Kreditkrise Steinbrück rechnet mit Bankmanagern ab

Hochnäsigkeit, Arroganz und mangelnde Kompetenz: Mit einem verbalen Frontalangriff hat Finanzminister Steinbrück seiner Wut auf Bankmanager Luft gemacht. Deren Handeln sei ein "Desaster".


Berlin - "Es gibt Bankenvorstände, die der Komplexität dessen, was sie tun, nicht gewachsen sind", sagte Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) der "Financial Times Deutschland" (FTD). Konkret bezog er sich damit auf die Manager der Mittelstandsbank IKB und der SachsenLB, deren Institute in Verbindung mit zweitklassigen US-Hypotheken in massive Probleme geraten waren. Ihnen fehlte dem Minister zufolge die ausreichende Expertise für derartige Geschäfte.

Finanzminister Steinbrück: "Hochnäsigkeit der Manager endete im Desaster"
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Finanzminister Steinbrück: "Hochnäsigkeit der Manager endete im Desaster"

"Es ist bemerkenswert, wie viel Zeit einige Bankmanagements brauchen, um die Risiken richtig bewerten", sagte Steinbrück weiter. Zudem warf er führenden Bankenvertretern Arroganz vor. "Die Hochnäsigkeit der Manager, die wir mitunter gesehen haben - nach dem Motto: Wir sind cleverer als die anderen - endete in einem Desaster."

Im Falle der Mittelstandsbank IKB, für die am Vortag von der Branche das zweite Hilfspaket innerhalb weniger Monate geschnürt werden musste, hält der Minister deshalb auch die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen für angebracht. Aus seiner Sicht jedenfalls gebe es "gute Gründe" für ein derartiges Vorgehen. Steinbrück muss sich heute erneut mit der Krise um die IKB beschäftigen. Er führt den Verwaltungsrat von deren Großaktionärin KfW, der zu einer Sondersitzung in Berlin zusammentritt.

Nach zähen Verhandlungen hatten sich gestern die Staatsbank KfW - Hauptaktionärin der IKB -, Sparkassen, Genossenschaftsbanken und private Institute auf ein neues Rettungspaket für die Mittelstandsbank geeinigt. Demnach soll die IKB Chart zeigen eine zweite Kapitalzusage von 350 Millionen Euro erhalten. Im Sommer hatte der Bankenpool bereits ein erstes Stützungspaket im Umfang von 3,5 Milliarden Euro vereinbart.

"Transparenz der Finanzmärkte notwendig"

Gegen weitere Zusagen hatte sich das Kreditgewerbe lange gewehrt. Finanzaufsicht, KfW und Bundesregierung drangen aber auf eine erneute Beteiligung der Institute. Mit der Stützung wollen die Banken verhindern, dass eine Pleite die Rückzahlung von Krediten an die IKB in Gefahr bringt. In der Diskussion sei auch gewesen, die IKB zu schließen. Dies sei aber auf den Widerstand insbesondere der Finanzaufsicht BaFin und der Bundesregierung gestoßen, die schwere Probleme für den gesamten deutschen Finanzsektor befürchteten.

Die jüngste Finanzkrise betrachtet Steinbrück auch als Beleg dafür, dass an den Märkten eine größere Transparenz "notwendig und richtig" ist. Zu einer solchen Transparenz zähle für ihn, dass der Bankkunde im Sinne des Verbraucherschutzes erst einmal gefragt werden müsse, bevor seine Kredite an andere Gläubiger weitergegeben würden. Auf nationaler Ebene solle die Zusammenarbeit der Bundesbank und BaFin in der Bankenaufsicht verbessert werden. An entsprechenden Regeln werde derzeit gearbeitet. "Aber das kommt nicht mehr vor Weihnachten", dämpfte Steinbrück Erwartungen auf schnelle Lösungen.

sam/Reuters/dpa-AFX

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