Krisenjahr 2009: Wirtschaftsweiser warnt vor steigender Arbeitslosigkeit

2008 war ein gutes Jahr für Deutschlands Job-Markt: Trotz Finanzkrise waren so viele Menschen in Lohn und Brot wie noch nie. Doch angesichts der Rezession warnt der Wirtschaftsexperte Wolfgang Wiegard nun vor einem drastischen Anstieg der Arbeitslosenzahlen.

Berlin/Stuttgart - Der Wirtschaftsweise Wolfgang Wiegard erwartet 2009 eine deutliche Verschlechterung am Arbeitsmarkt. Verantwortlich geschätzt könne man bisher sagen, dass der Abschwung im laufenden Jahr zwischen zwei und 2,7 Prozent liegen dürfte und die Politik mit 700.000 mehr Arbeitslosen rechnen müsse, sagte der Experte im ZDF.

Arbeitsagentur: Jähes Ende des Aufwärtstrends
DDP

Arbeitsagentur: Jähes Ende des Aufwärtstrends

Gleichzeitig warnte der Wirtschaftsweise vor einem Wettrennen um die schlechtesten Wirtschaftsprognosen. Alle Indikatoren deuteten zwar auf eine schwere Rezession hin, doch seien die Unsicherheiten bei den Prognosen für 2009 "sehr hoch", sagte Wiegard, der Wirtschaftsprofessor an der Universität Regensburg ist.

Dem positiven Trend des vergangenen Jahres auf dem Arbeitsmarkt droht ein jähes Ende. Nach Angabe des Statistischen Bundesamtes vom Freitag erreichte die Zahl der Erwerbstätigen 2008 mit durchschnittlich 40,84 Millionen einen Rekordstand. Das waren 582.000 oder 1,5 Prozent mehr als 2007.

Der Anstieg geht vor allem auf die Arbeitnehmer zurück. Ihre Zahl erhöhte sich um 568.000 oder 1,6 Prozent auf knapp 35,9 Millionen. Die Zahl der Selbständigen einschließlich mithelfender Familienangehöriger nahm dagegen nur leicht um 14.000 oder 0,3 Prozent auf rund 4,5 Millionen zu. "Die günstige Entwicklung der Arbeitnehmerzahlen im Jahr 2008 ging fast vollständig auf den Aufbau voll sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung zurück", hieß es. Bei der in Haupterwerbstätigkeit ausgeübten geringfügigen Beschäftigung (Minijobs) gab es dagegen nahezu eine Stagnation.

Die Konjunkturflaute kommt nach den Erfahrungen der Statistiker "erst mit zeitlicher Verzögerung" auf dem Arbeitsmarkt an. Der DGB Baden-Württemberg fordert daher eine Selbstverpflichtung der Wirtschaft für einen Erhalt der Arbeitsplätze. Die außergewöhnliche Krise erforderte ungewöhnliche Maßnahmen, sagte der DGB-Landesvorsitzende Rainer Bliesener. Wolle man sie mit herkömmlichen Mitteln bekämpfen, sei dies, "wie wenn man einen Flächenbrand mit einem Gartenschlauch bekämpft".

Die Politik habe dies bereits eingesehen, die Wirtschaft hingegen gleiche wegen unterschiedlicher Positionen einem "wild aufgestellten Haufen". Bliesener mahnte: "Die Leute, die heute auf die Straße gesetzt werden, stehen beim nächsten Aufschwung nicht als Arbeitskräfte zur Verfügung." Er schlug vor, Kurzarbeit künftig mit Fortbildungen und Gesundheitsmaßnahmen zu verknüpfen, um auf einen neuen Aufschwung gut vorbereitet zu sein.

suc/ddp/Reuters

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