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21. Februar 2007, 18:20 Uhr

Kritik an Arbeitsbedingungen

Selbstmordreihe bringt Renault in Erklärungsnot

Der französische Autokonzern Renault gerät unter Druck: Seit Oktober haben sich drei Mitarbeiter eines Designzentrums das Leben genommen. Einer wies in seinem Abschiedsbrief ausdrücklich auf Schwierigkeiten bei der Arbeit als Grund für seinen Freitod hin. Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft.

Paris - Das Letzte, was Raymond D. seinen Angehörigen hinterließ, war ein Brief mit dem Hinweis, es habe massive Probleme bei seiner Arbeit im Renault Technocenter in Guyancourt, am Rande von Paris, gegeben. D. nahm sich vergangene Woche das Leben. Er erhängte sich in seiner Wohnung. Sein Leben endete mit nur 38 Jahren.

Renault-Werk in Guyancourt: Ermittler wollen mehr über die Arbeitsbedingungen erfahren
AFP

Renault-Werk in Guyancourt: Ermittler wollen mehr über die Arbeitsbedingungen erfahren

Die Ermittlungsbehörden wurden hellhörig. Was ist los bei Renault, in diesem hochmodernen Center?

Im Januar hatte sich ein Mitarbeiter in einem See nahe der Anlage ertränkt. Im Oktober war ein Mann aus dem fünften Stock des Firmengebäudes gesprungen.

Ermittler haben jetzt, nach dem Tod von Raymond D., ihre Untersuchungen begonnen. Die Staatsanwaltschaft von Versailles bestätigte heute entsprechende Berichte. "Wir befragen jetzt Mitarbeiter, um mehr über die Arbeitsbedingungen der drei Männer zu erfahren", sagte ein Sprecher der Behörde.

Die Gewerkschaft CFDT warf Renault vor, dass die Mitarbeiter seit Einführung eines Restrukturierungsplans im vergangenen Jahr unter erhöhtem Druck ständen. Das Management des Autoherstellers müsse die Pläne und die Situation dringend neu bewerten.

"Seit 2006 hat die Arbeitsmenge bei Renault enorm zugenommen", teilte die Gewerkschaft heute mit. Es gebe immer mehr Fristen, die einzuhalten seien, die Arbeit werde immer komplexer.

Das Management von Renault drückte sein Bedauern aus. Einer Sprecherin zufolge will der Konzern prüfen, wie die Selbstmorde hätten verhindert werden können.

Renault hatte im vergangenen Jahr wegen geringerer Erlöse und hoher Rohstoffkosten einen Gewinneinbruch erlitten. Zugleich bekräftigte das Management sein Ziel, Renault bis 2009 zum rentabelsten europäischen Hersteller von Autos für den Massenmarkt zu machen.

kaz/Reuters

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