Kür der frechsten Werbelüge Wie ein "gesunder Durstlöscher" aus der Reklame verschwand

Die Verbraucherorganisation Foodwatch kürt die dreisteste Werbelüge. Ein heißer Kandidat ist ein "gesunder Durstlöscher" von Eckes-Granini - was der Getränkehersteller wenig schmeichelhaft findet. Inzwischen ist der Slogan weitgehend verschwunden.

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Hamburg - So eine schnelle Reaktion hatte Foodwatch dann doch nicht erwartet. Am 20. Februar hat die Verbraucherorganisation ihre Internet-Wahl der "dreistesten Werbelüge des Jahres" gestartet. Fünf Produkte schickten die Berliner ins Rennen um den sogenannten "Goldenen Windbeutel 2009". Per Internet-Abstimmung sollen die Verbraucher jenes Produkt bestimmen, von dem sie sich am meisten in die Irre geführt sehen.

Einer der fünf Kandidaten: der "Frucht-Tiger" von Eckes-Granini. Der angeblich "gesunde Durstlöscher" sei ein Getränk, das die zahnschädigende Zitronensäure E330 und den umstrittenen Süßstoff Aspartam enthalte, kritisiert Foodwatch. Mit einem freundlichen Schreiben unterrichtete man deshalb das Unternehmen von der Nominierung - und bekam eine prompte Antwort.

Unternehmen wehrt sich gegen Nominierung

"Nur wenige Stunden, nachdem wir das Unternehmen per Fax informiert und unsere Abstimmung ins Netz gestellt hatten, haben wir einen Anruf von der PR-Agentur von Eckes-Granini bekommen", sagt Martin Rücker von Foodwatch. In einem nachfolgenden Schreiben wurde auf einen Verpackungs-Relaunch hingewiesen. "Da die neue Verpackung das Getränk inzwischen nicht mehr als 'gesunden Durstlöscher' bewirbt, wurden wir nachdrücklich gebeten, die Nominierung zurückzuziehen", sagt Rücker.

Tatsächlich hat der führende Hersteller von Fruchtsäften in Europa im vergangenen Jahr die Verpackung seiner "Frucht-Tiger" geändert und druckt den Slogan "Gesunder Durstlöscher" nicht mehr direkt auf die Packungen. Die alten Produkte seien "im überwiegenden Teil des Handels" nicht mehr vertreten.

"Trotzdem wirbt das Unternehmen im Netz noch immer mit genau diesem Spruch", sagt Rücker. Vor allem an sensiblen Stellen wie den "Elterninformationen" sei zu diesem Zeitpunkt immer noch von einem gesunden Getränk gesprochen worden - weshalb Foodwatch dem Unternehmen freundlich mitteilte, man könne zwar eine Aktualisierung vornehmen, werde das Produkt aber nicht von der Nominierung zurückziehen.

Eine E-Mail, die Wirkung zeigte: "Danach wurde die deutsche Seite fruchttiger.de geändert. Auf der internationalen Seite fruchttiger.com oder auf der österreichischen Firmenpräsenz eckes-granini.at werden die Verbraucher jedoch schamlos weiter mit dem Hinweis auf einen 'gesunden Durstlöscher' in die Irre geführt", sagt Rücker. Trotzdem beschwerte sich das Unternehmen, Foodwatch würde "eine Verpackung vortäuschen, die es so nicht mehr gibt".

"Jeder Zahnarzt würde mit den Ohren schlackern"

Ein Vorwurf, den die Verbraucherschützer nicht gelten lassen: "Das Produkt ist dasselbe geblieben. Eckes-Granini gibt mit seiner Verpackungsänderung sogar indirekt zu, dass der 'Frucht-Tiger' nicht gesund ist. Trotzdem wird die irreführende Werbung nicht überall abgestellt", sagt Rücker. "Auch auf der deutschen Seite ist weiter vom 'Durstlöscher für jeden Tag die Rede' - jeder Zahnarzt würde mit den Ohren schlackern." Deshalb werde Foodwatch die Nominierung in jedem Fall aufrecht erhalten.

Auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE wollte sich das Unternehmen weder zu seiner Reaktion noch zu dem Negativpreis äußern. "Wir stehen zu den hohen, überprüfbaren Qualitätsmaßstäben, die wir an unsere Produkte anlegen, und zu den Inhalten unserer Qualitätsaussagen", sagte eine Sprecherin nur.

Ähnlich zurückhaltend reagierten die Hersteller der vier anderen Produkte, die von Foodwatch nominiert wurden. Sie antworteten entweder gar nicht auf Anfragen von SPIEGEL ONLINE oder ließen - wie Danone - mitteilen, man nehme grundsätzlich keine Stellung zu "Promotion-Aktionen".

Aus Sicht der Unternehmen der richtige Weg - denn tatsächlich dürfte die zweifelhafte Auszeichnung den Umsatz nicht unbedingt ankurbeln. Vor diesem Effekt müssen sich neben dem "Frucht-Tiger" noch vier weitere Produkte fürchten. Im Rennen um den "Goldenen Windbeutel" sind:

  • Der Joghurtdrink Actimel von Danone: Das "vermeintliche Wundermittel gegen Erkältungen" sei drei bis vier Mal so teuer wie normaler Naturjoghurt und eine "echte Zuckerbombe", kritisiert Foodwatch.
  • Der Gourmet-Genießerkuchen von Bahlsen: Statt der beworbenen "besonderen Kombination erlesener Zutaten" enthalte das Produkt "vor allem Zusatzstoffe, Aromen - und Eier, die aus Käfighaltung stammen", begründet Foodwatch die Nominierung.
  • Bertolli Pesto Verde von Unilever: In dem kleinen Gläschen Nudelsoße, das ein "Klassiker nach original italienischer Rezeptur" sein soll, befinden sich nach Recherchen von Foodwatch nur "winzige Alibi-Mengen" an Pinienkernen und Olivenöl und stattdessen "billige Ersatzzutaten" wie Sonnenblumenöl und Cashewnüsse.
  • Biene Maja von Bauer: Was wie ein "gesundes Milchprodukt" für Kinder aussieht, sei eine "echte Zuckerbombe", kritisiert Foodwatch. Pro Liter enthalte der Joghurtdrink 44 Stück Würfelzucker. Dagegen sei ein Liter Cola mit 28 Stück Würfelzucker ein regelrechtes Diätgetränk.

Welches der fünf Produkte die Auszeichnung letztlich bekommt, können die Verbraucher noch bis zum 19. März bestimmen.



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