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Lebensmittelskandal: Greenpeace deckt Pestizid-Händlerring auf

Verdeckte Rechercheure von Greenpeace sind einem neuen Lebensmittelskandal auf der Spur: Ein kriminelles Netz von Händlern verkaufte nach Angaben der Umweltschutzorganisation illegale Pestizide. Zu den Verkäufern zählten sogar Anbieter des Raiffeisen-Verbandes.

Hamburg - Ein kriminelles Netz von Händlern vertreibt nach Darstellung der Umweltschutzorganisation Greenpeace verbotene Pestizide in Süddeutschland und dem Elsass. "Die Kunden der Gifthändler sind skrupellose Bauern, die die Pestizide illegal auf Obst oder Gemüse verspritzen", sagte Manfred Krautter, Chemie-Experte von Greenpeace, heute in Berlin.

Die 38 von Greenpeace sicher gestellten Spritzmittelpackungen enthielten elf in Deutschland und drei auch EU-weit verbotene Wirkstoffe. Die Umweltorganisation will nach eigenen Angaben Anzeige wegen Verstoßes gegen das Pflanzenschutzgesetz und des Verdachts auf Steuerhinterziehung erstatten.

Elf Händler hätten bei sechsmonatigen Recherchen an ermittelnde Umweltschützer insgesamt etwa 100 Kilogramm Pestizide wie Bifenthrin, Malathion und Diethion, die entweder in Deutschland nie zugelassen waren oder seit vielen Jahren verboten sind, verkauft. Vier dieser Anbieter gehörten zum größten Händler von landwirtschaftlichen Produkten, dem Raiffeisen-Verband. Krautter betonte: "Wir sind entsetzt, dass es ganze Händler-Netzwerke gibt, die stark giftige, krebserregende, die Fortpflanzung und das Hormonsystem schädigende Mittel vertreiben."

Nach Angaben von Greenpeace wurden die giftigen Stoffe gegen Barzahlung und ohne Rechnung verkauft. In manchen Fällen bekamen die Greenpeace-Leute sogar eine Rechnung auf die verbotenen Mittel ausgestellt. Greenpeace dokumentierte die Verkäufe mit Dokumenten und Fotos.

Rückstände solcher Mittel würden immer wieder von Greenpeace und Kontrollbehörden in Lebensmitteln deutscher Herkunft nachgewiesen, betonte der Greenpeace-Experte.

Die Behörden zeigten sich auf Nachfrage der Umweltschützer teils unbeeindruckt von dem illegalen Pestizid-Handel. Auf Anfrage von Greenpeace lehnte es das baden-württembergische Landwirtschaftsministerium ab, Ermittlungsbehörden einzuschalten, teilte Greenpeace mit.

kaz/ddp

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