Krisengewinner Hedgefonds-Manager streichen Milliarden ein

Weltweit herrscht Wirtschaftskrise, doch die Top-Verdiener in der Finanzbranche haben keinen Grund zu klagen. Laut einer Studie strichen die 25 erfolgreichsten Hedgefonds-Manager im vergangenen Jahr 11,6 Milliarden Dollar ein - pro Kopf sind das im Durchschnitt 460 Millionen Dollar.


New York - Trotz der globalen Wirtschaftskrise brummt das Geschäft der führenden Hedgefonds. Die 25 erfolgreichsten Manager der Branche haben im vergangenen Jahr zusammen 11,6 Milliarden Dollar verdient. Das berichtet das Branchenmagazin "Alpha" am Mittwoch. Im Durchschnitt entfielen damit auf jeden Spitzenverdiener 460 Millionen Dollar.

Allein 2,5 Milliarden Dollar hat der 70-jährige James Simons mit seiner US-Investmentfirma Renaissance Technologies eingestrichen. Insgesamt kamen vier Manager auf mehr als eine Milliarde Dollar an Vergütungen und Prämien. In diese Topliga schaffte es auch der legendäre US-Investor George Soros mit 1,1 Milliarden Dollar. Er hatte Anfang der neunziger Jahre mit seinen Spekulationen das britische Pfund schwer unter Druck gebracht.

Die besten Europäer unter den Finanzjongleuren kamen auf Rang neun: Jeweils 250 Millionen Dollar verdienten David Harding von Winton Capital Management und Alan Howard von Brevan Howard Asset Management mit Sitz in London.

Hedgefonds gelten als eine der risikoreichsten Investmentformen. Angesichts der Wirtschaftskrise fordern zahlreiche Politiker und Ökonomen eine strengere Regulierung der Firmen. Zum Teil tragen die Hedgefonds sogar eine Mitschuld an der Finanzkrise, weil sie im großen Stil mit intransparenten Papieren gehandelt haben.

Hedgefonds-Manager nutzen die gesamte Trickkiste der Finanzmärkte, in ihrer Anlagestrategie sind sie bisher weitgehend frei. So können die Unternehmen auch mit fallenden Kursen Geld verdienen - ein Geschäftsmodell, das traditionellen Aktienfonds untersagt ist.

Im Schnitt sind die Vergütungen der Hedgefonds-Branche 2008 allerdings wegen der Finanzkrise gesunken. So vernichteten die acht größten Verlierer der Rangliste zusammen 6,2 Milliarden Dollar ihres eigenen Vermögens. Hedgefonds-Kunden zogen wegen der Krise enorme Summen aus den Firmen ab.

wal/dpa

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Hadraniel, 29.01.2009
1.
Warum nur gegen Managergehälter? Wenn es eine Gehaltsuntergrenze gibt (Sozialhilfe), warum nicht auch eine Gehaltsobergrenze? Nach meinem Verständnis von Moral und Ethik lassen sich Jahresgehälter über dem Lebensarbeitseinkommen von potentiellen Besserverdienenden (ein Akademiker mit Abschluss in IT oder Ingenieurswissenschaft hat ein Humankapital von rund 2.5 Millionen Euro) durch NICHTS rechtfertigen. Gleichzeitig gehört eine Vermögensobergrenze etabliert. Das 10- oder 100fache Humankapital des eben genannten Beispielverdieners wäre mehr ausreichend, um einer Tragik der Allmende entgegenzuwirken und Raum für das am unteren Ende der Einkommensgrenzen so oft geforderte "Leistungsprinzip" zu bieten. Wer für 100 Leben ausgesorgt hat, der hat wirklich genug. Des einen Reichtum ist schliesslich auch automatisch die Armut vieler anderer. Selbst mit den philantropischsten Absichten kann man irgendwann seiner Verantwortung als Besitzer von viel Eigentum nicht mehr gerecht werden (gleiches gilt für Einkommen -> Haftung, Verantwortung). Schade, daß man immer sofort in die kommunistische Ecke gesteckt wird, sobald man solche Gedanken äußert. Bin gespannt auf die Reaktionen hier.
joselito 29.01.2009
2.
Zitat von sysopDie Vorschläge von Finanzexperten aus Union und SPD stehen bereits: Die Große Koalition will schärfere Auflagen für Managergehälter - sie sollen noch vor der Bundestagswahl im September in Kraft treten. Eine richtige Initiative?
Dazu hätte ich mal eine grundsätzliche Frage: bekommen Banken und Grosskonzerne das Geld, *das Geld der Steuerzahler*, welches unsere Regierung ihnen zur Verfügung stellt, damit sie ihre leergezockten Kassen wieder auffüllen können, eigentlich geschenkt, oder müssen sie es zurückzahlen ? Und was ich von den "schärferen Auflagen" halte ? Die Manager werden Wege finden, diese "Auflagen" zu unterlaufen. Die Grosse Koalition hat doch noch nie etwas zustandegebracht, was handwerklich durchdacht und rechtlich abgesichert ist.
sample-d 29.01.2009
3. Spitzensteuersatz abschaffen
Zitat von HadranielWarum nur gegen Managergehälter? Wenn es eine Gehaltsuntergrenze gibt (Sozialhilfe), warum nicht auch eine Gehaltsobergrenze? Nach meinem Verständnis von Moral und Ethik lassen sich Jahresgehälter über dem Lebensarbeitseinkommen von potentiellen Besserverdienenden (ein Akademiker mit Abschluss in IT oder Ingenieurswissenschaft hat ein Humankapital von rund 2.5 Millionen Euro) durch NICHTS rechtfertigen. Gleichzeitig gehört eine Vermögensobergrenze etabliert. Das 10- oder 100fache Humankapital des eben genannten Beispielverdieners wäre mehr ausreichend, um einer Tragik der Allmende entgegenzuwirken und Raum für das am unteren Ende der Einkommensgrenzen so oft geforderte "Leistungsprinzip" zu bieten. Wer für 100 Leben ausgesorgt hat, der hat wirklich genug. Des einen Reichtum ist schliesslich auch automatisch die Armut vieler anderer. Selbst mit den philantropischsten Absichten kann man irgendwann seiner Verantwortung als Besitzer von viel Eigentum nicht mehr gerecht werden (gleiches gilt für Einkommen -> Haftung, Verantwortung). Schade, daß man immer sofort in die kommunistische Ecke gesteckt wird, sobald man solche Gedanken äußert. Bin gespannt auf die Reaktionen hier.
Es muss ja nicht unbedingt eine feste Grenze sein - man könnte auch den Spitzensteuersatz abschaffen, und ab bestimmten Beträgen die Progression wieder einsetzen lassen,so dass die Gehälter automatisch irgendwo begrenzt wären..
Wenzel Storch, 29.01.2009
4. Nicht nur die Manager...
Nicht nur die Manager, sondern auch die sogenannten "Volksvertreter", welche nur die Interessen der Lobbyisten vertreten. Beispiele: Die vielen mangelhaft ausgearbeiteten Gesetze, welche dann von Karlsruhe wieder gestoppt werden mußten. Entscheidungen und Steuerverschwendung, welche oft nur mit Korruption erklärbar ist. Diese zwei Kasten "Manager und Politiker" sind hauptsächlich für die Probleme in unserem Land verantwortlich.
Hippedihop, 29.01.2009
5.
Zitat von joselitoDazu hätte ich mal eine grundsätzliche Frage: bekommen Banken und Grosskonzerne das Geld, *das Geld der Steuerzahler*, welches unsere Regierung ihnen zur Verfügung stellt, damit sie ihre leergezockten Kassen wieder auffüllen können, eigentlich geschenkt, oder müssen sie es zurückzahlen ? Und was ich von den "schärferen Auflagen" halte ? Die Manager werden Wege finden, diese "Auflagen" zu unterlaufen. Die Grosse Koalition hat doch noch nie etwas zustandegebracht, was handwerklich durchdacht und rechtlich abgesichert ist.
Und wodurch lässt sich die Einschränkung rechtfertigen, dass Sie als Unternehmer nicht jemandem soviel Gehalt zahlen können wie Sie es wollen. Sie als Unternehmer wissen doch am Besten, was gut für Ihr Unternehmen ist. Und Sie würden doch nicht dem Unternehmen absichtlich schaden, und irgendjemand den Sie kennen in eine hohe Position hieven um ihn zu bereichern. Ergo: Obergrenze für Managergehälter ist Blödsinn.
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