Kritische Berichterstattung WAZ wirft RAG Anzeigen-Entzug vor

Geld regiert die Welt: Die WAZ-Mediengruppe beklagt, dass der Kohlekonzern RAG der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung" massenweise Anzeigen gestrichen hat. Der Verlag wittert dahinter eine Strafaktion, weil das Blatt kritisch über RAG-Chef Werner Müller berichtet hatte.


Essen - Bei kleineren Zeitungen ist das gang und gäbe: Kritische Berichte über regionale Unternehmen haben immer wieder den Entzug von Anzeigen zur Folge. Doch diesmal trifft es offenbar einen großen Player: die WAZ-Mediengruppe, in der die "Westdeutsche Allgemeine Zeitung" erscheint.

Druckerei der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung": Hinweise auf eine Abstrafung
DPA

Druckerei der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung": Hinweise auf eine Abstrafung

Die Vorwürfe richten sich gegen den Mischkonzern RAG, die frühere Ruhrkohle AG. In der jüngsten Kampagne zum künftigen Namen der RAG seien in vergleichbaren Zeitungen drei Mal so viele Anzeigen geschaltet worden wie in den WAZ-Titeln, sagt Paul Binder, der Sprecher der WAZ-Mediengruppe. Der "WAZ" seien dadurch Anzeigen im Wert von einer Million Euro entgangen.

Binder führt die Anzeigenpolitik der RAG darauf zurück, dass in der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung" kritisch über RAG-Chef Werner Müller berichtet worden war.

Die RAG wies dies zurück. "Der Vorwurf der WAZ-Gruppe ist für uns weder nachvollziehbar noch trifft er zu", sagte eine Sprecherin. Die RAG schalte im Rahmen der laufenden Kampagne in 32 Zeitungen und Zeitschriften Anzeigen. In verschiedenen Titeln der WAZ-Gruppe seien dabei insgesamt 15 Seiten geschaltet worden. Damit liege sie auf Platz vier.

Die Mediengruppe bleibt jedoch bei ihrer Darstellung. Demnach soll es bei Gesprächen mit RAG-Verantwortlichen Hinweise auf eine Abstrafung gegeben haben.

Bodo Hombach, Geschäftsführer der WAZ und früherer Kanzleramtschef, sagte: "Jeder kann sein Geld ausgeben, wie er will. Auf uns macht das keinen Eindruck. Wir schützen unsere Journalisten sowohl vor Einflussnahme durch Anzeigenschaltung als auch durch Anzeigenentzug."

wal/dpa-AFX



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