Kreditdebakel OECD erwartet Konjunkturcrash in USA

Rasant sinkende Rohstoffpreise bedeuten Alarmstufe rot: ein sicheres Zeichen, dass es mit der Wirtschaft tatsächlich bergab geht. Jetzt ist es soweit. Der Ölpreis fällt, der Goldpreis auch. Zu allem Unglück prophezeite die OECD den USA auch noch zwei Quartale mit Nullwachstum - die Börsen legten trotzdem zu.


Frankfurt am Main - Bei Öl und Gold schien es in den vergangenen Wochen nur bergauf zu gehen - allen Börsenbeben und Anzeichen für einen weltweiten Wirtschaftsabschwung zum Trotz. Doch das scheint vorbei zu sein. Das Fass US-Leichtöl WTI verbilligte sich am Freitag in der Spitze um fast drei Prozent auf 99,59 Dollar, zuletzt lag er um 101 Dollar. Auch der Goldpreis geriet spürbar unter Druck. Die Feinunze (33,1 Gramm) verbilligte sich bis zum Mittag um satte vier Prozent auf 905,65 Dollar.

Sinkende Rohstoffpreise sind immer das sicherste Zeichen dafür, dass es mit der Wirtschaft nun tatsächlich bergab geht - kein gutes Omen für die USA.

Händler an der Chicago Mercantile Exchange in Chicago: Die Finanzkrise hatte die Börsen die ganze Woche über fest im Griff
REUTERS

Händler an der Chicago Mercantile Exchange in Chicago: Die Finanzkrise hatte die Börsen die ganze Woche über fest im Griff

Der Grund für die schlechte Stimmung am Rohstoffmarkt sind Experten zufolge die jüngsten Prognosen der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). "Das Wirtschaftswachstum der USA wird in den ersten beiden Quartalen sehr schwach sein", sagte OECD-Chefökonom Jorgen Elmeskov. Im ersten Vierteljahr ist den Berechnungen zufolge nur noch mit 0,1 Prozent Wachstum zu rechnen, im zweiten Quartal werde die Konjunktur dann total stagnieren. Das milliardenschwere Steuerprogramm, das Präsident George W. Bush aufgelegt hat, werde an der Situation kaum etwas ändern, sagte Elmeskov.

Immerhin: Für deutsche Politiker mag der OECD-Bericht auf den ersten Blick tröstend sein. Die Konjunkturprognose für das erste Quartal der Bundesrepublik erhöhten die Ökonomen nämlich leicht um 0,2 Punkte auf 0,6 Prozent. Für das zweite Quartal rechnet die OECD mit einem Wachstum von 0,4 Prozent. Damit hat Bundesfinanzminister Peer Steinbrück nun von führenden internationalen Ökonomen schriftlich, was er seit Tagen stoisch wiederholt: dass die Krise die deutsche Wirtschaft bisher noch nicht trifft.

Auf den zweiten Blick stellt sich die Lage freilich etwas anders dar: Zwar sagte der OECD-Deutschlandexperte Felix Hüfner der Nachrichtenagentur dpa: "Man muss klar sagen, dass das erste Quartal soweit wohl besser läuft als gedacht." Die Aufwärtsrevidierung sei Folge der guten Zahlen für Deutschland, etwa in der Industrieproduktion, am Bau oder beim Ifo-Geschäftsklima-Index. "Die Auftragslage ist stabil, der Export läuft gut." Doch Hüfner fügt auch hinzu: Es ist nur eine Frage der Zeit, bis auch Deutschland die Folgen der internationalen Börsenbeben zu spüren bekommt.

Ackermann wiegelt ab

Angesichts solch ernüchternder Erkenntnisse dürfte die Diskussion um ein stärkeres Eingreifen der Politik in die Krise auch in der kommenden Woche weitergehen. Auch wenn Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann seine Äußerungen zum Versagen des Marktes - die die Debatte vor einigen Tagen auslösten - teilweise zurücknahm. Es gehe ihm nicht "um den Ruf nach dem Staat und die Rettung von Investoren", sagte er. Gewerkschafter, Ökonomen und Politiker hatten Ackermann vorgeworfen, er versuche Verluste auf die Allgemeinheit abzuwälzen.

Inzwischen haben aber auch führende britische Banker nach dem Staat gerufen. Wie der Sender BBC berichtete, wollten Chefs mehrerer Großbanken ihre Position bei einem Treffen mit dem Gouverneur der Bank of England, Mervyn King, deutlich machen. Dabei geht es dem Vernehmen nach neben Möglichkeiten zur stärkeren Absicherung von Krediten auch um Maßnahmen gegen die Verbreitung geschäftsschädigender Gerüchte im Finanzsektor. Das Treffen wurde vereinbart, nachdem die staatliche britische Finanzaufsichtsbehörde FSA am Mittwoch eine Untersuchung wegen der Verbreitung von falschen Angaben über angebliche Liquiditätsprobleme bei Großbritanniens größter Hypothekenbank HBOS eingeleitet hatte. Die Aktien von HBOS waren durch die Gerüchte am Londoner Finanzhandelsplatz um bis zu 17 Prozent gefallen, ehe sie sich wieder leicht erholten.

Die Finanzkrise hielt die Börsen sowieso in der gesamten Woche fest im Griff. Am Montag erschütterte der Notverkauf der Investmentbank Bear Stearns Chart zeigen die Aktienmärkte. Die US-Notenbank überschwemmte die Märkte daraufhin geradezu mit Geld und senkte am Dienstag den Leitzins um 75 Basispunkte. Danach ging es trotzdem weiter auf und ab.

An diesem Freitag legten die US-Börsen wegen der geringeren Inflationsgefahr und auch der gesunkenen Ölpreise deutlich zu: Der Dow Jones Chart zeigen und der Nasdaq Composite Chart zeigen schlossen 2,2 Prozent im Plus, der breiter gefasste S&P-500-Index Chart zeigen 2,4 Prozent.

Angesichts der turbulenten Woche sind die Verluste, mit denen der Dax Chart zeigen schließlich an diesem Freitag schloss, sogar noch moderat: Der deutsche Leitindex verabschiedete sich mit einem Minus von 0,65 Prozent bei 6319,99 Zähler in die Osterfeiertage. Im Wochenvergleich fiel er damit um rund zwei Prozent oder 130 Punkte. Für den MDax Chart zeigen ging es am Donnerstag um 0,99 Prozent auf 8223,53 Zähler nach unten. Der TecDax Chart zeigen verlor 0,35 Prozent auf 701,80 Zähler.

ase/dpa/dpa-AFX/Reuters

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