Krisenjahr 2009 Experten erwarten drastische Zunahme von Insolvenzen

Die Zahl der Firmenpleiten und Verbraucherinsolvenzen wird 2009 deutlich zunehmen - wegen immer geringerer Nachfrage und der arg eingeschränkten Kreditvergabe, warnen die Experten von Creditreform. Viele Firmen stünden vor dem Aus.


Hamburg - Die Zahl der Firmenpleiten in Deutschland wird 2009 nach Einschätzung von Creditreform auf bis zu 35.000 steigen. Das wären gut 17 Prozent mehr als 2008. Dadurch würden rund 510.000 Arbeitsplätze bedroht, warnt die Wirtschaftsauskunftei in einer am Freitag veröffentlichten Prognose.

Nicht verkaufte Neuwagen: Krise trifft Autoindustrie besonders hart
REUTERS

Nicht verkaufte Neuwagen: Krise trifft Autoindustrie besonders hart

Der Wirtschaftsweise Wolfgang Wiegard geht sogar von einem noch größeren Stellenabbau aus. "Verantwortlich geschätzt" könne man bisher sagen, dass der Abschwung im gerade begonnenen Jahr zwischen 2 bis 2,7 Prozent liegen dürfte, sagte der Experte im ZDF. Die Politik müsse deshalb mit 700.000 mehr Arbeitslosen rechnen. Gleichzeitig warnte Wiegard vor einem Wettrennen um die schlechtesten Wirtschaftsprognosen.

Noch stärker als die Zahl der Firmenpleiten soll nach Angaben von Creditreform die Zahl der Verbraucherinsolvenzen steigen, nämlich um fast 50 Prozent auf bis zu 145.000 Fälle. "Das Jahr 2009 wird für die gesamte Wirtschaft ein schwieriges Rezessionsjahr werden", urteilten die Experten. Die meisten Unternehmen müssten ihre Geschäftserwartungen deutlich nach unten revidieren. Gleichzeitig verschlechtere sich die Finanzierungssituation.

"Vielen bonitätsschwachen Unternehmen wird die geringere Nachfrage, gepaart mit einer eingeschränkten Kreditvergabe, Schwierigkeiten bereiten", heißt es. Schon jetzt gäben ein Drittel der im November befragten Unternehmen an, dass für sie der Zugang zu Finanzmitteln seit dem Frühjahr 2008 schwieriger geworden sei. Außerdem werde die Zahl der Forderungsausfälle steigen. Dem Einkaufsmanagerindex zufolge schrumpft die deutsche Industrie schon jetzt so stark wie nie zuvor.

Besonders hart dürfte die Wirtschaftskrise nach Einschätzung von Creditreform die Autoindustrie und die Zulieferbetriebe sowie die Autohändler treffen. Aber auch die Transport- und Logistikwirtschaft sowie viele unternehmensnahe Dienstleistungsbereiche, Callcenter und Personalvermittlungsagenturen dürften unter merklich steigenden Insolvenzen zu leiden haben.

Besser bewerten die Experten die Aussichten für den Hochbau, den Maschinen- und Anlagenbau sowie die Elektroinstallationsbranche.

Die Schäden, die insolvente Unternehmen der Volkswirtschaft zufügen könnten, dürfte sich laut Creditreform für das Jahr 2009 auf schätzungsweise 33 Milliarden Euro summieren. Im vergangenen Jahr lagen sie noch bei 29 Milliarden Euro. Bereits 2008 war die Zahl der Firmenpleiten in Deutschland erstmals seit fünf Jahren wieder gestiegen. Insgesamt registrierte Creditreform 2008 knapp 30.000 Unternehmensinsolvenzen, 2,2 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Zahl der Verbraucherinsolvenzen war dagegen 2008 noch um 6,5 Prozent auf 98.500 betroffene Personen gesunken.

kaz/AP/ddp/Reuters



© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.