Kursrutsch Siemens-Chef investiert Millionen in eigene Aktien

Der Kurs ist unten, der Zeitpunkt günstig: Siemens-Chef Löscher und Finanzvorstand Kaeser haben sich mit Papieren des Konzerns eingedeckt. Zuvor war die Aktie nach einer Gewinnwarnung in den Keller gerauscht. Doch die Manager hoffen auf bessere Zeiten und steigende Kurse.


München - Seit Peter Löscher bei Siemens an der Macht ist, ist der Wert des Technologie-Konzerns um rund 37 Milliarden Euro geschrumpft. Heute zwang eine großangelegte Aktion zur Bereinigung von Altlasten das Unternehmen zu einer Gewinnwarnung. Die Ankündigung, der Konzern erwarte im laufenden Geschäftsjahr Belastungen von fast einer Milliarde Euro, ließ die Aktie um 17 Prozent auf 67 Euro einbrechen. Damit wurden 14 Milliarden Euro vom Börsenwert des Münchner Unternehmens vernichtet.

Peter Löscher: "Aufarbeitung der Vergangenheit"
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Peter Löscher: "Aufarbeitung der Vergangenheit"

Siemens-Chef Peter Löscher und Finanzvorstand Joe Kaeser nutzten den Preisverfall und deckten sich privat mit Siemens-Titeln ein. Allein der Konzernchef kaufte Siemens-Aktien im Wert von 3,3 Millionen Euro. Kaeser erwarb 3000 Stück für 198.000. "Unser Unternehmen hat ein gewaltiges Potential", sagte der Finanzvorstand.

Das Debakel lasten die Manager ihren Vorgängern an, insbesondere Klaus Kleinfeld. Dieser habe vor seinem Abschied die Zahlen in die Höhe getrieben und sich mit einem tollen Ergebnis verabschiedet. "Was wir hier vor uns liegen haben, ist die Aufarbeitung der Vergangenheit", sagte Löscher.

Aufgrund der ohnehin dünnen Personaldecke sei aber nicht von einem Stellenabbau auszugehen. Betriebsratschef Ralf Heckmann zeigte sich dennoch besorgt, dass der Gewinneinbruch Jobs kosten könne. "Ich bin wütend darüber, dass die Firmenleitung weder den Wirtschaftsausschuss noch den Aufsichtsrat über so weitreichende Entscheidungen rechtzeitig vorgewarnt hat."

Auf die Gewinne wirkten sich vor allem die Probleme bei der Anwerbung erfahrener Ingenieure in der Kraftwerkssparte negativ aus. Siemens hatte nach 2004 für mehrere Großprojekte den Zuschlag erhalten, diese wegen des Ingenieurmangels aber nicht zügig vorantreiben können. Auch belasteten steigende Rohstoffkosten das Kraftwerksgeschäft.

Nach Angaben Löschers hat Siemens daneben auch Probleme in der Verkehrssparte. Dort wirkten sich Verzögerungen bei der Auftragsvergabe von Großprojekten negativ aus, wie bei der Verlängerung der chinesischen Transrapid-Strecke von Shanghai zum Flughafen Pudong. Des Weiteren habe es technische Probleme mit der Niederflur-Straßenbahn Combino gegeben. Probleme habe zudem ein Vertrag mit einem britischen Kunden für IT-Dienstleistungen bereitet.

sil/Reuters/dpa



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