Kreditkrise Commerzbank-Gewinn bricht um 54 Prozent ein

Neue Turbulenzen durch die Finanzmarktkrise: Die Commerzbank meldet einen drastischen Gewinneinbruch und korrigiert ihre Jahresprognose nach unten. Dennoch rechnet das Unternehmen mit einem Ende der Talfahrt - ganz wie Deutsche-Bank-Chef Ackermann.


Frankfurt am Main - Die Commerzbank Chart zeigen rückt in Folge der Finanzmarktkrise von ihren Ergebnisprognosen für 2008 ab. "Es dürfte aus heutiger Sicht sehr schwer werden, das gute Ergebnis des Vorjahres wieder zu erreichen", sagte Commerzbank-Chef Klaus-Peter Müller am Mittwoch. Ursprünglich hatte die Bank ein Jahresergebnis auf dem Niveau von 2007 in Aussicht gestellt - doch danach sieht es jetzt gar nicht mehr aus: In den ersten drei Monaten ging der Nettogewinn der Commerzbank wegen der Krise an den weltweiten Finanzmärkten um 54 Prozent auf 280 Millionen Euro zurück.

Commerzbank-Chef Müller: Gewinneinbruch um 54 Prozent
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Commerzbank-Chef Müller: Gewinneinbruch um 54 Prozent

Analysten hatten mit einem deutlich geringeren Rückgang auf 327 Millionen Euro gerechnet. Insgesamt schlugen im ersten Quartal weitere Wertberichtigungen von 244 Millionen Euro zu Buche.

Auch der Rückgang des Gewinns vor Steuern von 908 Millionen auf 410 Millionen Euro fiel sehr deutlich aus, allerdings schnitt die Bank hier etwas besser ab als von Analysten erwartet.

Müller zeigte sich gleichwohl zuversichtlich, dass die schlimmsten Turbulenzen an den Finanzmärkten bald vorbei sein könnten. Das Ende der Krise sei zwar noch nicht absehbar, dennoch spreche einiges dafür, dass sich die Talfahrt nicht fortsetze und die Märkte zu einer "Bodenbildung" fänden.

Ähnlich äußerte sich auch Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann. Er sagte fast ein Jahr nach Ausbruch der Finanzmarktkrise: "Wenn keine weiteren Schocks auftreten, glaube ich, dass wir das Schlimmste jetzt gemeinsam bewältigen können." Es gebe "einige Hoffnungsschimmer einer Wiederbelebung mindestens in einigen Marktsegmenten", sagte er am Dienstagabend bei einem Empfang der Amerikanischen Handelskammer in Deutschland in Frankfurt. "Was wir jetzt brauchen, ist eine Phase der Stabilisierung, der Ruhe. Dann bin ich überzeugt, dass wir eher am Beginn des Endes sind."

Ackermann sagte, er sei zuversichtlich, dass der US-Immobilienmarkt, von dem die Krise ausgegangen war, im Laufe dieses Jahres wieder in ruhigeres Fahrwasser komme. Die gesunkenen Häuserpreise sollten gegen Ende 2008 wieder anziehen. "Wir erwarten auch keine Rezession in den USA, sondern eine Verlangsamung des Wachstums auf etwa 1,5 Prozent", sagte er.

Gleichwohl warnte der Deutsche-Bank-Chef, die Märkte seien trotz erster Hoffnungsschimmer weiter fragil. Schockmeldungen wie ein Zusammenbruch eines großen Hedgefonds oder ein überraschend starker Einbruch der Realwirtschaft könnten die Krise wieder mit voller Kraft aufleben lassen.

Ackermann räumte ein: "Die Hoffnung, dass sich die Lage nach Vorlage der Jahresabschlüsse 2007 stabilisiert, hat sich bislang nicht erfüllt." Zudem gäben sich die Banken gegenseitig weiterhin "etwas zögerlich Geld", weil sie zunächst Milliardenbelastungen aus der Krise schultern müssen. Bislang seien im Bankensektor weltweit 160 Milliarden Euro Verluste infolge der Krise am Markt für zweitklassige US-Hypothekenkredite (Subprime) gemeldet worden.

Die Deutsche Bank Chart zeigen sei dabei im Vergleich zu vielen Wettbewerbern mit Abschreibungen von fünf Milliarden Euro noch glimpflich davon gekommen. Deutschlands größtes Geldhaus brauche daher anders als andere Banken etwa in der Schweiz oder den USA auch keine Kapitalerhöhung.

kaz/Reuters/dpa-AFX/ddp

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