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Kritik an Großaktionär: Arcandor-Sanierer Piepenburg steigt aus

Er fühlt sich vom Großaktionär im Stich gelassen: Der Düsseldorfer Sanierungsexperte Horst Piepenburg hat sein Mandat bei der insolventen Karstadt-Mutter Arcandor niedergelegt. Ohne die Holding der Eigentümer des Bankhauses Sal. Oppenheim sei die geplante Insolvenz nicht möglich.

Essen/Düsseldorf - Horst Piepenburg steigt als Sanierer aus: Der Düsseldorfer Rettungsexperte hat aus Protest gegen das mangelnde Engagement der Eigentümer des Bankhauses Sal. Oppenheim am Donnerstag sein Mandat als Generalbevollmächtigter des Vorstands der Arcandor AG niedergelegt.

Sanierer Piepenburg: Kritik am Großaktionär von Arcandor
DPA

Sanierer Piepenburg: Kritik am Großaktionär von Arcandor

Das teilte der Handels- und Reisekonzern am Abend mit. "Das Insolvenzantragsverfahren der Arcandor AG und seiner insolventen Tochtergesellschaften bleibt von diesem Schritt unberührt", hieß es weiter. Diese Verfahren würden voraussichtlich bis Ende August dauern.

Piepenburg erklärte zur Begründung, eine Eigenverwaltung könne nur mit Unterstützung der Gesellschafter erfolgreich sein. "Die Unterstützung des Großaktionärs der Arcandor AG Sal. Oppenheim gibt es heute positiv nicht. Deshalb hat die Eigenverwaltung keine Grundlage. Konsequenterweise habe ich daher die Generalvollmachten zurückgegeben", erklärte der Anwalt. Piepenburg, einer der führenden Insolvenzfachleute Deutschlands, war eigens von Arcandor geholt worden, um die Weichen für eine Insolvenz in Eigenverwaltung zu stellen.

Arcandor betonte, Piepenburg werde die Restrukturierung der Karstadt-Mutter als Berater weiter unterstützen. Auch Piepenburg selbst erklärte, der Erhalt möglichst vieler Arbeitsplätze und des Kernbereichs der Arcandor-Gesellschaften sei aller Mühe wert, sich weiter zu engagieren. Dies werde er in Zusammenarbeit und unter Führung des vorläufigen Insolvenzverwalters Klaus Hubert Görg fortsetzen.

Arcandor-Chef Karl Gerhard Eick kündigte an, er werde sich weiterhin dafür einsetzen, Investoren für eine mit den Instrumenten der Insolvenzordnung sanierte Arcandor-Gruppe zu überzeugen. "Bis Mitte August werde ich alle gebotenen Chancen nutzen, Investoren für die Umsetzung eines Sanierungskonzepts zu gewinnen und damit für den Erhalt der Arcandor AG und ihrer Arbeitsplätze." Görg ergänzte: "Für den weiteren Verlauf des Insolvenzverfahrens ändert sich nichts. Wir erhalten uns sämtliche Optionen, die Unternehmen der Arcandor-Gruppe zu sanieren - auch die Möglichkeit von Insolvenzplanverfahren werden wir im Auge behalten."

Eick hatte Anfang Juni Antrag auf Insolvenz für den Handels- und Touristikkonzern gestellt, nachdem er mit dem Bemühen um Staatshilfe gescheitert war. Erst im März hatte Eick das Ruder bei der Karstadt-Mutter von Thomas Middelhoff übernommen, gegen den mittlerweile wegen des Verdachts auf Untreue ermittelt wird.

Die Firmengruppe mit den großen Säulen Karstadt, Quelle und der Mehrheitsbeteiligung am Tourismusunternehmen Thomas Cook hatte im vergangenen Geschäftsjahr noch mehr als 80.000 Menschen beschäftigt. Für die Sanierung benötigt Arcandor frisches Geld, das sich Piepenburg nach Informationen aus Handelskreisen vom 24,9-Prozent-Eigner, der Privatbank Sal. Oppenheim erhofft hatte.

als/AP/dpa

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