Krisenbank IndyMac Tausende Anleger heben ihre Barreserven ab

Anlegerpanik in den USA: Vor der IndyMac-Zentrale standen Kunden stundenlang an, um ihre Konten leerzuräumen. Die Bank hatte am Montag mitgeteilt, man werde keine neuen Kreditanträge mehr annehmen und 3800 Arbeitsplätze abbauen.


Pasadena/Hamburg - Am Montag war der Kollaps der IndyMac-Bank für alle sichtbar: Schon um vier Uhr morgens reihten sich nach einem Bericht der "Los Angeles Times" die ersten Bankkunden vor dem Hauptgebäude der Bank in Pasadena in die Schlange.

Kundenansturm aufs Hauptgebäude der IndyMac: Größter US-Banken-Crash seit 24 Jahren
REUTERS

Kundenansturm aufs Hauptgebäude der IndyMac: Größter US-Banken-Crash seit 24 Jahren

Im Laufe des Tages seien Tausende gekommen, um ihre Sparguthaben abzuheben, manche hätten Stunden in der prallen Sonne gewartet. Eine Frau, die sich der Hitze zu lange ausgesetzt hatte, sei ohnmächtig geworden. Weiße Zelte wurden aufgebaut, um die Wartenden vor der Sonne abzuschirmen, berichtete die Zeitung.

Angesichts des Ansturms sah sich die US-Bankenaufsicht zum Handeln gezwungen. Sie ließ die Bank schließen. Sämtliche Bankgeschäfte wurden mit sofortiger Wirkung an die staatliche Bundeseinlagensicherung (FDIC) übertragen.

Der Zusammenbruch von IndyMac ist der größte Banken-Crash in den USA seit dem Kollaps der Continental Illinois National Bank vor 24 Jahren. Die Bank verwaltet die größten Barreserven in der Metropolregion Los Angeles und ist der siebtgrößte Hypothekenfinanzierer in den USA.

Das US-Konjunkturtief erreichte mit dem IndyMac-Kollaps und der Krise der halbstaatlichen Branchenriesen Fannie Mae und Freddie Mac in den vergangenen Tagen einen neuen Höhepunkt - vor dem IndyMac-Hauptgebäude wurde die Panik spürbar.

Der Ansturm auf die Bank ist rational nur schwer zu begründen: Die meisten Anleger haben laut "LA Times" weniger als 100.000 Dollar auf dem Konto beziehungsweise weniger als eine Viertelmillion Pensionsrücklage. Bis zu dieser Höhe sind Guthaben vollständig vom US-Einlagensicherungsfonds der Federal Deposit Insurance Corporation (FDIC) gesichert. Trotzdem wollten offenbar viele Anleger an ihr Geld.

Die Krise bei IndyMac spitzte sich zu, als der demokratische Senator Charles Schumer am 26. Juni vor einem drohenden Kollaps des Instituts warnte und die Aufsichtsbehörden aufforderte, etwas zu unternehmen. Innerhalb von elf Tagen nach der Veröffentlichung von Schumers Brief hoben IndyMac-Kunden mehr als 1,3 Milliarden Dollar ab, was die Barreserven der Bank weiter ausgedünnt hat.

Am vergangenen Montag teilte IndyMac dann mit, dass es keine neuen Kreditanträge mehr annehme und 3800 der 7200 Arbeitsplätze abbauen werde. Vorstandschef Michael Perry erklärte, mit Hilfe dieser drastischen Maßnahmen solle IndyMac sicher durch die Krise geführt werden.

Doch die Kunden machten nicht mit: Sie zogen ihre Einlagen ab, durchkreuzten damit die Strategie der IndyMac-Spitze und veranlassten die Bankenaufsicht zum Handeln.

ssu

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