Landgrabbing in Rumänien Im Paradies für Spekulanten

Rumänien ist zu einem heißen Tipp für internationale Investoren geworden. Touristisch attraktive Lagen, aber vor allem Ackerland gelangen in die Hände von Kapitalanlegern - zulasten der Einheimischen.

Von Ira Beetz


Rumänien ist zu einem Paradies für Spekulanten geworden. Eine Gesetzesänderung im Jahr 2014 machte das möglich. Seitdem gilt Landnahme in Rumänien als populärer Geheimtipp für gewinnversprechende Kapitalanlagen innerhalb des internationalen Jetsets. Vor allem Ackerland, aber auch touristisch attraktive Lagen, etwa am Schwarzen Meer, sind seitdem im großen Stil in die Hände europäischer und asiatischer Investoren gelangt, die sich an den günstigen Preisen und den niedrigen Lohnkosten vor Ort erfreuen.

Kürzlich erst hat ein libanesischer Investor 65.000 Hektar Land, eine Fläche beinahe so groß wie Hamburg, gekauft. Die Libanesen sind damit die größten Farmer Rumäniens. Von dort liefern sie Fleisch und Getreide in den Nahen Osten und nach Afrika, ein hochprofitables Geschäft. Denn das weltweite Bevölkerungswachstum führt dazu, dass die Preise für Nahrungsmittel rasant steigen.

Rumänien ist beispielhaft für einige junge EU-Länder, in denen Investoren aus aller Welt um riesige Grundstücksflächen buhlen. Der große Run auf Land, das sogenannte Landgrabbing, spielt sich längst nicht mehr nur in der Dritten Welt ab.

Leidtragende der Entwicklung in Rumänien sind die heimischen Kleinbauern, die meist aus finanzieller Not verkaufen mussten. Die wenigen, die sich dem Trend verweigern, sind auf dem heimischen Markt kaum noch wettbewerbsfähig, weil aus dem EU-Ausland importierte Lebensmittel durch Subventionen günstiger angeboten werden. Eine Mitschuld - sagen Kritiker wie Oxfam oder Greenpeace - trägt auch die EU-Politik. So werden Investoren jährlich mit Prämien von mehreren Hundert Euro pro Hektar belohnt, wenn sie die Fläche landwirtschaftlich nutzen.

Erfahren Sie mehr zu dem Thema an diesem Donnerstagabend in der Produktion von SPIEGEL TV auf Arte.

Landgrabbing - 29.6. 2017, 19.40 ARTE

Eine Reportage von Detlev Konnerth
Kamera: Jürgen Staiger Schnitt: Detlev Konnerth, Anika Mey
Deutschland 2017
Eine Produktion von Spiegel TV
Redaktion ZDF/ARTE: Susanne Mertens



insgesamt 22 Beiträge
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Seite 1
women_1900 29.06.2017
1. zu Landgrabbing: Agrosprit ist nicht essbar
Trotz fehlender Ernährungssicherheit für die Bevölkerung, will die deutsche Acazis AG in Äthiopien Energiepflanzen anbauen http://land-grabbing.de/triebkraefte/agrosprit/fallbeispiel-deutsche-acazis-ag-in-aethiopien/ und auch https://www.amnesty.ch/de/ueber-amnesty/publikationen/magazin-amnesty/2012-4/ausverkauf-in-aethiopien http://land-grabbing.de/land-grabbing/ deutscher Biosprit ist mit eine der Fluchtursachen. Ein gutes Gewissen für Umwelt wird mit dem anderen guten Gewissen der Willkommenskultur erkauft. Humanität aber ist, was den Menschen in ihrer Heimat ein Ein- und Auskommen ermöglicht.
quark2@mailinator.com 29.06.2017
2.
Tja, die Meeresküsten und Gebirge in Rumänien und Bulgarien sind einfach nicht mehr, was sie mal waren. Deswegen fahr ich auch nicht mehr hin.
brux 29.06.2017
3. Gaaanz schrecklich
Wieder mal die böse EU. Ich würde das eher als normale Marktwirtschaft bezeichnen. Kleinbauern haben keine Zukunft. Und gibt es in Rumänien keine Kooperativen? Irgendwo stand vor nicht langer Zeit, dass die Chinesen massenhaft französische Weingüter kaufen. Ende der Welt, wie wir sie kennen. Bloss das Schloss hier in dem französischen Kaff 100 östlich von Toulouse, wo ich lebe, findet einfach keinen Käufer. Trotz 40 ha mit alten Reben. Der Kaufpreis ist jetzt 700.000 Euro, runter von 4 Mio. vor 2 Jahren.
andi2012 29.06.2017
4. Immer dasselbe Spiel
Wie auch schon in Polen vor Jahren. Investoren kaufen sich ein, die kleinbäuerliche Landwirtschaft verschwindet, da sie nicht mehr wettbewerbsfähig ist, angesichts der dauersubventionierten Produkte aus dem "Westen", Monokulturen entstehen. Der Holzeinschlag in den rumänischen Wäldern hat zugunsten unserer heimischen Kaminöfen und Pelletproduktion katastrophale Ausmaße angenommen. Es wäre Sache der rumänischen Regierung hier einen Riegel vorzuschieben bevor dieses schöne Land kaputt geht. Es wäre Sache der EU endlich einmal mit den irrwitzigen Landwirtschaftssubventionen aufzuhören, die bestehende Strukturen zerstört und gleichzeitig uns EU Steuerzahler zu Gunsten einer kleinen aber einflußreichen Agrarlobby belastet. Ein Grund warum ich diese EU ablehne.
Over_the_Fence 29.06.2017
5. Jaja, die undankbaren Osteuropäer...
Genau das sind die Themen, weshalb ich die aktuellen "finanziellen Züchtigungsvorschläge" diverser westeuropäischer Politiker in Sachen Osteuropa als absolut unangebracht finde. Die EU-Fördergelder sind nämlich i.d.R. keine großzügigen Almosen der Geberländer, sondern das Schmerzensgeld dafür, daß man seine Märkte westlichen Investoren und Konzernen überlässt
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