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Kritik am Daimler-Management: "Sie alle haben in unverantwortlicher Weise versagt"

Stunden der Abrechnung in Berlin: Auf der DaimlerChrysler-Hauptversammlung nehmen Aktionärsschützer und institutionelle Anleger das Management des Autokonzerns unter Feuer. Sie prangern schwere Fehler an - und fordern die Trennung von Chrysler, besser heute als morgen.

Berlin – Ein Bravo für die Kritiker. Wer mit dem DaimlerChrysler Chart zeigen-Management abrechnete, der durfte sich heute in Berlin des Beifalls der 6900 anwesenden Aktionäre sicher sein. Auf der Hauptversammlung gab es für schneidende Kritik an Konzernchef Dieter Zetsche und seinen Vorstandskollegen besonders viel Zustimmung.

Das galt für Lars Labryga von der Schutzgemeinschaft deutscher Kapitalanleger (SdK), der pauschal das gesamte Management angriff. "Sie alle haben in unverantwortlicher Weise versagt", sagte er. Beifall. Das galt für Fondsmanager Henning Gebhardt von der Deutsche-Bank-Tochter DWS. "Wenn Chrysler am Ende zum Scheidungsrichter geführt würde, wären wir sehr dankbar", sagte er. Beifall.

Und Zustimmung gab es auch für Hans-Richard Schmitz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Er wollte von Zetsche wissen, "wann wir endlich mal wieder ein Jahr erleben, in dem es nicht irgendwo im Konzern brennt".

Die Kritiker in Berlin waren noch nicht verstummt, da gab es schon die nächste wenig erfreuliche Nachricht: Die Mercedes-Pkw-Gruppe hat im März 8,2 Prozent weniger Autos als im Vorjahr verkauft. Auf der Hauptversammlung teilte der Konzern mit, weltweit seien 127.000 Fahrzeuge an die Kunden ausgeliefert worden. Von Januar bis März belaufe sich der Rückstand zum Absatz im Vorjahreszeitraum auf 2,8 Prozent. Von der Marke Mercedes-Benz verkaufte der Konzern im März mit 122.900 Autos zwei Prozent weniger Fahrzeuge.

Zetsche zur Chrysler-Sanierung: "Alles läuft nach Plan"

Immerhin: Die Hoffnung der Aktionäre, die US-Dauerkrisensparte Chrysler solle verkauft werden, wird wohl bald in Erfüllung gehen. Zetsche bestätigte erstmals offiziell, was eigentlich alle schon wussten: Es gibt Gespräche mit Interessenten, die Chrysler kaufen wollen.

Zu Einzelheiten äußerte sich Zetsche nicht. Offen blieb daher, ob der Stuttgarter-Konzern über einen kompletten Verkauf von Chrysler verhandelt oder sich möglicherweise nur von einem Teil des US-Autobauers trennen will. Das Management halte sich nach wie vor alle Optionen offen, um den "größtmöglichen Handlungsspielraum" zu haben, sagte der Vorstandschef. Die Aktien von DaimlerChrysler verloren im Tagesverlauf 0,65 Prozent auf 61,60 Euro, nachdem sie in den vergangenen Wochen nach der Ankündigung, dass es um eine neue Zukunft für Chrysler gehe, kräftig gewonnen hatten.

Zetsche betonte, Grundbedingung bei allen möglichen Optionen sei die Umsetzung des im Februar bekannt gegebenen Sanierungsplans für Chrysler. Das Sparprogramm, das unter anderem den Abbau von 13.000 Arbeitsplätzen bis 2009 vorsieht, soll Chrysler wieder profitabel machen. Darüber hinaus gelte es, die Finanzkraft des gesamten Konzerns zu stärken, für eine klare strategische Ausrichtung zu sorgen und die "beste Lösung" für die Mitarbeiter zu finden. "Mit dem Prozess bin ich bislang zufrieden. Alles läuft nach Plan."

Mr. Peanuts sagt Bye-bye

Ein Verkauf der verlustreichen US-Sparte dürfte angesichts von milliardenschweren Gesundheits- und Pensionsverpflichtungen Chryslers allenfalls ein Nullsummenspiel für Daimler werden. "Wenn man sich Chrysler genau anguckt, stellt man fest, dass das Unternehmen an sich nichts wert ist", sagte der Analyst der SEB-Bank, Gregor Claussen. Manche rechnen mit einem offiziellen Verkaufspreis nur rund neun Milliarden Dollar.

In den kommenden drei Jahren werde die Ertragskraft des gesamten Konzerns deutlich steigen, versprach Zetsche. So soll der defizitäre Kleinwagenbauer smart bereits in diesem Jahr operativ in die schwarzen Zahlen fahren. Einen detaillierten Ausblick auf das laufende Geschäftsjahr will Zetsche erst bei Bekanntgabe der Zahlen für das erste Quartal am 15. Mai geben.

Die Hauptversammlung war der letzte Auftritt von Hilmar Kopper an der Spitze des Aufsichtsrates. Für den 72-jährigen Ex-Deutsche-Bank-Sprecher rückt nach 17 Jahren Amtszeit als Chefkontrolleur der derzeitige EADS-Co-Verwaltungsratschef Manfred Bischoff nach.

Damit endet eine lange Unternehmenstradition des Autobauers, nach der dem Kontrollgremium ein Mitglied des Frankfurter Geldhauses vorsteht. Neu in den DaimlerChrysler-Aufsichtsrat sollte der Chefkontrolleur der Deutschen Bank, Clemens Börsig, gewählt werden.

itz/Reuters/dpa/AFP/ddp/AP

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