischen Wertpapieraufsicht, die hart gegen Schmiergeldsünder vorgeht.

Cromme zeigte sich mit dem erzielten Vergleich zufrieden. Angesichts der 800-Millionen-Dollar-Buße sei der Konzern "vergleichsweise milde davongekommen. Da können wir drei Kreuze machen", sagte er dem SPIEGEL. "Wenn die Amerikaner alle Folterinstrumente genutzt hätten, die das US-Rechtssystem ihnen zur Verfügung stellt, hätte Siemens in eine existentiell bedrohliche Krise geraten können", sagte Cromme.

Er sieht in der Schmiergeldaffäre nun "die wichtigsten Fälle und Ermittlungen" als "abgehakt" an. Es gebe zwar noch Ermittlungen in anderen Ländern, "aber etwaige Strafen werden dort allenfalls eine viel geringere Dimension haben".

Für die operative Zukunft des Konzerns wollte Cromme keine Prognose wagen: "Einen so plötzlichen und totalen Filmriss wie zurzeit habe ich in meiner ganzen Berufszeit nie erlebt. Diese weltweite Dramatik ist mir neu, und nicht nur mir." 2009 rechnet Cromme deshalb "auf der ganzen Welt mit Heulen und Zähneknirschen".

ssu/AP/dpa/Reuters



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