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Kurs-Crash: Panik an den Börsen - Dow Jones mit historischem Verlust

Ausverkauf an den Weltbörsen: Der US-Leitindex Dow Jones hat zeitweilig über 800 Punkte verloren, mehr als je zuvor. Auch der Dax bricht weg, gibt sieben Prozent ab - Europas Aktienmärkte sind binnen eines Tages noch nie so rasant gefallen wie heute.

New York - Der Dow-Jones-Index Chart zeigen der Standardwerte gab bis um 20.45 Uhr deutscher Zeit um mehr als sieben Prozent auf 9541 Punkte ab - ein Minus von zeitweilig über 800 Punkten. Vor genau einer Woche hatte der Leitindex mit einem Verlust von 778 Punkten einen Negativrekord aufgestellt. Gegen 21.15 Uhr hatte sich der Index leicht erholt, notierte aber immer noch mit 620 Punkten im Minus.

Händler vor der US-Börse NYSE: Finanzhilfen von Regierung und Notenbanken helfen nicht
AFP

Händler vor der US-Börse NYSE: Finanzhilfen von Regierung und Notenbanken helfen nicht

Der breiter gefasste S&P-500-Index notierte 7,7 Prozent schwächer bei 1013 Zählern. Der Index der Technologiebörse Nasdaq Composite Chart zeigen verlor 8,2 Prozent auf 1787 Stellen.

Die weiteren Finanzhilfen der US-Notenbank Fed halfen in den USA demnach nur bedingt: Bei den Händlern überwogen die Sorgen vor weiteren Belastungen im Rahmen der Finanzkrise. Die Fed hatte vor Börsenbeginn eine Reihe zusätzlicher Maßnahmen angekündigt, um die Liquiditätsversorgung der kriselnden Geld- und Kreditmärkte sicherzustellen. Unter anderem weitet die Notenbank ihre Dollarauktionen auf 150 Milliarden Dollar aus und zahlt den Banken künftig 1,9 Prozent Zinsen auf die bei ihr hinterlegten Mindestreserven.

Nach hohen Verlusten an den Börsen in Asien und Europa herrscht nun auch an der Wall Street miserable Stimmung. "Die Angst, angesteckt zu werden, wird täglich größer, deshalb fallen die Kurse", sagte Peter Cardillo von Avalon Partners. "Wir sehen keine signifikante Verbesserung bei den Kosten, zu denen sich Banken gegenseitig Geld leihen. Das heißt, der Kreditmarkt ist weiter blockiert." Händler fürchteten, dass die anhaltende Finanzkrise auch die reale Wirtschaft immer stärker belastet. Der sinkende Ölpreis sei ein Zeichen für das Abkühlen der Weltwirtschaft, sagte Cardillo.

Zuvor waren bereits die Aktienmärkte von Asien bis Europa teils massiv eingebrochen, in Brasilien lösten die Börsenturbulenzen eine Panik aus. In Deutschland hatten die neuen Milliardenhilfen für den Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate Chart zeigen (HRE) einen Ausverkauf bei Finanzwerten ausgelöst. In der Folge stürzte auch der Dax Chart zeigen ab. In Frankfurt ging der Leitindex 7,1 Prozent leichter mit 5387 Punkten aus dem Handel. Er verbuchte damit den größten Tagesverlust seit Januar.

Mit Abstand die größten Verluste verbuchten die HRE-Papiere, die 37,42 Prozent auf 4,70 Euro einbüßten. "Das Management hat das Vertrauen endgültig verspielt. Man kann bei der Hypo Real Estate nichts mehr berechnen", sagte Analystin Susanne Knips von der Dresdner Bank.

In der Nacht zum Montag hatten sich Bundesregierung und Finanzbranche auf eine Aufstockung der Kreditlinien für die strauchelnde Bank geeinigt. Das zweite Rettungspaket war nötig geworden, weil bei der HRE vergangene Woche unter anderem wegen Rating-Herabstufungen ein höherer Refinanzierungsbedarf entstanden war.

Im Sog der HRE-Krise mussten auch die übrigen Finanzwerte kräftig Federn lassen. Die Aktien der Commerzbank Chart zeigen verloren 16,08 Prozent auf 11,90 Euro. Allianz-Titel Chart zeigen rutschten um 9,7 Prozent auf 88,48 Euro ab. Die im Nebenwerte-Index MDax Chart zeigen gelistete Aareal Bank Chart zeigen verbuchte sogar ein Kursminus von 21,89 Prozent auf 7,35 Euro.

Panik in Brasilien, Kursverluste in Asien

An Brasiliens Börse herrschte zeitweise sogar die nackte Panik: Schon 18 Minuten nach dem Beginn der Geschäfte wurde der Handel am größten Aktienmarkt Lateinamerikas ausgesetzt, nachdem der Leitindex Bovespa einbrach. Der so genannte Circuit Breaker wird in der südamerikanischen Wirtschaftsmetropole bei einer Veränderung von mehr als zehn Prozent automatisch benutzt, um die Marktteilnehmer zu beruhigen. Nach einer halben Stunde wurde der Handel wieder aufgenommen.

Die Sorgen über die Auswirkungen der Bankenkrise auf die reale Wirtschaft hatten auch an den asiatischen Börsen für Verluste gesorgt. Der 225 führende Werte umfassende Nikkei Chart zeigen schloss bei 10.473 Punkten mit 4,3 Prozent im Minus. Der Hang Seng Chart zeigen in Hongkong verlor bis Handelsschluss knapp 5 Prozent. In Indonesien brachen die Kurse mit rund 10 Prozent so stark ein wie seit der Asienkrise vor zehn Jahren nicht mehr.

cvk/Reuters/dpa-AFX/dpa

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