Kritik des Kapitals Investoren-Legende Buffett attackiert Hedgefonds

Es sind klare Worte von einem der klügsten Investoren unserer Zeit: In einem Brief an seine Aktionäre kritisiert Warren Buffett die wachsende Bedeutung von Hedgefonds - er vergleicht sie mit gefährlichen Rattenfängern.

Von Kai Lange


Omaha - Was muss man mitbringen, wenn man einen der erfolgreichsten Investoren aller Zeiten in seinem Amt beerben will? In seinem "Annual letter to the shareholders" deutet der 76-Jährige Chef von Berkshire Hathaway Chart zeigen an, dass er sich langsam auf die Suche nach jüngeren Nachfolgern für die Konzernspitze mache.

Buffett: "Es ist erstaunlich, wie gut Cherry Coke und Hamburger einem tun können"
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Buffett: "Es ist erstaunlich, wie gut Cherry Coke und Hamburger einem tun können"

"Berkshire hat drei hervorragende Kandidaten, um mich als CEO zu ersetzen. Das Board weiß genau, was es im Falle meines Todes zu tun hat", schreibt Buffett. Jeder der drei Kandidaten sei deutlich jünger als er selbst.

Buffett hatte bereits angekündigt, seine Führungsrolle eines Tages in die eines Vorstandschefs (CEO) und eines Investment-Chefs (CIO) aufzuteilen. Für eine Zwischenperiode könnte Lou Simpson, Chef der Berkshire-Versicherungstochter Geico, seine Nachfolge übernehmen. Auf Grund seines ebenfalls reifen Alters sei Simpson, 71, jedoch keine langfristige Lösung für die Holding.

"Mehr als Intelligenz und Performance"

"Ich will einen jüngeren Kandidaten gewinnen, der das Potential hat, ein sehr großes Portfolio zu managen", schreibt Buffett, dessen Firmenimperium einen Wert von rund 165 Milliarden Dollar hat. Möglicherweise werde man auf verschiedene Kandidaten zurückgreifen und dann einen geeigneten Buffett-Nachfolger unter ihnen auswählen.

"Den richtigen zu finden wird nicht einfach sein", weiß Buffett. Intelligente Leute mit beeindruckenden Investment-Erfahrungen zu finden, sei nicht schwierig. Aber um langfristig erfolgreich zu investieren, brauche man weit mehr als nur Intelligenz und eine gute jüngere Performance.

"Märkte werden außergewöhnliche, bizarre Dinge tun", sagt Buffett voraus. Ein einzelner großer Fehler könnte eine lange Reihe von Erfolgen auslöschen. "Wir brauchen daher jemanden, der es in seinen Genen hat, gefährliche Risiken zu erkennen und zu vermeiden", schrieb Buffett. Und er hebt hervor: "Dazu gehören Risiken, denen wir niemals zuvor begegnet sind."

Kritik an Hedgefonds

Bestimmte Gefahren, die in Investmentstrategien stecken, könnten mit den heute üblichen Modellen der Finanzwelt gar nicht erst identifiziert werden.

Buffett, der in der Vergangenheit bestimmte Finanzderivate bereits als potentielle "finanzielle Massenvernichtungswaffen" bezeichnet hatte, übt in seinem aktuellen Brief außerdem scharfe Kritik an Hedgefonds. Die "Rattenfänger der Performance" versprächen Anlegern, dass sie alle überdurchschnittliche Renditen erzielen könnten - vor allem dadurch, dass sie noch höhere Gebühren zahlten. Es sei eine Dummheit, bei diesem Spiel mitzuspielen. Anleger sollten sich davor hüten, solchen Renditeversprechen zu folgen.

Die Wesensart seines potentiellen Nachfolgers sei außerdem ein entscheidender Faktor, so Buffett. Unabhängiges Denken, emotionale Stabilität und ein scharfes Verständnis von menschlichem wie auch von institutionellem Verhalten seien die Voraussetzungen, um langfristig erfolgreich zu sein. "Ich habe viele hochintelligente Menschen kennengelernt, denen diese Gaben fehlten", schreibt Buffett.

Es dürfte schwierig werden, einen geeigneten Nachfolger auch im Unternehmen zu halten, fügt Buffett an. Ein solcher Investment-Manager könne bei der Konkurrenz sicherlich sehr viel mehr Geld verdienen.

Allerdings beruhigt der Investor, der viele seiner Aktionäre zu Millionären gemacht hat, die Anlegergemeinde. "Auch im Alter von 76 Jahren fühle ich mich fantastisch. Nach allem, was man messen kann, bin ich bester Gesundheit. Es ist erstaunlich, wie gut Cherry Coke und Hamburger einem tun können."

Stiftungen sollen persönliches Vermögen rasch nutzen

Buffett ist der zweitreichste Mensch der Welt nach Bill Gates. Sein persönliches Vermögen wird auf rund 45 Milliarden Dollar geschätzt.

In seinem Brief an die Aktionäre schreibt er außerdem, dass die Erlöse aller Aktien, die er zum Zeitpunkt seines Todes besitze, wohltätigen Zwecken zu Gute kommen sollten. Darum sollen sich die Mitarbeiter von fünf Stiftungen kümmern, in deren Besitz die Aktien im Lauf der Zeit übergehen sollten.

Buffett möchte die Aktien der Bill-und-Melinda-Gates-Stiftung, der Susan-Thompson-Buffett-Stiftung, die nach seiner Exfrau benannt ist, und an die drei Stiftungen seiner drei Kinder übergeben. Jedes Jahr sollen die Stiftungen fünf Prozent seines Vermögens erhalten.

Die Erlöse aus seinen Aktienbeständen sollen binnen zehn Jahren nach Vollstreckung seines Testaments für wohltätige Zwecke ausgegeben werden. "Ich habe diesen Zeitplan gesetzt, weil das Geld relativ schnell von Menschen investiert werden soll, in deren Fähigkeiten ich vertraue", schrieb Buffett. Derzeit verfügten die genannten fünf Stiftungen über ein hervorragendes Management: "Warum sollten sie nach meinem Tod nicht zügig darangehen, das Geld nach guter Überlegung zu verteilen?"

Er selber gehe davon aus, dass sein persönliches Vermögen binnen der nächsten 25 Jahre für wohltätige Zwecke eingesetzt werde: Er selber gebe sich noch etwa zwölf Jahre Lebenszeit, so der 76-Jährige, der allerdings einer Investment-Devise treu bleibt: "Ich ziele auf mehr."

Kursanstieg von sieben auf 106.000 Dollar

Die Anteile von Berkshire Hathaway Chart zeigen haben viele Aktionäre zu Millionären gemacht. Die Jahreshauptversammlungen von Berkshire genießen

Seit Übernahme der kleinen Textilfirma Berkshire Hathaway im Jahr 1962, die er in eine Investment-Holding umwandelte, hat Buffett nie einen Aktiensplit vollzogen. Deshalb schlug sich ernorme Wertanstieg der Berkshire-Aktie voll in dem Kurs nieder. 1962 war die Aktie für sieben Dollar zu haben - am gestrigen Donnerstag notierte das Papier mit einem Kurs von 106.600 Dollar.

Der Gewinn der Holding stieg 2006 auf elf Milliarden Dollar - allein die Cash-Reserven von Berkshire betrugen Ende 2006 rund 44 Milliarden Dollar.



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