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Krisenpläne: Betriebsratschef Franz träumt von Opel Europa AG

Opel-Betriebsratschef Franz will sich nicht kirre machen lassen: Die Forderung nach Werksschließungen von GM-Europa-Chef Forster sei "ein altes Szenario", sagt er. Man arbeite daran, Überkapazitäten ohne Fabrikstilllegungen zu beseitigen. Den befristeten Einstieg des Staats hält er für unausweichlich.

Genf - Klaus Franz reagiert erstaunlich cool. "Das macht mich nicht kirre", sagt er zu SPIEGEL ONLINE über die Aussagen des Europa-Chefs von General Motors (GM), Carl-Peter Forster. Dabei schien Forster doch die gemeinsamen Rettungsbemühungen für Opel am Dienstag direkt zu unterlaufen. Opel und Vauxhall hätten schlicht drei Werke zu viel, sagte Forster am Rande des Autosalons in Genf. Ökonomisch am sinnvollsten sei es, Produktionsanlagen zu schließen.

Opel-Betriebsratschef Franz: "Das macht mich nicht kirre"
AP

Opel-Betriebsratschef Franz: "Das macht mich nicht kirre"

Nur wenige Tage zuvor hatten Forster, Franz und Opel-Geschäftsführer Hans Demant gemeinsam Vorschläge zur Rettung der GM-Töchter gemacht. Oberstes Ziel - vor allem für Franz: Werkschließungen und betriebsbedingte Kündigungen zu vermeiden.

Die Schließung von Fabriken sei ein Thema, "das schon lange in der Diskussion ist", sagt Franz jetzt trocken, aber es sei "ein altes Szenario". Die Herausforderung bestehe nun darin, die "technischen Überkapazitäten" von 30 Prozent eben ohne derart drastische Maßnahmen abzubauen.

Derzeit kämpft Franz ebenso wie die übrigen Protagonisten des Dramas vorerst noch darum, dass Opel nicht komplett in den Abgrund gerissen wird. GM Europa steht derzeit in Kontakt mit mehreren europäischen Regierungen und bemüht sich im Zuge einer Loslösung vom amerikanischen Mutterkonzern um Staatshilfen. Die Verhandlungen mit der deutschen und der britischen Regierung dauern an - vor allem die Bundesregierung zögert mit konkreten Zusagen.

Hart wird die Zukunft auf alle Fälle für die Mitarbeiter, so viel scheint klar - auch wenn Franz bei diesem Thema noch sehr wortkarg ist. Einen möglichen Verkauf von Werken will er nicht kommentieren. Auch genaue Zahlen, wie viel Personal über die vorgeschlagenen "freiwilligen Abfindungsmaßnahmen" eingespart werden soll, will er nicht nennen.

Verständnis für die Politik

Das Zögern der Politik versteht Franz nur allzu gut. Die Politik habe "die vollkommen richtigen Fragen gestellt, die auch wir haben", sagt er. Der Bund will vor allem gesichert sehen, dass das verlangte Geld Opel selbst und nicht dem Mutterkonzern in den USA zugute kommt.

Der erste Schritt in diese Richtung ist bereits getan: General Motors hat sich inzwischen bereit erklärt, eventuell einen Mehrheitsanteil an der deutschen Tochter zu verkaufen und sich mit einer Minderheitsbeteiligung zufrieden zu geben.

Doch noch immer ist offen, welche juristische Form das neue europäische Unternehmen eigentlich annehmen soll. Franz befürwortet inzwischen die Idee, vorerst eine Aktiengesellschaft nach deutschem Recht zu formen, um Mittelabflüsse in die USA auszuschließen. Sein "Traum" wäre eine Gesellschaft nach europäischem Recht, aber Franz weiß, dass man die Sorgen der Bundesregierung mehr als ernst nehmen muss. Schließlich verlangt man der Politik einiges ab. Letztlich, davon ist Franz überzeugt, wird es mit Kreditbürgschaften seitens des Bundes nämlich nicht getan sein.

"Einlagen und Bürgschaften"

Opel werde sich schwer tun, kurzfristig Investoren zu finden, sagt Franz. Die meisten anderen Autohersteller seien selbst in der Krise: "Auch Private Equity Fonds haben kein Geld über." Bleibt also nur noch der direkte, zeitlich befristete Einstieg des Staates. Die "temporäre" Hilfe des Staates müsse aus "Einlagen und aus Bürgschaften" bestehen, sagt Franz.

Auch GM-Europa-Chef Forster drängt auf schnelle Staatshilfe. "Wir haben keine Reserven. Diese Krise ist zu tief, um sie ohne Hilfe zu überstehen." Andernfalls drohe ein massiver Verlust von Arbeitsplätzen. Opel könnte laut GM bereits Anfang des zweiten Quartals das Geld ausgehen. Man werde Fragen der Bundesregierung zügig beantworten, sagte Forster außerdem. "Wir werden sicherstellen, dass das Geld nicht aus der Firma fließt."

Insgesamt benötigt der Autobauer nach eigenen Angaben neues Kapital von weit mehr als sieben Milliarden Euro. Neben staatlichen Hilfen von 3,3 Milliarden Euro erwartet Opel drei Milliarden Euro von GM.

Auch der deutsche Opel-Chef Hans Demant kämpft weiter für sein Unternehmen. Er sei überzeugt, dass Opel noch weitere 100 Jahre bestehen und in Deutschland Autos bauen werde, sagte er der Deutschen Welle. "Wir haben 2006 und 2007 schwarze Zahlen geschrieben. Erst im vierten Quartal 2008 sind die Verkäufe bei Opel dramatisch um 25 Prozent zurückgegangen." Deshalb stehe das Unternehmen aktuell vor schwierigen Zeiten. Die Misere resultiere jedoch auch aus der finanziellen Verflechtung mit dem Mutterkonzern General Motors.

Auch Betriebsratschef Franz sieht für Opel mittelfristig gute Geschäftsaussichten. Neue Chancen sieht er vor allem im Ausland: "Naher und Mittlerer Osten, China, Russland." Bislang habe die US-Mutter für Schwellenländer die Marke Chevrolet bevorzugt. Das könne anders werden, wenn Opel eigenständiger ist. Man habe schließlich schon früher Hunderttausende Autos ins Ausland außerhalb der USA verkauft.

ase/Reuters/dpa

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