Korruptionsvorwurf: Indien storniert Hubschrauber-Bestellung bei EADS

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Dem europäischen Rüstungskonzern EADS entgeht ein Riesendeal: Die indische Regierung hat eine Bestellung von Helikoptern im Wert von 600 Millionen Dollar storniert. Neu-Delhi wirft dem Konzern "Unregelmäßigkeiten im Bieterverfahren" vor. EADS will sich dazu nicht äußern.

Hamburg/Neu-Delhi - Es geht um den Kauf von 197 Militärhubschraubern von EADS Chart zeigen. Mit der Stornierung reagiert die indische Regierung nach Informationen von SPIEGEL ONLINE aus dem Verteidigungsministerium in Neu-Delhi auf Korruptionsvorwürfe gegen die Firma.

Eurocopter-Hubschrauber: Bestellt und wieder storniert
Eurocopter

Eurocopter-Hubschrauber: Bestellt und wieder storniert

Grund für die Abbestellung sind demnach "Unregelmäßigkeiten im Bieterverfahren". Zudem habe die EADS-Hubschraubersparte Eurocopter die Ausschreibung ursprünglich im Februar 2007 nur "durch die verbotene Nutzung von Mittelsmännern" gewonnen. Ob EADS Geld gezahlt habe, um den Auftrag zu bekommen, wollte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums nicht kommentieren. Auf die Frage, ob das Ministerium EADS Korruption vorwerfe, hieß es, so könne man das vielleicht nennen, wolle es aber nicht tun.

Die EADS-Vertretung in Indien wollte die Entscheidung der indischen Regierung nicht kommentieren. Ein Eurocopter-Sprecher erklärte ebenfalls, sich zu den Vorwürfen nicht äußern zu wollen. Der Konzern habe aber alle französischen und europäischen Vorschriften im Bieterverfahren eingehalten, hieß es bereits vor Bekanntwerden der Stornierung, als erste Korruptionsvorwürfe laut wurden.

Für den Airbus-Mutterkonzern kommt die Abbestellung dennoch überraschend. Noch am Mittwoch hatte das Unternehmen die Hoffnung geäußert, dass das Geschäft bald abgeschlossen werde. Vorgesehen war, dass die indische Armee 37 Hubschrauber aus europäischer Produktion erhält und 160 Helikopter in Indien unter EADS-Führung gebaut werden.

Tatsächlich standen EADS und die indische Regierung kurz davor, den Deal zum Abschluss zu bringen. Dann wurde unter anderem bekannt, dass ein entscheidender hochrangiger indischer Offizier mit einem EADS-Vertreter in Indien verwandt sein soll. Zudem habe EADS der indischen Regierung zu Testzwecken lediglich eine zivile Version des Helikopters zur Verfügung gestellt - die Entscheidung für EADS sei daher auf einer "verfälschten Basis" und ohne Zustimmung des indischen Verteidigungsministers getroffen worden, hieß es.

Der Sprecher des Ministeriums in Neu-Delhi erklärte, der Auftrag im Wert von 600 Millionen Dollar für die Bestellung von Militärhubschraubern werde nun "bald" neu ausgeschrieben. Eine Entscheidung, welcher andere Hersteller die Hubschrauber liefern werde, solle in den kommenden zwei bis drei Monaten getroffen werden. Ursprünglich war der Auftrag 2001 ausgeschrieben worden. Berichten zufolge könne es aber bis zu einer Entscheidung für einen neuen Anbieter bis zu zwei Jahre dauern.

Hochrangige Offiziere äußerten in indischen Zeitungen die Hoffnung, dass die Bestellung nicht allzu lange verzögert werde, da die Armee dringend neue Hubschrauber benötige. Die neuen Einheiten sollen die alten Chetak- und Cheetah-Modelle ablösen.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
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1. Buchungsschwierigkeiten?
forumgehts? 07.12.2007
Zitat von sysopDem europäischen Rüstungskonzern EADS platzt ein Riesendeal weg: Die indische Regierung hat eine Bestellung von Helikoptern im Wert von 600 Millionen Dollar storniert. Neu-Delhi wirft dem Konzern "Unregelmäßigkeiten im Bieterverfahren" vor. http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,521925,00.html
Erst Nigeria, jetzt Indien..... schöne Bescherung, und das noch vor Weihnachten! Ehrlich währt eben am längsten, besonders wenn man ohne Bakschisch Aufträge sammeln will.
2. Ausgerechnet Indien?
Salomo 07.12.2007
Wieso regt sich gerade Indien über Korruptionsverdächtigungen auf? Das Land steh im "Corruption Perceptions Index 2007" (http://www.transparency.org/policy_research/surveys_indices/cpi/2007) von Transparency International gerade mal an 72. Stelle von 179 Staaten. Wer im Glashaus sitzt, soll nicht mit Steinen werfen.
3. Was Siemens und Nigeria betrifft, ...
Arny 07.12.2007
... halte ich ja Folgendes für plausibler: Die ganzen aufgedeckten Skandale haben Siemens so verschreckt, dass sie sich nicht mehr getraut haben, sich "angemessen" um die jetztigen nigerianischen Entscheidungsträger zu kümmern. Kein Wunder, dass die sauer sind... Ist schon besser so, wenns ohne Bestechung geht. Wenns nur klappt, dass auch die Konkurrenz drauf verzichtet - aber da bin ich Pessimist.
4. hmh, tja, hmh, hmh
disisit 07.12.2007
vielleicht hat mörkeli den indern das souffliert, um die europäische nimmdusi...äh industrie ein wenig zu ordentlichen sitten zu erziehen. angel-a gestaltet doch so gern. lieber arm und ohne gase, als reich mit schlechten säften in der blase !
5. Glaube ich nicht
M@ESW 07.12.2007
Zitat von forumgehts?Ehrlich währt eben am längsten, besonders wenn man ohne Bakschisch Aufträge sammeln will.
Oder die anderen wahren eben noch viel unehrlicher und sind dafür zum Dank jetzt die strahlenden Sieger.
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