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Krisengipfel in Saudi-Arabien: Irak verspricht massiven Ausbau der Ölförderung

Riesige Reserven, Nachfrageboom, sinkende Risiken: Der Irak kündigt kurz vor dem Ölkrisengipfel in Saudi-Arabien an, bald mehr als doppelt so viel Erdöl zu fördern wie heute. "Wir haben das Geld", sagt der führende Berater von Premier al-Maliki dem SPIEGEL - es wird auch ein Geschäft für westliche Konzerne.

Hamburg - Die irakische Regierung will die Förderkapazitäten für Öl mittelfristig massiv ausbauen. Thamer al-Ghadban, der führende Ölberater von Premierminister Nuri al-Maliki, sagte dem SPIEGEL: "Wir haben die Nachfrage, wir haben die Reserven, und wir haben jetzt auch das Geld, die Ölförderung mittelfristig um vier Millionen Barrel pro Tag zu erhöhen."

Erdölförderung bei Kirkuk: Vier Millionen Barrel pro Tag
AP

Erdölförderung bei Kirkuk: Vier Millionen Barrel pro Tag

Erstmals seit dem Fall Bagdads im Jahr 2003 liegt die Ölförderung jetzt stabil bei 2,5 Millionen Barrel - obwohl der irakische Ölsektor immer noch mit zahlreichen Problemen kämpft: Die Sicherheitslage ist nach wie vor schlecht, ein Teil des Öls wird geschmuggelt, es fehlt ein nationales Ölgesetz.

Erst am Freitag hatte der Irak mitgeteilt, dass er in den vergangenen Monaten seine Ölexporte gesteigert hat, nachdem die Angriffe auf Pipelines drastisch zurückgegangen seien. Ölminister Hussein al-Schahristani sagte, die Zahl der Sabotageakte sei von rund 30 pro Monat im vergangenen Jahr auf nur noch vier im vergangenen Monat zurückgegangen. Deshalb habe der Irak mehr Öl über seine nördliche Pipeline von Kirkuk in die Türkei exportieren können. Möglich geworden sei dies, weil sich in dem Gebiet viele sunnitische Gruppen vom Einfluss der Terrorgruppe al-Qaida im Irak losgesagt hätten.

Malikis Ölberater Ghadban widerspricht dem Verdacht, US-Konzerne würden bei der Rechtevergabe bevorzugt. Davon könne keine Rede sein; welche ausländischen Firmen am meisten profitieren würden, hänge allein von deren Angeboten ab.

Westliche Ölkonzerne drängen in den Irak

In der vergangenen Woche war bekannt geworden, dass der Irak mit fünf westlichen Konzernen Verträge geschlossen hat - ohne jede Ausschreibung. Ghadban kündigt aber noch für diesen Sommer eine erste öffentliche Bieterrunde an, "welche ausländische Unternehmen direkt an der Erschließung unserer Ölfelder beteiligt". Eine zweite Runde werde "nicht viel später" folgen.

Die "New York Times" hatte berichtet, dass noch voraussichtlich im Juni Verträge zwischen Konzernen wie Exxon Mobil, Shell, Total und BP und der irakischen Regierung unterzeichnet würden. Damit würden die Konzerne erstmals seit der US-Invasion im Irak im März 2003 wieder Geschäftsbeziehungen mit dem Land aufnehmen. Faktisch hatten sie die Förderlizenzen allerdings schon vor 36 Jahren verloren - Saddam Hussein hatte sie ihnen im Zuge der Verstaatlichung der Ölindustrie entzogen.

Insgesamt sollen sich 46 Ölunternehmen, darunter aus Russland, China und Indien, um die neuen Lizenzen beworben. Dass die westlichen Konzerne den Zuschlag bekommen haben, liege daran, dass sie das irakische Ölministerium schon in den vergangenen zwei Jahren kostenlos beraten hätten, hieß es.

Der Irak braucht die Investitionen und die technische Hilfe westlicher Konzerne, um die vernachlässigten und beschädigten Ölfelder besser auszubeuten.

Experte erwartet stabilen Ölpreis in fünf Jahren

Nach Einschätzung des saudischen Experten Nansen Saleri wird sich der rasant steigende Ölpreis erst in fünf bis sieben Jahren stabilisieren. Mit dem Ausbau weiterer Kapazitäten vor allem in Saudi-Arabien und - wie nun geplant - im Irak könne die wachsende Nachfrage dann aber sehr wohl gedeckt werden, sagte Saleri der "Wirtschaftswoche". "In den kommenden fünf bis sieben Jahren wird sich das Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage und damit der Ölpreis allerdings stabilisieren", wurde der ehemalige Chef der saudi-arabischen Ölreserven zitiert.

Von einer Ölknappheit könne keine Rede sein. Die Ölreserven reichen nach seinen Angaben "mindestens 100, wenn nicht 150 Jahre - je nachdem, wie stark der Verbrauch sein wird". Vor allem in Saudi-Arabien und im Irak gebe es erhebliche Ölvorkommen, die noch nicht erschlossen seien.

Krisengipfel in Saudi-Arabien

Am Sonntag kommt es im saudi-arabischen Dschidda zu einem internationalen Krisentreffen zum Ölpreisanstieg. In Dschidda wollen die Ölförderländer und Industriestaaten über Ursachen des Preisanstiegs sowie mögliche Gegenmaßnahmen beraten.

Bundeswirtschaftsminister Michael Glos forderte im Vorfeld des Gipfels mehr Transparenz auf den internationalen Ölmärkten. "Nur so lässt sich der Spekulationssumpf trockenlegen", schrieb der CSU-Politiker in einem Gastbeitrag für die "Bild am Sonntag". Zugleich verlangte Glos eine Erhöhung der Fördermengen. "Wir brauchen schnell mehr Öl auf dem Weltmarkt, um die Preisspirale an den Zapfsäulen endlich zu stoppen. Dafür werde ich in Dschidda kämpfen."

Offenbar erwägen als Reaktion auf die Rekordpreise beim Öl weitere Opec-Staaten eine kurzfristige Erhöhung ihrer Fördermengen nach dem Vorbild Saudi-Arabiens. Sollte es eine entsprechende Nachfrage geben, stehe dies durchaus zur Debatte, sagte ein hochrangiger Vertreter der Organisation Erdölexportierender Staaten (Opec) am Samstag der Nachrichtenagentur Reuters.

phw/AP/dpa/Reuters

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