Lebensmittel Kunde entdeckte Giftpflanze im Salat

Gefährlicher Fund im Supermarkt: In einer Salatmischung des Discounters Plus hat ein Kunde das leberschädigende Gemeine Greiskraut entdeckt. Der Händler nahm alle Salate dieser Lieferung aus dem Handel - doch Experten fürchten weitere Vorfälle.

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Hamburg - Grün und saftig sah der abgepackte Rucola-Salat aus, der vergangene Woche im Gemüseregal einer Hannoveraner Filale des Discounters Plus auslag. Doch der vermeintliche Vitaminkick hatte es in sich: Zwischen die Rucola-Blätter hatten sich einzelne Stängel des Gemeinen Greiskrauts gemischt - einer giftigen Pflanze, die in größeren Mengen mitunter lebensgefährliche Leberschädigungen hervorrufen kann.

Giftiges Jakobskreuzkraut: Gattung der Greiskräuter
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Giftiges Jakobskreuzkraut: Gattung der Greiskräuter

Das Fatale daran: Laien können das Ackerkraut, das in Deutschland stark verbreitet ist, nicht ohne weiteres von Rucola-Blättern unterscheiden. So hatten auch die Verkäufer des Discounters in der vergangenen Woche keinen Verdacht geschöpft. Ein fachkundiger Kunde jedoch erkannte die gefährlichen Blätter des gelb-blühenden Krauts und kaufte sicherheitshalber sämtliche im Markt vorrätige Packungen auf. Die fünf Proben schickte er zur Analyse ans Pharmazeutische Institut der Universität Bonn.

"Das Ergebnis der Proben ist erschreckend", sagt Helmut Wiedenfeld von der Uni Bonn. In rund 150 Gramm Salat habe er mehr als 2500 Mikrogramm Gift aus dem Kreuzkraut entdeckt. Der Gesetzgeber schreibt jedoch vor, dass ein Mensch pro Tag maximal ein Mikrogramm dieses Giftstoffs über Arzneimittel und Kräutertees zu sich nehmen darf. Schwangere und Stillende sollten sogar deutlich unter diesem Wert bleiben - oder erst gar nicht damit in Berührung kommen.

Ein Grund, warum auch die Behörden in Hannover alarmiert sind. Nach Angaben eines Sprechers des für Lebensmittelsicherheit zuständigen Fachdienstes Verbraucherschutz und Veterinärwesen wurden inzwischen alle Supermärkte in und um Hannover auf den Fund aufmerksam gemacht und dazu aufgefordert, die angelieferten Salate zu untersuchen. Darunter auch der betroffene Discounter Plus. Außerdem seien die Behörden des Bundeslandes, aus dem der Salat-Lieferant kam, informiert worden. Dort habe es daraufhin ebenfalls Kontrollen gegeben. Um welches Bundesland es sich handelte, wollte der Sprecher nicht sagen.

"Wir haben die betroffene Charge komplett aus dem Sortiment genommen, um jedes Risiko auszuschließen", sagte Plus-Sprecherin Christina Stylianou SPIEGEL ONLINE. Der Lieferant des Salates sei kontaktiert worden und um eine stärkere Kontrolle der Lebensmittel gebeten worden. "Auch andere Lieferanten haben wir auf das Problem aufmerksam gemacht."

Doch dem Experten Wiedenfeld von der Uni Bonn reicht das nicht aus. Er vermutet, dass es noch weitere Fälle dieser Art gibt, die aber unentdeckt blieben. "Es muss dringend überprüft werden, auf welchem Weg das Gemeine Greiskraut in den Salat gelangt ist, und ob das nochmal passieren kann", sagt er.

Tatsächlich wurde bereits im Jahr 2007 schon einmal giftiges Kreuzkraut in einer abgepackten Salatpackung gefunden. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) überprüfte damals den Fall und bestätigte, dass "Gemeines Greiskraut bei Mensch und Tier lebensbedrohliche Leberschäden verursachen kann". Im Tierversuch wirkten die giftigen Substanzen gar krebserregend. Seitdem rät die Behörde zu besonderer Sorgfalt bei der Ernte und der Zubereitung von Salat, Blattgemüse und Kräutern. "Verbraucher sollten diese vor dem Verzehr gut putzen und waschen sowie Pflanzenteile aussortieren, die keinen essbaren Pflanzen zugeordnet werden können", heißt es in einer Empfehlung des BfR.

"Es kann doch nicht sein, dass eine Bundesbehörde vor einer Sache warnt und dann nichts weiter unternimmt", empört sich Wissenschaftler Wiedenfeld über diese Reaktion. Mit seiner Meinung steht er nicht allein da. Auch die FDP ist auf das Problem aufmerksam geworden - und fordert Konsequenzen. "Die Bundesregierung ist aufgefordert, gemeinsam mit den Ländern sicherzustellen, dass keine Salatpackungen in den Handel gelangen, die mit Pflanzenteilen des Kreuzkrauts verunreinigt sind", sagte FDP-Agrarexpertin Christel Happach-Kassan SPIEGEL ONLINE.

Doch sowohl im BfR als auch im Bundesministerium für Verbraucherschutz sieht man keinen konkreten Handlungsbedarf. Das Problem sei zwar bekannt, aber es sei Aufgabe der Länder zu überprüfen, ob Lebensmittel sicher seien, heißt es einhellig aus beiden Behörden. Zudem seien die Lebensmittelüberwachungsbehörden nicht dazu verpflichtet, das Ministerium zu informieren.

Für Happach-Kasan ist das ein Armutszeugnis: "Das Lebensmittelmonitoring ist sehr wohl Aufgabe von Verbraucherministerin Ilse Aigner." Experte Wiedenfeld fügt hinzu: "Seit wann machen Pflanzen vor Ländergrenzen Halt?"



Forum - Wie gut sind unsere Lebensmittel?
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Silvia, 09.07.2009
1.
Tja, ob Gesetze etwas bringen, ist fraglich. Noch mehr solcher abstrusen Gesetze, die krumme Gurken und nicht DIN-genormte Bananen verbieten, brauchen wir jedenfalls nicht. Ich denke, es muss grundsätzlich etwas passieren, damit man vom reinen Profitstreben endlich weg kommt. Das ist auch ein Umdenkprozess bei der Bevölkerung, dass sie nicht alles gedankenlos in sich hineinstopft. Also, da bin ich mittlerweile empfindlicher geworden. Mais kaufe ich nur noch aus biologischem Anbau, seitdem sich Gen-Mais breit macht. Und nachdem ich einmal einen Film über die Machenschaften von Monsanto gesehen habe, bin ich geprickt. Oder diese ganze Bio-Piraterie und dieses merkwürdige Patentwesen, dass es Großkonzernen erlaubt, uraltes Menschheitswissen für sich zu beanspruchen und zu vermarkten wie es z. B. beim Neem-Samen (http://umweltinstitut.org/gentechnik/patentierung/erfolg-gegen-biopiraterie-europaisches-patentamt-widerruft-endgultig-patent-auf-neem-ol-204.html) durch die Firma Grace versucht wurde, sowas finde ich widerwärtig. Das sind für mich alles Gangster. Das gehört sich einfach nicht! Und sowas versuche ich, wenn es irgend geht, mit meiner kleinen, wahrscheinlich in der Masse unbedeutenden Kaufverweigerung zu demonstrieren. Aber mehr kann ich nicht tun.
ender, 09.07.2009
2.
Zitat von sysopSchon wieder klagen Verbraucherschützer über die Qualität der Lebensmittel in Deutschland. Mal ist nicht drin, was draufsteht, dann werden Billigerzeugnisse zu überteuerten Preisen angeboten. Was denken Sie - muss das Lebensmittelrecht verschärft werden?
Die Lebensmittel sind gut. Die Richter sind schlecht. Wenn jemand etwas anderes draufsteht als drinnen ist, dann ist das schwerer gewerbsmäßiger Betrug. Es sei denn es ist etwas besseres drinnen als draufsteht. Man braucht kein anderes Lebensmittelrecht, sondern Richter, die Betrug als Betrug bestrafen. Ohne Ausnahme. ender
the Poodle chews it, 09.07.2009
3.
Zitat von sysopSchon wieder klagen Verbraucherschützer über die Qualität der Lebensmittel in Deutschland. Mal ist nicht drin, was draufsteht, dann werden Billigerzeugnisse zu überteuerten Preisen angeboten. Was denken Sie - muss das Lebensmittelrecht verschärft werden?
Eine Verschärfung des Lebensmittelrechtes verbessert weder die Lebensmittel selbst noch die Interessen des Verbrauchers. Der einzige Effekt ist der, daß Händler, die nicht den großen Handelsketten angeschlossen sind, unter'm bürokratischen Aufwand Fehler machen und Marktverbot (http://www.abendblatt.de/hamburg/article1087061/Marktverbot-Kunden-kaempfen-fuer-Haendler.html) erhalten...
Gaztelupe, 10.07.2009
4.
Zitat von sysopSchon wieder klagen Verbraucherschützer über die Qualität der Lebensmittel in Deutschland. Mal ist nicht drin, was draufsteht, dann werden Billigerzeugnisse zu überteuerten Preisen angeboten. Was denken Sie - muss das Lebensmittelrecht verschärft werden?
Es wäre viel interessanter, würden sich die Ansprüche des Verbrauchers verschärfen.
inci 10.07.2009
5.
Zitat von sysopSchon wieder klagen Verbraucherschützer über die Qualität der Lebensmittel in Deutschland. Mal ist nicht drin, was draufsteht, dann werden Billigerzeugnisse zu überteuerten Preisen angeboten. Was denken Sie - muss das Lebensmittelrecht verschärft werden?
nein, muß es nicht. es würde schon ausreichend sein, wenn die verbraucher einfach mal auf die packung schauen, was sie da eigentlich kaufen. so steht z.b. seit jahrzehnten schon auf den verpackungen als zutat "formschinken", sogar in pizzerien steht das auf der speisekarte. auch der analogkäse ist beim einkauf zu erkennen. da steht nämlich milcherzeugnis drauf und nicht käse. wer zu dämlich ist, den unterschied zwischen milcherzeugnis und käse nicht kennt, dem ist sowieso kaum zu helfen. gleiches gilt für formschinken. das war in den 70ern schon ein "skandal". überhöhte preise haben allerdings mit dem lebensmittelrecht nun so viel zu tun, wie eine kuh mit dem tanzen. überhöhte preise wird es immer geben, das liegt am system. das ist kapitalismus. es liegt am verbraucher selbst, ob er sich produkte zu überhöhten preisen kauft. es gibt, neben billigerzeugnissen, auch eine ganze reihe anderer produkte, die zu überhöhten preisen angeboten und verkauft werden. kauft der kunde ein produkt nicht, wird es vom markt verschwinden. kauft er es doch, bleibt es dem markt erhalten. alternativ kann man aber auch den "armen" verbraucher auch gerne weiter vor sich selbst schützen, und gründet eine staatliche preisfindungskommission, die einheitspreise für alle produkte festlegt. und so wie die welt derzeit gestrickt ist, halte ich das durchaus nicht für unrealistisch.
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