Lehren aus der Zypern-Krise: Das flüchtige Geld der Sparer

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Scheine und Münzen: In Zypern ist der Zugriff aufs Geld beschränkt

Zyperns Bankkunden haben nur noch begrenzten Zugriff auf ihr eigenes Geld - einige werden den Großteil ihres Vermögens verlieren. Wie riskant ist es, sein Erspartes bei einer Bank zu parken? Die Krise nährt Ängste. Doch die Alternativen sind auch nicht besonders attraktiv.

Hamburg - Unser Erspartes ist eine ziemlich flüchtige Sache. Das geht schon damit los, dass man es normalerweise nicht in der Hand halten kann. Allein in den 17 Ländern der Euro-Zone sind gut zehn Billionen Euro im Umlauf - aber nur rund ein Zehntel davon in Scheinen und Münzen. Der Rest ist digitales Geld, das ausschließlich auf Computerbildschirmen existiert. Es liegt in der Regel auf Konten bei Banken. Und wenn man es bar abheben möchte, kann es im schlimmsten Fall passieren, dass man es nicht bekommt.

Diese Erfahrung machen seit einigen Tagen Hunderttausende Zyprer. Sie kommen am Geldautomaten nur noch an sehr beschränkte Summen. Bei den zwei großen Instituten des Landes sind es derzeit gerade mal noch 100 Euro. Die Banken bleiben bis Donnerstag geschlossen - und auch danach wird der Zugriff der Kunden auf das eigene Geld fürs Erste beschränkt bleiben.

Wer bei Laiki oder der Bank of Cyprus ein Konto mit mehr als 100.000 Euro Guthaben besitzt, ist noch schlechter dran. Hat er es in den vergangenen Tagen nicht geschafft, das Geld über verschlungene Wege aus der Bank zu holen, dürfte er einen großen Teil davon verlieren.

Der Fall Zypern hat das Vertrauen ins Ersparte erschüttert, wie schon lange keine Krise mehr. Im Herbst 2008 gab es mal ein paar Tage, da war das Vertrauen auch bei vielen Deutschen brüchig. Die Hypo Real Estate war gerade vom Staat gerettet worden - und viele Bank- und Sparkassenkunden gingen zum Geldautomaten, um sich mit Scheinen einzudecken. Wer weiß schon, ob das morgen noch geht? Etwas Ruhe kehrte erst ein, als Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und der damalige Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) im Fernsehen die Sicherheit der Bankeinlagen garantierten.

Was eine solche Garantie im Ernstfall wert sein kann, hat der Fall Zypern gezeigt. Im ersten Rettungsversuch vor gut einer Woche einigten sich die EU-Finanzminister kurzerhand auf eine Teilenteignung aller Sparer - obwohl es auch in Zypern eine staatliche Einlagensicherung gibt.

Das System basiert auf dem Glauben an den Wert des Geldes

Ein schmerzhafter Weckruf, der zeigt: Formal gesehen sind die Bankkunden, die ihr Geld auf einem Giro- oder Sparkonto horten, Gläubiger ihrer Bank. Wenn ein Finanzinstitut pleitegeht, ist somit mindestens ein Teil des Geldes weg - es sei denn, ein privates oder staatliches Sicherungssystem steht dafür ein. Das Vertrauen, dass diese Systeme im Zweifelsfall auch halten werden, hat in der vergangenen Woche einen Knacks bekommen.

Nun zur Bank zu rennen, um sich seine Guthaben auszahlen zu lassen, ist jedoch auch keine Lösung. Erstens verliert das Ersparte durch die Inflation jedes Jahr automatisch an Wert, wenn man es zinslos unter dem Kopfkissen liegen lässt. Und zweitens ist Geld nun mal keine sichere Sache, selbst wenn wir es in der Hand halten.

Während bis zum Ende des Bretton-Woods-Systems im Jahr 1971 immerhin jeder US-Dollar bei der Zentralbank in Gold eingetauscht werden konnte, ist das moderne Geld durch nichts gedeckt - außer durch unser Vertrauen. Jeder Schein und jede Münze haben nur den Wert, den ihnen die Gesellschaft als Tauschmittel beimisst. Das setzt voraus, dass alle Beteiligten daran glauben. Der Händler am Kiosk akzeptiert als Bezahlung für eine Flasche Cola nur so lange das Zwei-Euro-Stück, solange er weiß, dass er es für etwas ähnlich Wertvolles eintauschen kann. Wenn dieses Grundvertrauen ins Geld schwindet, wird es ernst.

So weit ist die Euro-Zone noch längst nicht. Die Währung ist stabil, überall kann man mit Euro zahlen und die jährliche Geldentwertung liegt unter dem historischen Durchschnitt. Daran ändert auch Zypern erst mal nichts.

Doch die Debatte um die Alternativen zum bestehenden System hat längst begonnen. Besonders das sogenannte Vollgeld gewinnt zunehmend Anhänger. Das Konzept, das amerikanische Ökonomen schon in den dreißiger Jahren entwickelten, sieht eine 100-prozentige Deckung der Bankeinlagen vor. Das heißt: Die Institute müssten das Geld ihrer Kunden komplett vorhalten - und gingen nicht mehr pleite, wenn alle Sparer gleichzeitig ihre Guthaben ausbezahlt haben wollten.

Radikalere Ökonomen fordern sogar eine Rückkehr zum sogenannten Goldstandard, der während des Bretton-Woods-Systems galt. Doch beim Gold gibt es das gleiche Problem wie beim Geld: Es ist nur so viel wert, wie wir glauben. Und essen kann man weder das eine noch das andere.

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insgesamt 221 Beiträge
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1. Ist dieses System
anbue 26.03.2013
Zitat von sysopCorbisZyperns Bankkunden haben nur noch begrenzten Zugriff auf ihr eigenes Geld - einige werden den Großteil ihres Vermögens verlieren. Wie riskant ist es, sein Erspartes bei einer Bank zu parken? Die Krise nährt Ängste. Doch die Alternativen sind auch nicht besonders attraktiv. http://www.spiegel.de/wirtschaft/krise-in-zypern-das-fluechtige-geld-der-sparer-a-890853.html
"jeder US-Dollar bei der Zentralbank in Gold eingetauscht werden konnte" denn jemals einem Belastungstest unterzogen worden oder beruhte es nicht auch eher auf dem Glauben, das würde funktionieren. Schon rein praktisch stelle ich es mir schwierig vor, wenn in Krisenzeiten die Bevölkerung an den Schaltern ansteht und ihr Geld in Gold tauschen will.
2. Am besten alles in Gold umsetzen und unters Kopfkissen
haraldkaffee 26.03.2013
Dem Finanzkapitalismus ist schon lange nicht mehr zu trauen. Die Welt wird von Oligarchen regiert und Politiker sind nur noch Handlanger für die Interessen der Großzocker. Der einzige Grund, warum es den Euro gibt, besteht darin, es den Konzernen und Banken einfacher zu machen, Geld und Waren hin- und herzuschieben. Der Mittelstand wird immer weiter ausgehöhlt, zugunsten derer, die den Hals nicht voll genug kriegen. So ein System ist auf Dauer dem Untergang geweiht. Es wird nicht mehr für das Leben gewirtschaftet, sondern man lebt, um zu wirtschaften. Pervertierte Prioritätensetzung, damit sich Großverdiener und Regierende die Taschen füllen und noch mehr Macht bekommen.
3.
muellerthomas 26.03.2013
Zitat von sysopCorbisZyperns Bankkunden haben nur noch begrenzten Zugriff auf ihr eigenes Geld - einige werden den Großteil ihres Vermögens verlieren. Wie riskant ist es, sein Erspartes bei einer Bank zu parken? Die Krise nährt Ängste. Doch die Alternativen sind auch nicht besonders attraktiv. http://www.spiegel.de/wirtschaft/krise-in-zypern-das-fluechtige-geld-der-sparer-a-890853.html
Nein, auch nach Bretton Woods kam Geld nicht einfach so ohne jede Deckung in Umlauf, sondern ist bei bei der Zentralbank gedeckt durch Wertpapiere, die die Geschäftsbanken dort als Sicherheit hinterlegen müssen und die Banken wiederum vergeben den allergrößten Teil der Kredite ebenfalls nur gegen Sicherheiten. Wieviel diese Sicherheiten dann Wert sind, ist natürlich ein anderes Thema, aber hier schreibt Stefan Kaiser zu Recht selbst:
4. Wert des geldes
-fussel- 26.03.2013
Es was schon immer klar, dass seit dem Wechsel von Zahlungsmitteln aus Wertmetalen zu Papier und Blech, der Realwert verloren gegangen ist. Gerade in diesen Zeiten wäre es daher sinnvoll auch einen gewissen Realwert zu besitzen, in Form von Silbermünzen etc. und sowieso einen Bargeldbestand der für ca. 30 Tage reicht. Denn wenn wir mal ehrlich sind und wir nur mal die normalen Girokonten betrachten, kosten die meist eher Geld, als dass sie Zinsen bringen. Und der Witz der Redaktion, dass aufgrund der Inflation das Geld nur unter dem Kopfkissen an wert verliert und bei der Bank nicht, sollen sie mal nach normalen Bankkonten suchen, wo die Verzinsung deutlich über der der Inflation liegt. ---- Es gibt ein Video was die Funktionsweise von Geld, Bankenwesen und Zinsen ganz gut und lustig erklärt- nehmt euch einfach mal die 16 min - auch wenn den meisten da nix neues gesagt wird ;). Einfach mal bei youtube "Wie funktiert Geld eingeben" oder dem Link folgen. http://www.youtube.com/watch?v=0VAJY0Oq6K8
5. Altes Denken!
schlamassel_hoch_12 26.03.2013
Zitat: "Erstens verliert das Ersparte durch die Inflation jedes Jahr automatisch an Wert, wenn man es zinslos unter dem Kopfkissen liegen lässt..... " Es ist also besser, das Geld zinslos auf der Bank zu lassen? Der Autor hat wohl nicht mitbekommen, dass es kaum noch Zins gibt von der Bank, zumindest dann nicht, wenn man sich die seit Zypern umso wichtigere Möglichkeit der sofortigen Abhebung offen halten will. Kleines Risiko=kleiner Zins und ja, das Ersparte verliert an Wert durch Inflation. Auch auf dem Konto. So ist es nun einmal, kapiert es endlich!
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