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Neue Beitragssätze: Krankenkasse wechseln - und kräftig sparen

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Patienten können seit Jahresbeginn mit der Wahl der Krankenkasse richtig Geld sparen - mehrere Hundert Euro sind für einige drin. Doch nicht für jeden lohnt sich ein Wechsel.

Gesundheitskarte (Symbolbild): Einige Kassen kriegen das mit der Info sogar hin Zur Großansicht
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Gesundheitskarte (Symbolbild): Einige Kassen kriegen das mit der Info sogar hin

Drei Seiten lang und bunt ist das Schreiben der Barmer Ersatzkasse. Darin informiert sie ihre Mitglieder über den neuen Wettbewerb unter den Krankenkassen - und über die eigene Position in dem neu entstandenen Markt. Das heißt, eigentlich informiert die Barmer nicht, sie schwadroniert.

Auf der ersten Seite finde ich gar keinen Hinweis auf die neue Beitragskonkurrenz - und auch auf der zweiten Seite mit der fetten Überschrift "Weil wir auch morgen unser Bestes geben", fehlt der deutliche Hinweis darauf, dass die Beiträge verschiedener Kassen sich unterscheiden, dass Mitglieder also sparen könnten. Stattdessen ist wolkig von einer "neuen Beitragssatzregelung" die Rede.

Dabei ist die Regelung nur Anlass, kann aber nicht Kerninhalt der Post sein: Seit dem 1. Januar können Kassenkunden mit der Wahl des Dienstleisters wieder richtig Geld sparen. Clevere Kassenpatienten müssen bis zu 445 Euro im Jahr weniger zahlen, wenn sie ordentlich verdienen und in den Bundesländern Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen oder Hamburg leben oder arbeiten. Wer weniger verdient, spart auch weniger - aber hundert Euro ist für die meisten drin, selbst wenn sie mäßig verdienen und in keinem der Bundesländer leben, wo es Kassen gibt, die ganz auf den Zusatzbeitrag verzichten.

Beitrag sparen, Leistung vergleichen oder bleiben

Beitrag sparen, Leistung vergleichen oder einfach bei der eigenen Kasse bleiben. Darüber sollten Barmer und Co. informieren. Eigentlich könnte man das auch genauso tun. Etwa mit den Sätzen:

"Lieber Kassenkunde, 2015 müssen Krankenkassen für ihre Gesundheitsleistungen nur noch einen Beitrag von 14,6 Prozent von Ihrem Bruttoeinkommen erheben. Das ist deutlich weniger als 2014. Genau wie die meisten anderen Kassen kämen wir mit diesem Beitrag allein aber nicht aus, um Ihnen die gewohnten guten Leistungen zu bieten. Unser Verwaltungsrat hat deshalb beschlossen, künftig 15,x Prozent Beitrag von Ihnen zu erheben. Das ist weniger, als wir 2014 verlangten, reicht aber aus, um die Leistungen auf dem gewohnt hohen Niveau zu halten. Ihnen steht wegen dieser Beitragsanpassung ein Sonderkündigungsrecht bis Ende Januar zu. Wir bitten Sie natürlich, zu bleiben!"

Ein paar Krankenkassen kriegen das sogar hin: Die DAK beispielsweise macht das ganz ordentlich.

Ein kurzer Blick auf die Situation der Kassenkunden zeigt einfache Alternativen. Wenn Sie in den vergangenen Jahren im Alltag mit Ihrer Kasse nichts zu tun hatten und gern sparen wollen, können Sie die preiswerteste Krankenkasse in Ihrem Bundesland wählen. In allen Bundesländern können Sie sich für 15 Prozent statt bislang 15,5 Prozent vom Bruttoeinkommen versichern. Bundesweit gibt es dieses Angebot zum Beispiel von der Handelskrankenkasse aus Bremen.

In einigen Bundesländern geht es noch preiswerter, im Ländle bei der Metzinger BKK für 14,6 Prozent. In NRW und Hamburg bei der BKK Euregio aus dem rheinischen Braunkohlerevier auch für 14,6 Prozent. Und zum Beispiel in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen bei den dortigen AOK-Gesellschaften für 14,9 Prozent.

Manchmal muss man dabei gewisse Leistungseinschränkungen in Kauf nehmen. Die Metzinger BKK hat zum Beispiel keine medizinische Hotline sieben Tage die Woche, wie das bei großen Kassen üblich ist. Betriebskrankenkassen haben oft auch nur wenige Geschäftsstellen und nicht Hunderte wie die Barmer oder die TK. Der persönliche Termin bei der Krankenkasse wird damit erschwert.

In manchen Fällen zählt mehr als nur der Preis

Wenn die Geschäftsstelle am Ort, die Impfleistungen für Auslandsreisen oder die Finanzierung von Osteopathie-Leistungen wichtig sind, kann man nicht allein nach dem Preis gehen. Hat man die gewünschte Leistung derzeit bei der eigenen Kasse, gibt es wenig Anlass zum Wechsel. Und wünscht man sich solche Mehrleistungen, muss man sich nicht durch unzählige Websites der Anbieter wühlen. Denn es gibt Vergleichsportale im Internet, die diese Informationen bündeln. Finanztip hat sie getestet und die besten für Sie ausgesucht.

Wer sparen will, muss Abstriche machen: Die HKK zahlt im Gegensatz zu vielen anderen Kassen nicht die Grippeschutzimpfung, hat aber trotzdem ein ganz ordentliches Leistungsangebot.

Wer sich mit einem schwerwiegenderen medizinischen Problem von der eigenen Kasse gut betreut fühlt, hat sicher den geringsten Anlass zum Wechsel. Das ist wie bei jedem anderen Dienstleister: Hat man einmal jemanden gefunden, der die eigenen Probleme verstehen und lösen hilft, bleibt man dabei. Das ist die Mehrkosten wert.

Schon einmal, Anfang des Jahrtausends, konkurrierten die Kassen vor allem über den Preis. Damals waren die Preisdifferenzen deutlich größer. Günstige Kassen verlangten nur elf Prozent vom Bruttolohn ihrer Mitglieder, teure fast 15 Prozent. Das schaffte der Gesetzgeber 2007 ab und setzte damals vor allem auf Konkurrenz bei den Leistungen. Acht Jahre hatten die Kassen Zeit, mit mehr Leistungen und besserem Service Kunden für sich einzunehmen. Jetzt wird wieder häufiger das Portemonnaie entscheiden. Irgendwie verständlich, dass die Barmer Angst davor hat.

Zum Autor
  • Finanztip
    Hermann-Josef Tenhagen (Jahrgang 1963) ist Chefredakteur von "Finanztip". Das Onlineportal ist gemeinnützig. "Finanztip" refinanziert sich über sogenannte Affiliate-Links. Mehr dazu hier.

    Tenhagen hat zuvor als Chefredakteur 15 Jahre lang die Zeitschrift "Finanztest" geführt. Nach seinem Studium der Politik und Volkswirtschaft begann er seine journalistische Karriere bei der "Tageszeitung". Dort ist er heute ehrenamtlicher Aufsichtsrat der Genossenschaft. Bei SPIEGEL ONLINE schreibt Tenhagen wöchentlich über den richtigen Umgang mit dem eigenen Geld.

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insgesamt 62 Beiträge
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1. ... bezahlen nicht die Grippeschutzimpfung...
eddi snowman 10.01.2015
Das muss man sich in der tat genau anschauen. Die Wirksamkeit der Impfung ist stark umstritten, oder anders gesagt wissenschaftlich nicht bewiesen. Wie so einiges was big-pharma gegen auskömmlich Bezahlung anbietet. Aber auch Placebos haben ja bekanntlich Wirkung...
2. heisst das
IntelliGenz 10.01.2015
ich darf jetzt jederzeit meine Krankenkasse wechseln ? Von der privaten KV zur gesetzlichen (der umgekehrte Weg war schon immer moeglich!) Ist mir hier etwas entgangen ???? Der SPON wird ja immer schlechter . . noch bin ich Abonnent, aber das wird noch
3.
gästeblock 10.01.2015
Bin bei der besagten HKK versichert und erhielt eine Erstattung für die Impfung. Zumindest für einen Teil der Versicherten ist das Leistung. In den letzten Jahren erhielt ich dort auch jährlich eine Prämie per Scheck zugeschickt. Vorher bei der DAK war es das Gegenteil. Da musste ich sogar Zusatzbeiträge löhnen.
4.
Zaunsfeld 10.01.2015
Zitat von IntelliGenzich darf jetzt jederzeit meine Krankenkasse wechseln ? Von der privaten KV zur gesetzlichen (der umgekehrte Weg war schon immer moeglich!) Ist mir hier etwas entgangen ???? Der SPON wird ja immer schlechter . . noch bin ich Abonnent, aber das wird noch
Nö. Wo lesen Sie das? Hier geht es nur um die Gesetzlichen. Die Privaten haben damit nichts zu tun. Oder zahlen Sie bei Ihrer Privaten etwa den Beitrag abhängig vom Einkommen?
5. @IntelliGenz
beckery 10.01.2015
erstaunlich, wie oft man hier den drohenden hinweis auf's abo lesen kann- auch wenn man "spon" gar nicht abonnieren kann:-)
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Chronologie der Gesundheitsreformen
1977: Die Kürzungen beginnen
Es dauert fast drei Jahrzehnte, bis es in der Bundesrepublik zur ersten größeren Gesundheitsreform kommt: Mit dem "Kostendämpfungsgesetz" der sozial-liberalen Koalition versucht die Regierung, die Inanspruchnahme von Leistungen zu steuern: Sie führt Zuzahlungen bei Arznei-, Verbands- und Heilmitteln ein - in Höhe des aus heutiger Sicht niedlichen Betrags von einer Mark pro Medikament.
1983: Auch die Rentner müssen zahlen
Mit zwei Reformen zu Beginn der achtziger Jahre werden die Zuzahlungen durch die Versicherten erhöht. Auch für die Rentner sind die rosigen Zeiten vorbei. Konnten sie sich zuvor kostenlos versichern, müssen sie seit 1983 auch einen einkommensabhängigen Beitrag leisten.
1989: Der erste Rundumschlag
Mit dem "Gesundheitsreformgesetz" von Norbert Blüm geht es ans Eingemachte: Die Eigenbeteiligung der Patienten wird weiter erhöht - etwa bei Arzneimitteln, im Krankenhaus und beim Zahnersatz. Erstmals unternimmt die Regierung auch den Versuch, die Kosten für Medikamente mit radikalen Maßnahmen in den Griff zu bekommen, indem sie Bagatallmedikamente aus dem Leistungskatalog streicht und Festbeträge für Arzneimittel einführt. Seither zahlen die Kassen nicht mehr automatisch jeden Preis für Tabletten und Co., sondern nur noch einen Höchstbetrag. Verschreibt der Arzt ein teureres Mittel, muss der Patient die Differenz zahlen. Trotz dieses Rundumschlags an Kosteneinsparungen sind die Beiträge jedoch nur für kurze Zeit stabil.
1993: Die Leistungen werden budgetiert
Gesundheitsminister Horst Seehofer verfolgt mit dem "Gesundheitsstrukturgesetz" 1993 erneut das Ziel, die Beiträge der gesetzlichen Krankenkassen in den Griff zu bekommen. Um den Anstieg der Leistungsausgaben besser zu kontrollieren, werden sie für einen begrenzten Zeitraum budgetiert. Gleichzeitig erhöht die Regierung erneut die Selbstbeteiligung bei Arznei- und Verbandsmitteln. Das Projekt einer Positivliste, die alle erstattungsfähigen Medikamente benennt, scheitert allerdings. Auch deshalb wird das Reformziel stabiler Beiträge erneut nur für wenige Jahre erreicht.
1997: Zahnersatz bitte selbst zahlen
Die "GKV-Neuordnungsgesetze" stehen ebenfalls in der Tradition ihrer Vorgängerinnen: Patienten müssen sich an den Kosten für Arznei- und Heilmittel, Krankenhaushaufenthalte und Fahrten etwa vom Krankenhaus noch stärker beteiligen. Jüngere Jahrgänge bekommen außerdem geringere Kassenzuschüsse beim Zahnersatz.
1999: Rot-Grün wagt den Leistungsausbau
Mit dem "Solidaritätsstärkungsgesetz" bringt erstmals seit rund zwei Jahrzehnten eine Gesundheitsreform wieder ein Mehr an Leistungen. So werden unter anderem die Zuzahlungen für die Patienten gesenkt. Gleichzeitig führt die rot-grüne Koalition aber zur Begrenzung des Ausgabenwachstums erneut Budgets für Arzthonorare, Krankenhäuser und Arzneimittel ein.
2004: SPD und Union bitten zur Kasse
Nachdem die rot-grüne Regierung in den Folgejahren ebenfalls zum Leistungsabbau umgeschwenkt ist, wagt sie in Kooperation mit dem unionsdominierten Bundesrat ähnlich wie 1989 einen Kostendämpfungsrundumschlag: Das "Gesetz zur Modernisierung der gesetzlichen Krankenversicherung" sieht unter anderem vor, dass Patienten eine Praxisgebühr von zehn Euro pro Quartal zahlen müssen, verschreibungsfreie Medikamente gar nicht mehr erstattet werden und die Selbstbeteiligung bei erstattungsfähigen Arznei- und Heilmitteln zehn Prozent der Kosten (maximal zehn Euro) beträgt.
2005: Paritätische Finanzierung am Ende
Aus für ein Prinzip, das seit 1883 in Deutschland bestand: Wurden die Beitäge zur Krankenversicherung zuvor paritätisch finanziert, also jeweils zur Hälfte durch den Arbeitgeber und den Arbeitnehmer, müssen die Versicherten nun einen Sonderbeitrag in Höhe von 0,9 Prozent zahlen.
2009: Der Gesundheitsfonds kommt
Zum Jahresbeginn 2009 ändert sich die Finanzierung der Krankenkassen grundlegend: Konnten die Versicherungen bislang ihren Beitragssatz weitgehend selbst festlegen, wird dieser künftig einheitlich von der Regierung bestimmt. Die Beiträge der Arbeitgeber und Arbeitnehmer mitsamt Steuerzuschuss fließen nun in den Gesundheitsfonds. Die Krankenkassen erhalten dann Pauschalen pro Versichertem von dieser gigantischen Geldsammelstelle. Weitere Änderung: Jeder Bürger muss eine Krankenversicherung abschließen.
2009: Das Krankenhausfinanzierungsgesetz wird umgestellt
Die Finanzierung der Länder für Investitionen, die mit dem Krankenhausfinanzierungsgesetz 1972 eingeführt worden ist, wird auf leistungsbezogene Investitionspauschalen umgestellt. Dazu wird ein Orientierungswert eingeführt und die Anbindung an die Grundlohnsumme abgelöst. Der Orientierungswert berücksichtigt die Kostenstrukturen der Krankenhäuser.
2011: Neue Medikamente werden grundlegend geprüft (AMNOG)
Die Preisgestaltung für neu auf den Markt kommende Medikamente ändert sich mit dem Arzneimittelneurordnungsgesetz (AMNOG) grundlegend. Ein Pharmahersteller kann die Preise für patentgeschützte Medikamente zwar zunächst wie bisher frei festsetzen. Spätestens drei Monate danach muss er allerdings den medizinischen Zusatznutzen seines Medikamentes im Vergleich zu bereits auf dem Markt befindlichen Mitteln nachweisen. Ergibt sich kein Zusatznutzen, unterliegt das Medikament der Festbetragsregelung, bei einem nachgewiesenen Zusatznutzen muss der Pharmahersteller spätestens innerhalb eines Jahres nach Markteinführung mit dem GKV-Spitzenverband Preisverhandlungen führen. Grundlage für die Preisverhandlung ist eine Kosten-Nutzen-Bewertung des Medikamentes, die der Gemeinsame Bundesausschuss (GBA) oder in seinem Auftrag das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) erstellt.
2011: Der Beitragssatz steigt - das GKV-Finanzierungsgesetz
Diese Reform spüren vor allem die Versicherten: Der Beitragssatz in der gesetzlichen Krankenversicherung steigt um 0,6 Prozentpunkte auf 15,5 Prozent des Bruttoeinkommens. Davon zahlen die GKV-Mitglieder 8,2 Prozentpunkte, die Arbeitgeber 7,3 Prozent. Der Arbeitgeberbeitrag wird bei diesem Beitrag eingefroren. Künftige Ausgabensteigerungen sollen über Zusatzbeiträge finanziert werden, die die GKV-Mitglieder allein zu tragen haben. Kann eine Kasse ihre Kosten nicht mit den Zuweisungen aus dem Gesundheitsfonds decken, muss sie - wie bisher - einen Zusatzbeitrag erheben. Die Höhe des Zusatzbeitrages ist künftig nicht mehr limitiert.
2012: Das GKV-Versorgungsstrukturgesetz
Dieses Gesetz stellt dem Gemeinsamen Bundesausschuss der Krankenkassen und Ärzte weitere Aufgaben: Neue Behandlungsmethoden sollen auf ihren Nutzen hin überprüft werden, ohne sie in dieser Zeit der Patientenversorgung vorzuenthalten. Der GBA kann künftig neue nichtmedikamentöse Untersuchungs- und Behandlungsmethoden zeitlich begrenzt und unter kontrollierten Bedingungen erproben, um über eine eventuelle Aufnahme in den Leistungskatalog entscheiden zu können. Ebenfalls im Paket enthalten: Fachärzte werden verpflichtet, gesetzlich Versicherten angemessen und zeitnah Behandlungstermine anzubieten. Seit dem GKV-VStG können Versicherte auf Antrag von ihrer Krankenkasse eine Kostenaufstellung der in Anspruch genommenen ärztlichen und verordneten Leistungen in einem Zeitraum von mindestens 18 Monaten vor Antragstellung erhalten.


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