Korruptionsverdacht Transparency geht gegen 57 deutsche Firmen vor

Beschwerde beim Bundeswirtschaftsministerium: Die Anti-Korruptionsorganisation Transparency International hat heute eine Liste mit 57 deutschen Unternehmen vorgelegt, die im Irak Bestechungsgelder gezahlt haben sollen. Darunter finden sich Namen wie DaimlerChrysler, Linde und Siemens.


Berlin - Der Vorwurf ist nicht neu, doch heute machte Transparency International ernst: Die Anti-Korruptionsorganisation legte beim Bundeswirtschaftsministerium Beschwerde ein - und lieferte den Ministerialen gleich einen ausführlichen Bericht mit dazu.

Die darin erwähnten 57 deutschen Firmen hätten laut einer Untersuchung der Vereinten Nationen im Irak Schmiergelder von insgesamt 11,9 Millionen Dollar gezahlt, erklärte Transparency. Damit hätten sie gegen OECD-Leitsätze für multinationale Unternehmen verstoßen. Eine Sprecherin des Wirtschaftsministeriums sagte, die Beschwerde sei noch nicht offiziell eingegangen.

Zu den betroffenen Unternehmen zählen laut Transparency unter anderem Babcock Borsig, DaimlerChrysler, Linde und Siemens. Hansjörg Elshorst, Vorsitzender von Transparency Deutschland, sprach von einem der umfangreichsten Korruptionsskandale der Gegenwart, weil weltweit 2253 Firmen darin verwickelt seien. Es müsse sichergestellt werden, dass diese Unternehmen nicht einfach weitermachten wie bisher.

Die Schmiergeldzahlen fanden im Rahmen des Programms "Öl für Lebensmittel" statt. Ziel des 1996 gestarteten Programms war es, die durch das UN-Handelsembargo verursachten Leiden der irakischen Bevölkerung zu lindern. Bagdad wurde deshalb erlaubt, eine gewisse Menge Öl zu exportieren, um mit den Einnahmen Lebensmittel und Medikamente zu kaufen. Das Regime unter Saddam Hussein verlangte jedoch von Ölkäufern und Nahrungsmittellieferanten Schmiergelder. Insgesamt sollen 1,8 Milliarden Dollar auf schwarzen Konten verschwunden sein.

Transparency forderte das Wirtschaftsministerium nun auf, die Korruptionsfälle zu untersuchen. Es ist weltweit das erste Mal, dass von einer Regierung verlangt wird, aus dem Skandal Konsequenzen zu ziehen. In Deutschland sind bereits mehrere auf Korruption spezialisierte Staatsanwaltschaften mit der Untersuchung der Affäre beschäftigt.

wal/AFP/AP



© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.