Lebensversicherer im Vergleich Zwölf Starke, zwölf Schwächere

Bei den Ablaufleistungen der Lebensversicherer gibt es gravierende Unterschiede - sie unterscheiden sich um bis zu 30.000 Euro. Wer einen Vertrag abschließen will, sollte deshalb vorher einen genauen Blick auf die Kostenbilanz der Anbieter werfen.

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Hamburg - Wer sich bei der Auswahl einer Kapital bildenden Lebensversicherung zuvor nicht genau informiert, zieht am Vertragsende womöglich ein langes Gesicht. Denn mit Ablauf der Police überweist ihm sein Lebensversicherer unter Umständen bis zu 30 Prozent weniger Geld als dies die besten der Branche tun. Das geht aus der jüngsten Doppelstudie des Branchendienstes Map-Report hervor.

Map-Report hat dabei zwölf leistungsstarke und zwölf weniger leistungsstarke Versicherer identifiziert. Zur ersten Gruppe zählt die Studie die Unternehmen Allianz Leben, Asstel, Cosmos, Debeka, DEVK a.G., Hannoversche, HUK-Coburg, LV 1871, Neue Leben, R+V, Süddeutsche und Volkswohl-Bund.

Das zweite Dutzend der weniger guten Versicherer bilden folgende Anbieter: AachenMünchener, Axa, Bayern-Versicherung, Deutscher Herold, Gerling, Hamburg-Mannheimer, Iduna, Nürnberger, Provinzial Nordwest, SV Sparkassenversicherung, Victoria und Volksfürsorge.

Grundlage der vergleichenden Analyse ist die Entwicklung bestimmter Merkmale wie zum Beispiel Marktanteil, Kosten (für den Abschluss und die Verwaltung), Nettorendite und Ablaufleistungen für die Jahre 1994 bis 2005.

Auffällig: Die besten Lebensversicherer können ihren Marktanteil im Schnitt weiter steigern, während die anderen - mit Ausnahme der AachenMünchener - zusehends das Nachsehen haben. "Leistungsstarke Versicherer hängen viele Marktgiganten immer schneller ab", schreibt Map-Report-Chef Manfred Poweleit. So hätten die besten Anbieter in den vergangenen zwölf Jahren ihren Marktanteil von 26,52 Prozent auf 31,30 Prozent gesteigert. Der Anteil der schwächeren Versicherer rutschte dagegen von rund 41 Prozent auf 35,93 Prozent ab.

Auffällig auch: Die Allianz Leben Chart zeigen, deren Mutterkonzern den Abbau von mindestens 5000 Stellen allein im Versicherungsbereich plant, konnte ihren im Jahr 2001 auf 14,37 Prozent geschmolzenen Marktanteil auf 16,25 Prozent im vergangenen Jahr wieder ausbauen. "Eine große Vertriebsleistung, aber auch eine peinliche Entwicklung für den Konzernchef", kommentiert Poweleit. Hatte Allianz-Chef Michael Diekmann den Stellenabbau doch auch mit schwindenden Marktanteilen begründet.

Zwischen den Ablaufleistungen liegen Welten

Das gute Unternehmen im Schnitt ihren Marktanteil - sprich ihre Beitragseinnahmen - stärker steigern als die Konkurrenten, dürfte auch mit den gezahlten Ablaufleistungen zusammenhängen. Zwar sind rückwärtsgewandte Betrachtungen kein Blankoscheck auf die künftige Leistungsfähigkeit eines Versicherers. Doch bieten sie dem interessierten Verbraucher zumindest einen Anhaltspunkt und dürften seine Wahl auch zusehends beeinflussen.

So bekäme laut Map-Report ein Mann, der 30 Jahre lang 100 Euro monatlich in eine Kapitallebensversicherung (100 Prozent Todesfallschutz) der Debeka eingezahlt hat, in diesem Jahr 119.000 Euro ausgezahlt, bei der Volksfürsorge wären es lediglich 86.500 Euro. Zwischen der besten und der schlechtesten Ablaufleistung der untersuchten Anbieter liegen also Welten, genau genommen 32.500 Euro. Deutlich über dem Marktschnitt von rund 94.900 Euro können sich auch eine HukCoburg (111.600), eine Neue Leben (109.000) positionieren, wobei der Marktführer Allianz Leben mit rund 96.000 Euro eher durchschnittliche Kost serviert.

Erstaunlich ist, dass sich einzelne Anbieter nach wie vor weigern, detaillierte Daten zu den Ablaufleistungen zu liefern. Diesmal ließen sich weder Axa, Nürnberger noch Bayern-Versicherung in die Karten schauen. Als "Ausrede" interpretiert dabei Poweleit das mitunter vorgebrachte Argument, man konzentriere sich inzwischen auf Fondspolicen. Denn auch bei Fondspolicen käme es auf die Leistungsfähigkeit des Versicherers an. Zwar werde mit dieser Policenform das Kapitalanlagerisiko auf den Kunden abgewälzt. Doch auch der beste Fonds nütze nichts, wenn "zu viele Gebühren im Konzern versickern", moniert Map-Report.

So begründen sich die weit auseinander klaffenden Ablaufleistungen neben dem Ergebnis, das ein Anbieter mit dem Versichertengeld auf dem Kapitalmarkt erzielt, eben auch mit den Kosten eines Versicherers. Von der monatlichen Prämie des Kunden geht zum einen ein Teil für den Todesfallschutz ab, zum anderen zieht der Anbieter von dem Versichertenbeitrag seine Kosten für Verwaltung und Vertrieb ab.

Die Verwaltungen der Hamburg-Mannheimer, der Iduna und der Nürnberger Leben zum Beispiel verschlingen jeweils zwischen rund 4 und 4,36 Prozent der verdienten Bruttobeiträge. Der Marktschnitt kommt mit 3,14 Prozent aus. Die Debeka hat eine Verwaltungskostenquote im Jahr 2005 von 1,58 Prozent und liegt damit nur knapp über der des Direktversicherers Cosmos Direkt (1,45 Prozent).

Bei den Kosten trennt sich die Spreu vom Weizen

Auch bei den Abschlusskosten driften die Sätze weit auseinander. Die durchschnittliche Abschlusskostenquote der untersuchten Unternehmen liegt bei rund 10 Prozent der jährlich verdienten Bruttobeiträge eines Versicherers. "Die Quote gibt die Abschlussaufwendungen in Prozent des Umsatzes wieder. Sie zeigt wie viel Neugeschäft in Relation zur Größe des Unternehmens sich ein Anbieter leistet", erklärt Map-Report-Chef Poweleit im Gespräch mit manager-magazin.de.

Die Nürnberger Leben erzielt hier mit 18,33 Prozent der jährlich verdienten Bruttobeiträge den Spitzenwert unter den untersuchten Unternehmen. Direktversicherer, die via Post, Telefon oder Internet ihre Produkte vertreiben, haben deutlich geringere Abschlusskosten. Für die Hannoversche weist Map-Report hier eine Quote von knapp 3 Prozent aus, bei Cosmos Direkt liegt sie bei rund 5,70 Prozent der jährlich verdienten Bruttobeiträge. Und auch für die Debeka hat Map-Report mit 5,90 Prozent eine sehr gute Quote festgestellt.

Alarmsignal: Hohe Kosten, fallender Marktanteil

Dabei empfiehlt Map-Report, Abschlusskostenquote und Marktanteilsentwicklung immer als Einheit zu sehen. "Wenn ein Versicherer mit seiner Abschlusskostenquote weit über dem Marktschnitt liegt und trotzdem Marktanteile verliert, dann ist dies ein Zeichen dafür, dass etwas im Vertrieb oder mit der Unternehmensstrategie nicht stimmt", sagt Poweleit.

Überdurchschnittliche Wachstumskosten bei sinkenden Marktanteilen deuteten seiner Meinung nach auf "gravierende Probleme" hin. Ein Beispiel sei hier etwa die Hamburg Mannheimer, die seit Jahren Marktanteile verliert, deren Abschlusskostenquote aber deutlich über dem Marktschnitt liegt.

Wenn zugleich die Stornoquote eines Unternehmens dauerhaft über dem Marktschnitt liege, dann sei die Chance auf dauerhafte Kundenzufriedenheit gering. "Dann sind die hohen Abschlusskosten wohl schlecht investiert. Das sollte auch die Aktionäre des Lebensversicherers interessieren", sagt Poweleit.

Wie angedeutet, ist für die Ablaufleistung eines Vertrages auch das Ergebnis wichtig, das ein Unternehmen am Kapitalmarkt erzielt. Wenn ein Anbieter hier über Jahre erfolgreich agiert, lassen sich damit zumindest für einen gewissen Zeitraum höhere Verwaltungs- und Abschlusskosten kompensieren. In diesem Fall kann das Unternehmen seinem Kunden weiter eine gute Gesamtverzinsung (Garantiezins plus Überschussbeteiligung) zahlen. Fällt aber das Ergebnis aus der Kapitalanlage bei konstant hohen Kosten, muss die Gesamtverzinsung zwangsläufig sinken. Damit fällt in der Regel auch die Ablaufleistung geringer aus.

Nahezu durchgehend über dem Markschnitt liegende Kapitalanlageergebnisse seit 1994 weisen unter anderem Allianz, Asstel und Debeka aus. Auch die DEVK und LV 1871 liegen in dieser Langzeitbetrachtung gut im Rennen.

Größe garantiert keinen Erfolg

Auffällig erscheint Poweleit in diesem Zusammenhang, dass die zur Ergo-Gruppe gehörenden Versicherer Hamburg-Mannheimer und Victoria lange Zeit "recht gute" Ergebnisse am Kapitalmarkt erzielten. "Die konnten sich diese Verschwendung bei den Kosten leisten", sagt Poweleit. Von jener Zeit an aber, als die Ergo Chart zeigen und ihr Mutterkonzern Münchener Rück Chart zeigen ihre Kapitalanlagen in der Meag (Munich Ergo AssetManagement) gebündelt hätten, sei das Kapitalanlageergebnis der beiden Erstversicherer deutlich unter den Marktschnitt gesunken. Von Synergieeffekten könnte da kaum noch die Rede sein.

Doch auch eine gute Kapitalanlage verursacht selbstverständlich Kosten. Zur Zeit der Börsenhausse Ende der 90er Jahre, als viele Versicherer ihr Heil in Aktien suchten, um konkurrierenden Investmentgesellschaften Paroli bieten zu können, waren Experten in diesem Anlagesegment auch bei Versicherern gesucht. "Für einige Unternehmen waren sie aber schlicht zu teuer", erinnert sich Poweleit. Die Debeka verzichtete darauf, sparte auf diesem Weg viel Geld und blieb einer vorsichtig-konservativen Anlagestrategie treu. Davon profitiere sie noch heute.



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