Krise in Griechenland Athen rechnet mit drastischem Wirtschaftseinbruch

Die Wirtschaftsaussichten für Griechenland sind offenbar noch schlimmer als bislang angenommen: Laut Finanzminister Venizelos wird das Bruttoinlandsprodukt trotz der Reformbemühungen um mehr als fünf Prozent sinken. Die Rezession übertreffe alle Vorhersagen.

Akropolis in Athen: "Die Rezession übertrifft alle Vorhersagen"
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Akropolis in Athen: "Die Rezession übertrifft alle Vorhersagen"


Hamburg - Die deutschen Milliardenhilfen für Griechenland und andere taumelnde Euro-Länder sind rechtens - das hat das Bundesverfassungsgericht entschieden. Doch ob die Hilfen Griechenland überhaupt retten können, scheint unklarer denn je. Immer wieder muss Athen Rückschläge im Kampf gegen den Staatsbankrott melden. Wie jetzt bekannt geworden ist, fürchtet die griechische Regierung sogar einen noch heftigeren Wirtschaftseinbruch als bislang angenommen.

Das griechische Bruttoinlandsprodukt (BIP) wird nach den Worten von Finanzminister Evangelos Venizelos in diesem Jahr um mehr als fünf Prozent sinken. "Die Rezession übertrifft alle Vorhersagen, auch die der Troika", sagte Venizelos laut der Nachrichtenagentur Reuters an diesem Samstag in Thessaloniki vor Wirtschaftsvertretern. Im Mai sei man noch von einem Schrumpfen des BIP von 3,8 Prozent ausgegangen.

Die Troika aus EU-Kommission, Europäischer Zentralbank und Internationalem Währungsfonds kontrolliert, ob Griechenland die Sparauflagen umsetzt, an die die Notkredite gekoppelt sind. In der vergangenen Woche wurden Verhandlungen ohne Ergebnis unterbrochen, die Troika-Vertreter reisten ab. Athen bestritt allerdings, dass es Streit gegeben hat.

Griechenland hat große Schwierigkeiten, die geforderten Einsparungen und Reformen umzusetzen, um die nächste Kredittranche aus dem Rettungsprogramm ausgezahlt zu bekommen. Der Athener Schlingerkurs frustriert zunehmend auch die Retter in Berlin.

Gleichzeitig fürchten Beobachter, die bisher unternommenen Sparschritte könnten der griechischen Wirtschaft zu stark zusetzen. Erst am Donnerstag war bekannt geworden, dass die Wirtschaftsleistung im zweiten Quartal im Vergleich zum Vorjahr um 7,3 Prozent abgesackt ist. Zudem wurde öffentlich, dass die meisten Unternehmen, die dem Finanzministerium Geld schulden, dem Staat selbst gehören - oder schon pleite sind. Die erhofften 30 Milliarden Euro an Steuerforderungen dürften deshalb kaum einzutreiben sein.

Arbeitgeberpräsident nennt Griechenland "höchstgradig gefährdet"

Angesichts der angespannten Lage in Griechenland warnte der deutsche Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt vor einem Zerfall der Euro-Zone. Bei der Lösung der griechischen Schuldenkrise müsse "alles getan werden, um die Euro-Zone zusammenzuhalten", sagte Hundt der "WirtschaftsWoche". Griechenland befinde sich in einer "extrem kritischen Phase" und sei "höchstgradig gefährdet".

Die milliardenschweren Verpflichtungen, die zur Rettung auf Deutschland zukämen, seien angesichts der eigenen Verschuldung problematisch, so Hundt. "Aber die deutsche Wirtschaft hat ein so großes Interesse am Euro, dass dieses Risiko vertretbar ist."

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) warb für Geduld mit Griechenland. "Was über Jahre versäumt wurde, kann nicht über Nacht behoben werden", sagte Merkel dem Berliner "Tagesspiegel am Sonntag". Sie verwies in diesem Zusammenhang auf den Aufbau Ost. "Denken Sie an den Prozess der deutschen Einheit. Wie lange hat es Anfang der neunziger Jahre gedauert, um neue Verwaltungsstrukturen aufzubauen, Kenntnisse zu vermitteln und zu privatisieren. Das heißt, dass wir Geduld haben müssen."

Großbritannien geht auf Distanz zur Euro-Zone

Merkel mahnte die griechische Regierung erneut, in ihren Reformbemühungen nicht nachzulassen: "Griechenland weiß, dass die Auszahlung der Kredite davon abhängt, dass es seine Auflagen erfüllt." Am Montag wird EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso zu Gesprächen mit Merkel in Berlin erwartet.

Die Probleme in der Euro-Zone werden in Großbritannien aufmerksam beobachtet. Der konservative Außenminister William Hague hat sich nun für eine weitere Lockerung der Beziehungen seines Landes zur EU ausgesprochen. "Was heute schon für den Euro gilt, könnte in Zukunft auf mehr Bereiche zutreffen", sagte Hague der Tageszeitung "Times". "Tatsächlich können wir vorankommen, indem wir draußen sind."

Hague sagte, er sähe es gerne, wenn wieder mehr Machtbefugnisse von der EU nach London zurückkehrten. Die Schaffung einer Euro-Zone, ohne aufeinander abgestimmte Steuer- und Ausgabenpolitik, nannte der Minister dem Bericht zufolge "einen großen Fehler".

hut/reuters/dpa/dapd

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insgesamt 266 Beiträge
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Seite 1
Liebknecht 10.09.2011
1. Manipulation
Zitat von sysopDie Wirtschaftsaussichten für Griechenland sind offenbar noch schlimmer als bislang angenommen: Laut Finanzminister Venizelos wird das Bruttoinlandsprodukt trotz der Reformbemühungen um mehr als fünf Prozent sinken. Die Rezession übertreffe alle Vorhersagen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,785498,00.html
Solange in Griechenland mehr als 50% des BIP in Schwarzarbeit stattfinden, mache ich mir um den griechischen Wohlstand keine Sorgen
Wattläufer 10.09.2011
2. jammernde Griechen
Wie peinlich ist das denn ? Alles nur Show und Rumgejammere um deutsche Steuergelder zu kassieren. Das ist ein Affront gegen die Entwicklungsländer, denen wirklich geholfen werden muß. Das kostet nur ein Bruchteil von dem was die Griechen kassieren. In Griechenland hungert keiner, in den Entwicklungländern durchaus. "Athen" kann nachweislich nicht rechnen. Die "Troijka" darf sich nicht unterkriegen lassen !
Progressor 10.09.2011
3. Wenn du es nicht gewusst hast, nun weisst du es
Ein Staat kommt durch Sparen nicht aus seiner Verschuldung heraus. Die Vorstellung von FDP-Westerwelle ein Staat wäre wie ein privater Haushalt ist damit empirisch gescheitert. Willkommen im Jahrhundert der Makroökonomie!
Kampfbuckler, 10.09.2011
4. Lachnummer:"Schlimmer als angenommen"
Lachnummer:"Schlimmer als angenommen" Wirklich:die Lügen glauben nicht mal mehr die Dümmsten, dazu gehört wohl auch der arme Schäuble. Der verklärte ja noch im März 2010 die Schulden der Griechen, die brauchen das von den Geberländern geopferte Geld wohl garnicht.
CyberDyne 10.09.2011
5. Na dann kommt mal in die Puschen ...
... sonst scheitert das Millardengeschäft für Acki & Co. am Ende noch an den doofen Griechen! Warum müssen die auch jetz plötzlich so ehrlich sein, hat doch bis jetzt immer so schön geklappt! Hey, Murksel, beeil dich mal bissel, sonst gibts Haue und Schimpfe vom Acki!
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