Kritische Aktionäre: Calpers heizt US-Konzernen ein

Erst Warren Buffett, jetzt Apple-Chef Steve Jobs: Der weltgrößte Pensionsfonds Calpers legt sich gern mit den Großen der Wirtschaft an. Die wachsende Macht der Fondsmanager könnte die Aufsichtsgremien großer US-Konzerne bald gehörig durcheinander wirbeln.

Warren Buffett: Die Investment-Legende hat nach Ansicht von Calpers einen schlechten Job gemacht
AP

Warren Buffett: Die Investment-Legende hat nach Ansicht von Calpers einen schlechten Job gemacht

Hamburg/New York - Was verbindet Multimilliardär und Börsenguru Warren Buffett mit der Tennislegende Billie Jean King? Beide sitzen als Direktoren im Board eines Dow-Unternehmens. Was unterscheidet die beiden? Calpers, der größte Pensionsfonds der Welt, hat an der Arbeit der Wimbledon-Spezialistin King bei Altria (Marlboro, Maxwell Coffee) nichts auszusetzen. Dem ausgewiesenen Bilanzexperten Buffett, der im Board von Coca-Cola Chart zeigen sitzt, hat der Fonds hingegen die Gefolgschaft verweigert.

Calpers hat eine Liste von insgesamt 2700 Direktoren börsennotierter US-Unternehmen erstellt, mit denen der Fonds unzufrieden ist. Schon vor Wochen haben die Kalifornier den betroffenen Firmen Briefe geschickt, in denen eine größere Unabhängigkeit der Direktoren angemahnt wurde. Ansonsten, so die Drohung, werde man die Wiederwahl der missliebigen Direktoren verweigern. Mit auf der Liste: Bekannte Konzerne wie Johnson & Johnson Chart zeigen, Honeywell Chart zeigen, Lockheed Martin oder Apple Computer Chart zeigen.

Wie unabhängig sind die Prüfer?

Der Pensionsfond kritisiert vor allem die Arbeit der audit committees. Diese Unterausschüsse der Boards sind für die Zusammenarbeit mit den - formell unabhängigen - Wirtschaftsprüfern zuständig, die den Jahresabschluss testieren.

In vielen Fällen erhalten Prüfungsgesellschaften von dem Unternehmen, dass sie durchleuchten sollen, Aufträge für lukrative Beratungsdienstleistungen in Millionenhöhe - nicht gerade ein Anreiz, dem Kunden bei bilanziellen Unregelmäßigkeiten auf die Füße zu treten. Auch Buffett hat als Mitglied des audit committee von Coca Cola entsprechende Deals abgenickt.

Calpers fordert, Wirtschaftsprüfer nicht mehr gleichzeitig als Consultants einzusetzen, um so möglichen Interessenkonflikten vorzubeugen. "Nichts ist uns wichtiger, als eine ordnungsgemäße Prüfung der Bilanz", sagte Calpers-Fondsmanagerin Christy Wood gegenüber dem "Wall Street Journal", "Wenn wir den Zahlen nicht trauen können, ist es nur ein Frage der Zeit, bis wir den nächsten Fall wie Enron oder Adelphia haben."

Während der Hauptversammlung der Coca-Cola-Aktionäre in Wilmington (Delaware) war der Angriff von Calpers auf Board-Mitglied Warren Buffett Thema Nummer Eins. Aktionäre stellten Buffets Unabhängigkeit auch deshalb in Frage, da zu dessen Investment-Holding Berkshire Hathaway auch das Großhandelsunternehmen McLane sowie die Restaurantkette Dairy Queen gehören. Beide betreiben Geschäfte mit Coca-Cola. Buffett wurde zwar ebenso wie die anderen 15 Board-Mitglieder wiedergewählt - doch mit nur rund 85 Prozent Zustimmung erhielt er den stärksten Gegenwind.

Bei Apple soll das gesamte Board gehen

Steve Jobs: Herbe Kritik an der  Optionspolitik bei Apple
AP

Steve Jobs: Herbe Kritik an der Optionspolitik bei Apple

Ähnlich hoch her gehen wird es am Donnerstag bei Apple Chart zeigen. Dort hat Calpers gleich dem gesamten Board seine Gunst entzogen - unter den Direktoren sind auch Firmenchef Steve Jobs und Ex-Vizepräsident Al Gore. Hintergrund ist, dass sich das Unternehmen hartnäckig weigert, Aktienoptionen als Personalkosten zu bilanzieren.

Auch Jobs dürfte den Angriff von Calpers überstehen und seinen Direktorenposten behalten. Um einen Wechsel durchzusetzen, hält der Fonds zu wenig Aktien: Seine Beteiligung an großen US-Konzernen ist auf maximal ein Prozent der Anteile begrenzt. Dennoch ist die Signalwirkung immens, denn Calpers zieht allein auf Grund seiner Größe und seines Ansehens Aufmerksamkeit auf sich.

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