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Kritik an US-Regierung: Banken handelten Ergebnisse des Stresstests aus

Die US-Regierung gerät wegen ihres Banken-Stresstests massiv in die Kritik. Laut "Wall Street Journal" und "Financial Times" sollte den Instituten ursprünglich ein höherer Kapitalbedarf attestiert werden. Doch die Geldhäuser handelten das Ergebnis offenbar deutlich herunter.

Washington - Er sollte endgültig Klarheit schaffen, doch der Banken-Stresstest in den USA sorgt nun vor allem für Verwirrung. Der Grund sind Berichte des "Wall Street Journal" und der "Financial Times" vom Samstag: Beide Zeitungen erheben massive Vorwürfe gegen das Verfahren von US-Regierung und Notenbank. Eine Frage ist damit offener denn je: Wie viel Kapital brauchen die angeschlagenen Geldhäuser wirklich?

Filiale der Bank of America in Chicago: Kräftig heruntergehandelt
Getty Images

Filiale der Bank of America in Chicago: Kräftig heruntergehandelt

Am Donnerstag nannte US-Finanzminister Geithner eine konkrete Zahl: insgesamt 75 Milliarden Dollar (siehe Tabelle). Wie valide diese Angabe ist, bleibt nun jedoch unklar. Denn die 75 Milliarden sind offenbar nicht das Ergebnis solider Berechnungen - sondern knallharter Verhandlungen, fast wie auf einem Basar.

So viel Geld brauchen die größten US-Banken
Name Kapitalbedarf laut Stresstest in Mrd. Dollar
Bank of America 33,9
Wells Fargo 13,7
GMAC 11,5
Citigroup 5,5
Regions 2,5
Sun Trust Banks 2,2
Morgan Stanley 1,8
Key Corp. 1,8
Fifth Third 1,1
PNC Financial 0,6
American Express ausreichend kapitalisiert
Bank of New York ausreichend kapitalisiert
BB&T ausreichend kapitalisiert
Capital One ausreichend kapitalisiert
Goldman Sachs ausreichend kapitalisiert
JP Morgan ausreichend kapitalisiert
Met Life ausreichend kapitalisiert
State Street ausreichend kapitalisiert
US Bancorp ausreichend kapitalisiert
Quelle: US-Regierung

Laut "Wall Street Journal" und "Financial Times" haben die Banken vor der Veröffentlichung des Stresstests mit den Behörden ausgehandelt, den Kapitalbedarf niedriger anzugeben als berechnet. Die ursprünglich von der US-Notenbank Fed ermittelten Zahlen hätten deutlich über denen des Abschlussberichts gelegen, meldet das "Wall Street Journal" unter Berufung auf Banken und Behörden. Die "Financial Times" berichtet mit Verweis auf Bankenkreise über ein Geheimabkommen zwischen dem Staat und den Kreditinstituten.

An den Märkten dürften die Zeitungsberichte für große Verunsicherung sorgen. Eigentlich sollte der Banken-Stresstest mehr Transparenz schaffen. Nun ist das genaue Gegenteil eingetreten.

Beispiel Bank of America Chart zeigen: Laut Stresstest benötigt das Institut 33,9 Milliarden Dollar frisches Kapital, um für eine eventuell mögliche weitere Verschärfung der Wirtschaftskrise gerüstet zu sein (siehe Tabelle). Das "Wall Street Journal" berichtet dagegen, die Bank of America brauche zum Überleben insgesamt mehr als 50 Milliarden Dollar.

Ähnlich sei es bei der Citigroup Chart zeigen. Ihr Kapitalbedarf sei im Zuge der Verhandlungen ebenfalls massiv herabgestuft worden - von den eigentlich errechneten rund 35 Milliarden Dollar auf lediglich 5,5 Milliarden Dollar.

In den vergangenen Tagen war immer wieder Kritik an dem Banken-Stresstest laut geworden. Doch erst die Berichte der beiden Zeitungen haben die Vorwürfe nun mit konkreten Zahlen untermauert.

Laut "Wall Street Journal" sind Verhandlungen zwischen Banken und Behörden üblich. Den Vorständen bleibe immer die Möglichkeit, vor Veröffentlichung der Ergebnisse einer Aufsichtsbehörde auf deren Schlussfolgerungen Einfluss zu nehmen. Die Bankmanager hätten "zornig" auf die Ergebnisse der Fed-Berechnungen reagiert und deshalb die Verhandlungen mit den Behörden geführt.

wal/AFP

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