Krisenjahr 2008 Lehman fürchtet Bankenverluste von 79 Milliarden Dollar

Es wird ein Horrorjahr, wenn man Lehman Brothers glauben darf: Die Investmentbank erwartet 2008 bei den US-Großbanken Verluste von insgesamt 79 Milliarden Dollar. Auch Lehman selbst ist betroffen - die Bank machte allein im abgelaufenen Quartal 2,8 Milliarden Dollar Miese.


New York - Das Desaster ist noch weit schlimmer als befürchtet. Eine Geldspritze in Höhe von sechs Milliarden Dollar braucht die angeschlagene Investmentbank Lehman Brothers, wie das Geldinstitut jetzt bekannt gab. Im abgelaufenen Quartal hat die Bank infolge der Kreditkrise 2,8 Milliarden Dollar Verlust gemacht. Im Vorjahresquartal hatte Lehman noch einen Überschuss von 1,3 Milliarden Dollar verbucht.

Lehman-Zentrale in New York: Bank-Chef Fuld gab sich sehr enttäuscht
REUTERS

Lehman-Zentrale in New York: Bank-Chef Fuld gab sich sehr enttäuscht

Wegen der Probleme an den Finanzmärkten und der daraus folgenden Abschreibungen sowie Handelsverlusten erwirtschaftete die Bank im vergangenen Vierteljahr keine Erträge und musste einen negativen Wert von 700 Millionen Dollar hinnehmen. Am Markt erwartet worden war dagegen im Schnitt ein Ertrag von 2,6 Milliarden Dollar. Im Vorjahresquartal hatte Lehman einen Ertrag von 5,5 Milliarden Dollar erwirtschaftet.

Die jetzt veröffentlichten Zahlen sind allerdings nur vorläufig. Die endgültige Bilanz für das zweite Geschäftsquartal will Lehman am 16. Juni veröffentlichen. Im vorbörslichen US-Handel verlor die Lehman- Aktie trotzdem elf Prozent auf 28,70 Dollar.

Er sei "sehr enttäuscht" von den Quartalsergebnissen, sagte auch Lehman-Chef Richard Fuld. Mit der verbesserten bilanziellen Lage sowie der Erholung an den Finanzmärkten seit März sei Lehman aber gut positioniert, erklärte er. Die Liquiditätsreserven kletterten gegenüber dem am 29. Februar abgeschlossenen Vorquartal den Angaben zufolge von 34 auf 45 Milliarden Dollar. Das Eigenkapital per Ende Mai bezifferte die Bank auf 26 Milliarden Dollar.

Die nun angekündigte Anhebung des Grundkapitals soll weiteren Angaben zufolge über die Ausgabe von Stammaktien und Wandelpapieren gestemmt werden. Zum Zeitpunkt der geplanten Transaktion wurden keine Angaben gemacht. Lehman musste wegen der Finanzmarktkrise bereits im April Wandelanleihen im Wert von vier Milliarden Dollar ausgeben, um Kapitallücken zu füllen. Nach dem Zusammenbruch der fünftgrößten Investmentbank Bear Stearns im März gab es am Markt immer wieder Spekulationen über Liquiditätsprobleme bei Lehman Brothers.

Insgesamt werden sich bei den US-Großinstituten dieses Jahr infolge der Finanzmarktkrise Verluste von insgesamt 79 Milliarden Dollar ansammeln, hat Lehman darüber hinaus ausgerechnet. Die Wertberichtigungen im zweiten Quartal bezifferte das Institut für die großen Banken auf rund 17 Milliarden Dollar.

ase/dpa/Reuters

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