Korruptionsvorwürfe: MAN soll mit Scheinfirmen gearbeitet haben

Neue Vorwürfe in der Korruptionsaffäre bei MAN: Der Lkw-Bauer soll laut einem Pressebericht Schmiergeld gezahlt haben und dabei auch mit Scheinrechnungen und Scheinfirmen operiert haben.

München - In der Korruptionsaffäre bei MAN Chart zeigen werden weitere Details bekannt: Der Münchner Fahrzeugkonzern soll sich umfangreiche Aufträge aus dem Ausland mit Schmiergeldern gesichert haben. Die Zahlungen haben die Verantwortlichen laut einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" ("SZ") mit Hilfe von Scheinrechnungen und Scheinfirmen abgewickelt.

MAN-Zentrale in München: Ermittler prüfen Geschäftstätigkeit
DPA

MAN-Zentrale in München: Ermittler prüfen Geschäftstätigkeit

Diesem Verdacht geht die Münchner Staatsanwaltschaft dem Bericht zufolge bei ihren Ermittlungen wegen Korruption gegen Mitarbeiter des Konzerns nach. Die Strafverfolger prüfen offenbar Geschäfte des Konzerns in mehreren europäischen und afrikanischen Staaten, in die MAN Lastwagen und Busse verkauft hat, darunter auch Griechenland.

Das Unternehmen soll bei internationalen Geschäften fragwürdige Zahlungen zum Teil über Beraterverträge, zum Teil über Scheinrechnungen und Scheinfirmen abgewickelt haben. Das Geld sei auch über Länder geflossen, die für solche Transaktionen bekannt seien, heißt es. Teilweise soll MAN im Ausland auch mit Bargeld bestochen haben. Auf diese Weise, so der Vorwurf, seien lukrative Aufträge für Lkw und Busse sowohl von privaten wie auch staatlichen Unternehmen besorgt worden.

Die Staatsanwaltschaft untersucht nach eigenen Angaben auch, ob ausländische Amtsträger geschmiert wurden. Nach "SZ"-Informationen sollen sich die fragwürdigen Zahlungen im Ausland auf 15 Millionen Euro belaufen. Im Inland soll MAN über ein fein ausgeklügeltes System Angestellte von Firmen bestochen haben, die für den Einkauf von Lastwagen und Bussen zuständig waren.

Bei diesen mutmaßlichen Korruptionsfällen soll das Schmiergeld nach Angaben der Zeitung nach dem Abschluss von Kaufverträgen mit MAN und nach der Bezahlung der gelieferten Fahrzeuge geflossen sein. Es seien 400, 500 oder 600 Euro pro Fahrzeug gewesen, manchmal auch mehr. Überwiesen wurde das Geld nach den bisherigen Erkenntnissen der Ermittler meist nicht direkt an diese Angestellten, sondern an Verwandte, Freunde oder Bekannte.

Die Staatsanwaltschaft in München lehnte einen Kommentar ab. Ein MAN-Sprecher wollte den Bericht ebenfalls nicht kommentieren und sprach von "Spekulationen". Er verwies auf eine Sonderprüfung von fragwürdigen Provisionszahlungen, die der Konzern gestartet hat. Die Revisionsabteilung werde dabei von externen Experten unterstützt. Ziel sei es, die Vorgänge vollständig aufzuklären und mögliches Fehlverhalten einzelner Mitarbeiter offenzulegen. "Die Ergebnisse der Untersuchung werden den Ermittlungsbehörden zur Verfügung gestellt."

Am Dienstag hatte die Staatsanwaltschaft München in einer bundesweiten Aktion Geschäftsräume von MAN sowie Privatwohnungen von drei Beschuldigten durchsucht. Dabei ging es um den Verdacht auf verdeckte Provisionszahlungen in Millionenhöhe in den Jahren 2002 bis 2005.

Die Ermittlungen dürften in den kommenden Wochen weitere Kreise ziehen. "Es wird nicht bei drei Beschuldigten bleiben", sagte Oberstaatsanwalt Anton Winkler am Mittwoch. Die Vorfälle seien aber nicht mit dem Korruptionsskandal bei Siemens vergleichbar. "Nach jetzigem Kenntnisstand hat es keinesfalls die Dimensionen."

Der Korruptionsskandal bei Siemens hatte die deutsche Wirtschaft schwer erschüttert. Der Fall war im November 2006 ebenfalls mit einer Großrazzia der Staatsanwaltschaft München ins Rollen gekommen und hatte den Elektrokonzern in seine bisher schwerste Krise gestürzt. Bei Siemens ging es um ein System von Scheinfirmen und fingierten Provisionszahlungen, die zur Erlangung von Aufträgen im Ausland eingesetzt worden sein sollen.

suc/AFP/dpa-AFX

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