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Kostenschock: Gas- und Stromkonzerne erhöhen Preise drastisch

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Den Deutschen droht ein teurer Winter: Viele Gasanbieter erhöhen jetzt ihre Preise - um bis zu 31 Prozent. Auch die Stromkonzerne langen kräftig zu. SPIEGEL ONLINE zeigt die Steigerungen in Ihrer Region und was Sie gegen den Kostenschock tun können.

Hamburg - Wer's mollig warm mag, dem droht der eiskalte Schock. Zumindest wenn er mit Gas heizt. Denn pünktlich zur Heizsaison ziehen die Preise noch einmal kräftig an. Zum 1. September haben dem unabhängigen Verbraucherportal verivox.de zufolge schon 153 Gasversorger ihre Preise erhöht. Zum 1. Oktober werden noch einmal über 220 Unternehmen nachziehen. Im Schnitt verlangen die Anbieter rund 16,2 Prozent beziehungsweise 221 Euro mehr für 20.000 kWh im Jahr.

Gaszähler in Düsseldorf: Die Preise schwanken regional sehr stark
DPA

Gaszähler in Düsseldorf: Die Preise schwanken regional sehr stark

Am kräftigsten langen der Übersicht zufolge die Vereinigten Stadtwerke in Schleswig-Holstein zu - sie erhöhen um 396 Euro auf 1690 Euro im Jahr. Eine Preissteigerung von 30,6 Prozent. Verivox berücksichtigt bei den Berechnungen die günstigsten Angebote lokaler Versorger, soweit sie im Internet veröffentlicht werden. Die Angaben gelten für einen Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 20.000 kWh bei einer Leistung von 15 kW.

Auch viele Stromrechnungen werden in Zukunft noch saftiger ausfallen als bisher, hat das Verbraucherportal berechnet. Immerhin 59 Anbieter erhöhen die Preise im September oder Oktober - im Schnitt um 6,1 Prozent beziehungsweise 51 Euro im Jahr. Die Stadtwerke Neumarkt in der Oberpfalz wollen Verivox zufolge ab dem 1. Oktober sogar mit 934 Euro im Jahr satte 201 Euro und damit 27,4 Prozent mehr für die Grundversorgung verlangen.

Erleichterung ist nicht in Sicht. Zwar ist der Gaspreis traditionell an den Ölpreis gekoppelt - der zuletzt rasant gefallen ist. "Aber Gas wird immer knapper und damit auch immer teurer, weil die Nachfrage steigt", sagt Thorsten Kasper, Energiefachmann beim Verbraucherzentrale Bundesverband, SPIEGEL ONLINE. Es sei deshalb kaum zu erwarten, dass Heizen und Kochen mit dem teuren Rohstoff eines Tages wieder spürbar günstiger wird.

Auch Verivox erwartet nicht, dass die Energiepreise in Deutschland in naher Zukunft spürbar zurückgehen. Im Gegenteil: Beim Strom sei wohl zum Jahreswechsel erneut mit einer Preisrunde zu rechnen, sagt Sprecherin Dagmar Ginzel.

Allerdings müssen die Kunden nicht tatenlos zusehen, wenn ihr lokaler Versorger die Preise anzieht. Ruhe bewahren und erst einmal Informationen einholen, lautet der Ratschlag der Experten. Oft reicht schon ein besorgter Anruf beim Anbieter: "Manchmal hat der Versorger noch günstigere Tarife, die er den Verbrauchern erst auf Nachfrage anbietet", sagt Ginzel.

Ist das nicht der Fall, sollte man sich nach alternativen Versorgern umsehen, rät Energiefachmann Kasper. Zwar tummeln sich auf dem Strommarkt wesentlich mehr Wettbewerber als auf dem Gasmarkt - doch auch hier gibt es Bewegung.

Grundsätzlich sollte man beim Wechsel des Energieanbieters einige Faustregeln berücksichtigen. "Man sollte darauf achten, dass im neuen Vertrag eine Preisgarantie für mindestens ein halbes Jahr steht", sagt Kasper. "Das ist bei vielen Anbietern möglich. Außerdem sollte man nicht per Vorkasse bezahlen und keine Kaution hinterlegen."

Bei Preiserhöhungen gibt es außerdem ein Sonderkündigungsrecht - dann gelten andere Fristen als bei der normalen Vertragskündigung. Zur Sicherheit sollten wechselwillige Kunden zudem den Verbraucherschutz vor Ort kontaktieren.

Anbieterwechsel - so funktioniert's
In wenigen Minuten zum Ziel
Der Wechsel des Stromanbieters ist sehr einfach. Für die Formalitäten braucht man nur wenige Minuten. Im Kern gilt das Gleiche auch für Gaskunden. Wechselwillige Kunden sollten Folgendes beachten.
Verbrauch ermitteln
Als Erstes sollte man seinen individuellen Jahresverbrauch ermitteln. Am einfachsten geht das über die letzte Rechnung. Wichtig: Es kommt nicht auf den Betrag in Euro an, sondern auf den Verbrauch in Kilowattstunden (kWh). Wer die letzte Rechnung nicht mehr findet, kann seinen jährlichen Strombedarf zur Not auch anhand des Verbrauchs der letzten Monate hochrechnen.
Die Suche nach dem passenden Anbieter
Nun beginnt die Suche nach dem günstigsten Anbieter. Eine wichtige Hilfestellung bieten dabei unabhängige Verbraucherportale wie www.toptarif.de, www.verivox.de, www.stromtarife.de, www.check24.de oder www.verbraucherzentrale.de. Auf diesen Seiten finden sich Tarifrechner, in die man nur zwei Werte eingeben muss: seine Postleitzahl und seinen jährlichen Stromverbrauch in Kilowattstunden. Der Tarifrechner bietet dann eine Übersicht sämtlicher Anbieter, die in dieser Region verfügbar sind.
Die Auswahl
Jetzt kommt der entscheidende Schritt - die Wahl des neuen Anbieters. Dabei sollte man Folgendes beachten: Der günstigste ist nicht automatisch der beste. So warnen Verbraucherschützer vor Unternehmen, die Vorkasse verlangen. Auch sollte man sich nicht zu lange an einen Anbieter binden - Vertragslaufzeiten von zwei Jahren also lieber meiden. Allen anderen Unternehmen darf man getrost Vertrauen entgegenbringen.
Ökoanbieter
Wer möchte, kann sich an dieser Stelle auch für einen Ökostromanbieter entscheiden. Diese Unternehmen garantieren grünen Strom aus erneuerbaren Energien, ohne Kohle und Kernkraft. Nach Angaben der Verbraucherschützer sind Ökostromprodukte in zwei Dritteln der Städte sogar billiger als die der ortsüblichen Grundversorger.
Die Formalitäten
Nun muss man mit dem neuen Anbieter nur noch Kontakt aufnehmen. Häufig ist das direkt über das Verbraucherportal möglich - entweder per Mausklick oder per Telefon. Der neue Anbieter klärt dann sämtliche Formalitäten. Eine Abmeldung beim alten Versorger ist nicht nötig, auch das übernimmt das neue Unternehmen automatisch. Nur eine Sache sollte man beachten: Die Vertragslaufzeit beim alten Anbieter muss eingehalten werden. Wer seit acht Monaten in einem Jahresvertrag ist, muss eben noch vier Monate warten.
Die Technik
Technisch ist der Anbieterwechsel überhaupt kein Problem. Das physikalische Produkt Strom bleibt in jedem Fall dasselbe, eine Unterbrechung der Versorgung ist ausgeschlossen. Dass man einen neuen Anbieter hat, merkt man nur daran, dass die Rechnung von einem anderen Unternehmen kommt als bisher. Übrigens: Selbst wenn der neue Anbieter pleitegehen sollte, bekommt man weiterhin Strom. In diesem Fall ist der örtliche Grundversorger gesetzlich verpflichtet einzuspringen.
Wie lange dauert der Anbieterwechsel?
Seit April 2012 können Strom- und Gaskunden schneller den Anbieter wechseln. Sobald die Anmeldung beim Netzbetreiber erfolgt ist, dürfen laut Energiewirtschaftsgesetz nur noch drei Wochen verstreichen, bis die Strom- oder Gaslieferung durch den neuen Anbieter beginnt. Starttermin muss nicht der Monatserste sein - jeder Tag ist möglich. Dauert die Umstellung länger als drei Wochen, kann der Kunde Schadenersatz vom Lieferanten oder Netzbetreiber fordern.
Ich habe eine Nachtspeicherheizung. Kann ich auch den Anbieter wechseln?
In den meisten Fällen leider nicht. "In vielen Regionen gibt es nur einen Anbieter, der die Betreiber von Nachtspeicherheizungen beliefert", sagt ein Verivox-Sprecher. Durch den mangelnden Wettbewerb kommt es öfter zu überdurchschnittlichen Preiserhöhungen. Im vergangenen Jahr sind beispielsweise in Baden-Württemberg die Preise um bis zu 30 Prozent gestiegen. Die Bundesregierung tut dagegen wenig, denn es ist politisch gewollt, dass stromfressende Nachtspeicherheizungen nach und nach ausrangiert werden.

Die Experten warnen jedoch davor, die Gasrechnung einfach nicht zu bezahlen - wie es ab und an empfohlen wird. "Wenn ich einen Vertrag abgeschlossen habe, habe ich die Preise auch grundsätzlich akzeptiert", sagt Kasper. Letztlich helfe sowieso nur eine Maßnahme gegen die hohen Energiekosten: Energie sparen.

Wird zum Beispiel eine Kühl-Gefrier-Kombination aus dem Jahr 1990 gegen ein modernes Gerät der Energieeffizienzklasse A+ oder A++ getauscht, kürzt das die Stromrechnung um bis zu 80 Euro im Jahr, rechnet die Deutsche Energie-Agentur in Berlin vor. Allerdings kosten solche Geräte meist 500 bis 1000 Euro. Im Wirtschaftsministerium wird deshalb gerade ein einmaliger Zuschuss über 150 Euro für den Kauf solcher Geräte debattiert.

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Forum - Steigende Energiepreise - droht ein eisiger Winter?
insgesamt 3543 Beiträge
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1.
schlob 27.07.2008
Zitat von sysopPolitiker schlagen Alarm: Wegen der exorbitant gestiegenen Energiepreise würden im Winter Schreckens-Szenarien drohen. Können es sich viele Deutschen nicht mehr leisten, ihre Wohung ausreichend zu heizen, müssen sie frieren? Können längere Laufzeiten bei AKWs helfen? Welche anderen Möglichkeiten zur Abschwächung der Folgen gibt es?
Die Grünen haben mit Biosprit 1 schon einige zigtausend an Hungertoten zu verantworten.-und schlagen sich jetzt in die Büsche.- - Nun kommen noch Kältetote dazu-und zahlreiche Tote,durch Erkältungen,die zum Tode führen.- Man darf gratulieren. Die Grünen Vollblutdilettanten hinterlassen ein Spur des Grauens.- Seit 1950 hat man etwas derartiges von Verantwortungslosigkeit nicht mehr gesehen,..
2. Hängt vom Wetter ab...
rkan 27.07.2008
Zitat von sysopPolitiker schlagen Alarm: Wegen der exorbitant gestiegenen Energiepreise würden im Winter Schreckens-Szenarien drohen. Können es sich viele Deutschen nicht mehr leisten, ihre Wohung ausreichend zu heizen, müssen sie frieren? Können längere Laufzeiten bei AKWs helfen? Welche anderen Möglichkeiten zur Abschwächung der Folgen gibt es?
Jedenfalls ist es nicht zumutbar, dass wieder einmal die immer weniger Normalverdiender mit noch höheren Preisen Sozialtarife subvebtionieren.
3.
JJCoolman, 27.07.2008
Zitat von sysopPolitiker schlagen Alarm: Wegen der exorbitant gestiegenen Energiepreise würden im Winter Schreckens-Szenarien drohen. Können es sich viele Deutschen nicht mehr leisten, ihre Wohung ausreichend zu heizen, müssen sie frieren? Können längere Laufzeiten bei AKWs helfen? Welche anderen Möglichkeiten zur Abschwächung der Folgen gibt es?
Völlig falscher Ansatz. Einfach ordentlich Holz und Kohle verfeuern, dann klappt das auch mit dem Klimawandel, ergo: Die Winter werden wärmer und man braucht nicht mehr soviel zu heizen. So einfach ist das. Oder doch nicht...?
4.
Einbauschrank, 27.07.2008
Zitat von sysopPolitiker schlagen Alarm: Wegen der exorbitant gestiegenen Energiepreise würden im Winter Schreckens-Szenarien drohen. Können es sich viele Deutschen nicht mehr leisten, ihre Wohung ausreichend zu heizen, müssen sie frieren? Können längere Laufzeiten bei AKWs helfen? Welche anderen Möglichkeiten zur Abschwächung der Folgen gibt es?
Pullover und lange Unterhosen anziehen. Ich habe im letzten Jahr an vielleicht zwei Wochen die Heizung eingeschaltet. Dafür habe ich mich über eine saftige Rückzahlung gefreut.
5.
GenBurk 27.07.2008
Ich glaube kaum, dass in Deutschland irgendjemand frieren muss, gar von Kältetoten zu sprechen ist übertrieben und purer Populismus. Ob eine Verlängerung der AKW Laufzeiten Sinn macht kann so spontan niemand sagen, dafür gibt es Experten. Bloß man sollte nicht in blindem Aktionismus eine längere Laufzeit ausschließen.
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